Wünsch dir was …

Bernd Heim
By Bernd Heim / 25. August 2014

In vier Monaten ist Weihnachten, es wird also höchste Zeit in sich zu gehen und seinen persönlichen Wunschzettel zu schreiben. Wunschzettel sind naturgemäß eine sehr individuelle und persönliche Angelegenheit, deshalb weiß ich nicht, welche Punkte Sie sich auf Ihrem Zettel notieren werden, aber auf meiner Wunschliste für die Kapitalmärkte ständen mit Sicherheit ein wenig mehr Klarheit und Entschiedenheit ziemlich weit oben.

Das gilt nicht nur für den DAX, der am Donnerstag und Freitag der Vorwoche eine weitere Folge der beliebten Anlegerserie „Denn sie wissen nicht, was sie wollen“ zum Besten gegeben hat. Sah es am Donnerstag noch kurz so aus, als könnte die als Widerstand fungierende 200 Tage Linie erfolgreich überwunden werden, wurde der Eindruck am Freitag gleich wieder negiert und am Ende der Woche sind wir so schlau wie vorher und wissen, dass wir gar nichts wissen.      

Auch das Gold und die Edelmetalle präsentieren sich schon seit Wochen in einer ausgesprochen schläfrigen Verfassung. Trotz verschärfter politischer Spannungen will ein nachhaltiger Ausbruch über die 1.300 US Dollar Marke nicht gelingen. Im Gegenteil: Die letzten Handelstage verbrachte das gelbe Metall in einer Position, in der es sich die 1.300er Marke sogar von unten ansehen durfte.

Von den politischen Krisen kann das Gold, können die Edelmetalle derzeit offensichtlich nicht profitieren. Bleibt die Frage, ob das in wenigen Tagen beginnende Winterhalbjahr den Goldbugs Entspannung bringt und die Kurse beflügelt.

Normalerweise kann man Ende August/Anfang September immer wieder ein deutliches Anziehen der Edelmetallpreise und der Kurse der Minenaktien beobachten. Im Hintergrund stehen die Käufe, die im Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft im Westen und die vielen anderen religiösen und nationalen Feste im asiatischen Raum getätigt werden.

Sie liegen alle in den Monaten September bis März und sind der saisonale Grund dafür, dass sich der Goldhandel im Anschluss an das Ende der Sommerferien spürbar belebt. Für das Gold ist der September deshalb einer der stärksten Monate und wer in der Vergangenheit Ende August auf einen Anstieg des Goldpreises und der Minenaktien setzte, der wurde selten enttäuscht.

Keine Regel ohne Ausnahme und eine der letzten Abweichungen von der Jahr für Jahr geübten Praxis dürfte vielen Anlegern noch gut in Erinnerung sein. Im Herbst 2011 fiel der obligatorische Goldpreisanstieg buchstäblich ins Wasser, das damals massiv von der europäischen Finanzkrise getrübt war.

Eigentlich hätte das Thema den Goldpreis auch im Herbst 2011 beflügeln sollen, aber nachdem es nahezu das ganze Jahr nur den Weg stramm nach oben gekannt hatte, fiel das Gold im Herbst 2011 – also ausgerechnet in der an sich stärksten Jahreszeit – massiv zurück.

Im Sommer 2011 zeigte auch der DAX eine unangenehme Schwäche. Crashartig ging es im August fast 2000 Punkte in die Tiefe. Der Index brauchte mehr als ein Jahr, um sich von diesem Schock zu erholen und wieder zu den alten Niveaus emporzuschwingen.

Danach ging es dann zwar stramm aufwärts Richtung 10.000 Punkte, aber diesen Anstieg haben viele Anleger verpasst, weil ihnen der Schock vom Sommer 2011 noch lange in den Knochen steckte.

Vergleicht man die aktuelle Lage mit dem Sommer vor drei Jahren, treten einige interessante Parallelen hervor. Die auffälligste Ähnlichkeit ist sicher die Dominanz, mit der politische Themen das Börsengeschehen beherrschen.

Damals lähmte die Angst vor einem unkontrollierten Schuldenkollaps, heute sorgen sich die Anleger um die zahlreichen Krisenherde der Welt, insbesondere den Konflikt in der Ostukraine.

Ähnliche Situationen können zu ähnlichen Handlungsmustern führen, müssen es aber nicht zwangsläufig. Insofern ist es zumindest voreilig, wenn nicht sogar falsch, aus dem Herbst 2011 eins zu eins auf die zukünftige Entwicklung schließen zu wollen. Geschichte wiederholt sich nicht, auch wenn das immer wieder behauptet wird.

Es gibt Ähnlichkeiten und Parallelen, das sei gar nicht bestritten. Aber wenn wir Menschen für uns in Anspruch nehmen, selbstständig zu handeln und keinen zuvor festgelegten Programmen zu folgen, dann müssen bei allen Ähnlichkeiten auch immer wieder deutliche Unterschiede spürbar werden. Oder kennen Sie einen Zeitgenossen, der von sich mit Fug und Recht behaupten kann, genauso zu denken, handeln und fühlen wie Napoleon, Bismarck oder John F. Kennedy?

Für die Aktien ist der herannahende September einer der schlechtesten Monate. Es sind oft größere Verluste zu beklagen als im für seine Crashs von 1929 und 1987 bekannten und gefürchteten Oktober. Beim Gold ist es genau umgekehrt. Hier strahlt der September meist in einem hellen Licht.

Es würde mich nicht wundern, wenn diese Asymmetrie in diesem Jahr durchbrochen wird und wir uns analog zum Jahr 2011 Ende September verwundert die Augen reiben und feststellen, dass das Gold nicht stark gestiegen ist.

Ob die Aktienmärkte dann gleichzeitig auf einen für sie positiv verlaufenen September zurückblicken werden, ist eine andere Frage. Die Weichen für die jeweiligen Entwicklungen dürften in dieser Woche gestellt werden und wir dürfen gespannt sein, in welche Richtung die Anleger den Börsenzug rollen lassen werden.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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