Neuer Standard für hochreines Gold

Der bekannte Krügerrand aus Südafrika ist eine Goldmünze, die leicht rötlich schimmert, während der ebenfalls sehr gern gekaufte kanadische Maple Leaf einen honiggelben Farbton aufweist. Obwohl das Gold optisch in einer sehr unterschiedlichen Anmutung daherkommt, kauft ein Anleger mit beiden Münzen jedoch jeweils eine Unze Feingold.

Neben dem deutlich erkennbaren Farbunterschied gibt es auch noch einen kleinen Unterschied beim Gewicht. Während der Maple Leaf 31,103 Gramm auf die Waage bringt und nur hochreines 999,9er Feingold enthält, ist der Krügerrand mit 33,93 Gramm etwas schwerer, denn er besteht aus dem 916,66er Dukatengold. Dieses Dukatengold enthält noch leichte Verunreinigungen, hauptsächlich Kupfer, das für den leicht rötlichen Schimmer der Münzen verantwortlich ist. Trotz dieser Verunreinigung ist der Krügerrand nicht weniger wert, denn auch er enthält eine Unze (31,103 Gramm) Feingold.

Über Jahrhunderte reichten den Anleger diese Feingehalte und Reinheitsgrade aus. Eine leichte Verunreinigung mit Kupfer wie beim Dukatengold hat sogar einen praktischen Vorteil, denn das Gold wird dadurch wesentlich unempfindlicher und widerstandsfähiger. Dieser Vorteil ist insbesondere für den Münzgebrauch von Bedeutung.

Hochreines Gold hingegen ist sehr weich. Man kann es mit dem Fingernagel einritzen. Auch gegen Stöße ist es empfindlicher als das Dukatengold. Lässt man beispielsweise einen Maple Leaf aus der Hand zu Boden fallen, so weist die Münze anschließend höchstwahrscheinlich durch den Stoß eine Einbuchtung aus. Lagern mehrere Münzen in einem Portemonnaie übereinander und scheuern, sind Kratzer auf der Oberfläche zwangsläufig.

An Gewicht hat die Münze zwar in keinem der beiden Fälle verloren, doch aus ästhetischer Sicht wirkt sie „unansehnlicher“ was oft dazu führt, das verkratzte hochreine 999,9er Goldmünzen beim Wiederverkauf etwas schlechtere Preise erzielen.

Neuer Standard oder Marketinggag?

Mit der Ausprägung der hochreinen 999,9er Maple Leaf Goldmünzen wollte sich die Royal Canadian Mint von anderen Prägeanstalten absetzen, sich ein Alleinstellungsmerkmal verschaffen, neue Kunden und zusätzliche Marktanteile gewinnen.

In diesen Tagen gehen chinesische Anbieter einen ähnlichen Weg, wie ihn die Kanadier im vergangenen Jahrhundert gegangen sind. Auch sie bieten einen neuen Standard für hochreines Gold an.

Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, veröffentlichten die chinesischen Behörden einen ersten Standard für „hochreines Gold“. „Hochreines Gold“, das diesem neuen Standard entspricht, muss eine Reinheit von mindestens 99,999% enthalten.

Damit ist der neue chinesische Standard der höchste Reinheitsgrad, der weltweit für Gold bislang definiert wurde. Bislang galten auch in China die „vier Neunen“ also eine Reinheit von 99,99% als das Maß aller Dinge.

Ziel der Aktion ist es, den chinesischen Goldkonsum weiter zu erhöhen und besonders der neu entstandenen kaufkräftigen Mittelschicht ebenfalls diesen hochreinen Standard anzubieten. Bislang kam Gold dieser Reinheitsstufe nur in der Hightech-Branche zum Einsatz. In der Luft- und Raumfahrttechnik wird beispielsweise Gold dieser Reinheit benötigt.

Auch andere hier eingesetzte Materialien benötigen eine deutlich höhere Reinheit als gewöhnliche Anwendungen. Deshalb verfügt diese Branche anders als beispielsweise die Schmuckindustrie auch über die notwendigen technisch sehr aufwendigen und komplizierten Verfahren um Metalle in dieser Reinheit darzustellen.

Frischer Wind für Chinas Goldindustrie

Zu den Auswirkungen des neuen Standards auf Chinas Goldindustrie erklärte Sun Zhaoxue, der Präsident der chinesischen Goldvereinigung: „Durch die Einführung des neuen nationalen Standards wird die Technologie zur Produktion hochreinen Goldes nun auch für den Konsummarkt benötigt. Dies dürfte die Entwicklung der chinesischen Goldindustrie voranbringen und den Markt für Goldinvestitionen und –konsum verändern.“

Das Hauptamt für Qualitätsüberwachung, Inspektion und Quarantäne sowie das chinesische Standardisierungsamt haben den neuen Standard bereits genehmigt, sodass er noch diesen Monat in Kraft treten kann.

Wenn Chinas Goldindustrie durch diese technische Neuerung zu einer moderneren und genaueren Arbeitsweise gezwungen wird, dann ist das nur zu begrüßen. Im Reich der Mitte wird auch schon gerne einmal Wolfram vergoldet und in den Handel gebracht und ich selbst habe es bereits in Beijing erlebt, dass 925er Sterling Silber als 950er Silber angepriesen wurde. Erst der Hinweis, dass diese Reinheitsstufe allgemein unbekannt sei, führte dann zu dem Eingeständnis, dass es sich doch nur um 925er Sterlingsilber handeln würde.

Für Schmuckstücke dürfte die neue Reinheitsstufe jedoch eher ungeeignet sein, weil das Gold zu weich ist und beim Tragen viel zu leicht beschädigt werden kann. Hier wird auch weiterhin überwiegend „unreineres“ Gold zum Einsatz kommen.

Für Anleger ist der erhöhte Reinheitsgrad ebenfalls uninteressant. Der reine Materialwert eines Goldbarrens oder einer Münze wird nicht wesentlich höher ausfallen, nur weil die Reinheit geringfügig erhöht wurde. Der Preis der hochreinen Goldmünzen und -barren könnte durch den deutlich gestiegenen Herstellungsaufwand jedoch kräftig steigen.

Zu empfehlen ist der Kauf dieser Münzen nur, wenn er ohne Aufpreis zu den gängigen 999,9er Münzen erfolgen werden kann. Liebhaberpreise sollten Sie als Investor für hochreine Münzen und Barren auf keinen Fall bezahlen, denn es besteht die Gefahr, dass Sie diese Aufschläge beim Verkauf nicht wieder erzielen werden.

Fälschungen sicher erkennen: So schützen Sie sich vor Betrügern

Wer schon einmal Altgold bei einem Edelmetallhändler verkauft hat, der weiß, dass das zu verkaufende Gold je nach Reinheitsstufe unterschiedliche Preise erzielt. Zunächst muss der Händler bei jedem Teil prüfen, welchen Reinheitsgrad das Gold hat. Recht einfach ist diese Angelegenheit bei gestempelten Barren und Münzen. Der Stempel verbürgt die Reinheit und ist auch für den Laien sehr leicht zu finden.

Etwas schwieriger wird das Einwerten des Goldes, wenn es um Schmuckstücke geht. Zwar sind auch diese oft gestempelt aber nicht jedem Stempel kann man trauen. Der hohe Goldpreis hat immer schon Menschen dazu verführt, andere zu übervorteilen. Das Schmuckstück muss also längst nicht so viel Gold enthalten, wie der Stempel vorgibt. Eine chemische Probe gibt Aufschluss und im Zweifelsfall wird sich ein Händler eher an ihr als an einem dubiosen Stempelaufdruck orientieren.

Auch bei Barren und Münzen kommt es leider immer wieder zu Fälschungen. Wer als Anleger vor ihnen sicher sein will, der sollte beim Edelmetallkauf zwei wichtige Grundregeln unbedingt beachten: Zunächst und das ist die mit Abstand wichtigste Regel sollten Gold und Silber nicht bei irgendwelchen fliegenden Händlern, sondern ausschließlich im seriösen Edelmetallhandel erworben werden.

Zwei wichtige Grundregeln

Ein Händler, der auch in 10 Jahren noch im Geschäft sein will, kann es sich nicht leisten seine Kunden zu betrügen, weder heute noch zu irgendeinem anderen Tag. Er muss beim An- und Verkauf stets faire Preise stellen und kann auch beim Material nicht tricksen.

Die zweite Grundregel betrifft nur das Gold, denn der Silberpreis ist immer noch viel zu billig, als dass sich zum jetzigen Zeitpunkt Fälschungen wirklich lohnen würden. Sie werden deshalb kaum auf versilbertes Blei oder Ähnliches treffen. Wer also Silber kauft, der muss nur darauf achten, dass der ihm verkaufte Barren bzw. die übergebene Münze die genormte Größe und das aufgestempelte Gewicht enthält.

Anders verhält es sich beim Gold. Hier lohnten sich schon immer Fälschungen. Sehr leicht zu erkennen sind Fälschungen aus anderen Materialien mit deutlich geringerem spezifischem Gewicht. Diese vergoldeten Münzen haben zwar die gleiche Größe unterscheiden sich aber hinsichtlich ihres Gewichts massiv vom Original.

In der Regel reicht es aus, diese Münzen auf die Waage zu legen. Der Unterschied ist so groß, dass auch ein Laie ihn leicht erkennen kann. So hat beispielsweise die von der Deutschen Bundesbank zum Abschied der D-Mark herausgegebene Goldmünze ein Gewicht von 12,04 Gramm. Eine vergoldete Kursmünze kommt hingegen je nach Stärke des Goldüberzugs nur auf 5,5 bis 6,0 Gramm.

Die vergoldete Kursmünze ist zudem auch noch an anderen Details etwa am aufgeprägten Jahrgang (1950 bis 2011) und der Aufschrift „Bundesrepublik Deutschland“ statt „Deutsche Bundesbank“ von der echten Goldmünze (nur Jahrgang 2001) zu unterscheiden.

Interessanter ist es für betrügerische Zeitgenossen, einen Barren zu fälschen. Gelingt der Trick, so kann dank des höheren Gewichts ein viel höherer Geldbetrag erschwindelt werden. Allerdings fällt dank des Gewichts auch das unterschiedliche spezifische Gewicht selbst einem Laien viel schneller auf. Im Vergleich zu einem echten Goldbarren hat ein vergoldeter Bleibarren zwar das gleiche Gewicht, kommt jedoch auf ein deutlich höheres Volumen.

Goldbarren mit Wolframkern

Ein Fachmann, der schon viele Goldbarren in seinen Händen hatte, wird über diese Feinheit schnell stolpern und den gefälschten Barren gar nicht erst ankaufen. Wer als Fälscher auch diese Klientel übers Ohr hauen will, der muss auf „höherwertige“ Fälschungen ausweichen und Barren mit einem Wolframkern verwenden.

Das spezifische Gewicht von Wolfram kommt dem des Goldes recht nahe. Deshalb fällt in der allerersten Anmutung der Gewichtsunterschied nicht so deutlich auf. Ein Kinderspiel ist die Herstellung von gefälschten Goldbarren mit Wolframkern jedoch nicht. Wolfram hat einen sehr hohen Schmelzpunkt von 3.422 Grad Celsius.

Eine im Hinterhof nur nebenbei betriebene Fälscherwerkstatt wird dieser Schmelzpunkt vor erhebliche technische Probleme stellen. Solche Barren können somit nur von Schmelzprofis hergestellt werden.

Schützen können Sie sich als Anleger nur dadurch, dass Sie im Zweifelsfall den Barren aufbohren und das Gold anschließend neu einschmelzen lassen. Das verursacht zwar zusätzliche Schmelz- und Formkosten, schafft aber Sicherheit und bei einem Kilogrammbarrenpreis von derzeit über 42.500 Euro fallen die ca. 60 Euro Form- und Schmelzkosten nicht wirklich ins Gewicht.

Wer als Käufer in kleineren Größen unterwegs ist und keine aufwendigen Prüfverfahren durchführen kann oder möchte, der weicht am besten auf Münzen aus, denn Wolfram eignet sich zwar zum Gießen von Barren ist jedoch zum Ausprägen von Münzen ungeeignet. Dazu ist das Schwermetall zu spröde. Es kann also keine Goldmünzen mit Wolframkern geben. Das schafft ihnen als Anleger Sicherheit.

Alle anderen Metalle, die potentiell als Material für den Kern der Fälschung infrage kämen, sind so leicht, dass die Abweichungen beim Volumen bzw. bei den Münzen beim Gewicht sofort auffallen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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