Auch für den DAX gilt: Ein Spiel dauert immer 90 Minuten

Bernd Heim
By Bernd Heim / 29. August 2014

Wenn man den bisherigen Verlauf dieser Handelswochen in das Bild eines Fußballspiels presst und den abwartenden Handelsverlauf des Mittwochs als Halbzeitpause interpretiert, dann muss man feststellen, dass die Bullen zwar die erste Halbzeit, also den Montag und Dienstag, klar dominiert haben, aber aus der Pause sind die Bären frischer und spritziger aufs Spielfeld zurückgekommen.

Ihnen gelang, wovon jede zur Halbzeit zurückliegende Fußballmannschaft träumt: den Vorsprung des Gegners schnell wieder auszugleichen. Genau das ist den Bären gestern gelungen und so stehen wir im Grunde wieder da, wo wir schon zu Beginn der Woche gestanden haben. Die schönen Zugewinne seit Montagnachmittag haben sich alle wieder in Luft aufgelöst.      

Geblieben ist den Bullen noch der Gewinn, der aus dem großen Gap zur Eröffnung am Montagmorgen resultiert. Ob es gelingt, wenigstens ihn ins Wochenende zu retten oder ob die Bären auch die zweite Hälfte der zweiten Halbzeit so deutlich dominieren wie den gestrigen Tag, das wird sich in den nächsten Stunden entscheiden.

Im Verlauf der Aufwärtsbewegung der letzten zwei Wochen gelang es den Bären nie, eine Abwärtssequenz zu etablieren, die über mehr als ein paar Stunden hinausging. Eine Abfolge von zwei oder gar drei Abwärtstagen suchen wir vergeblich.

Es gab zwar immer wieder empfindliche Einbrüche, denken Sie an den Freitag, an dem die Nachricht von einem teilweise vernichteten russischen Militärkonvoi den DAX schlagartig in die Tiefe schickte. Aber diese Einbrüche konnten die Bullen bislang immer sehr schnell wieder ausgleichen.

Eine entscheidende Frage für den heutigen Tag wird deshalb sein, ob die Bullen den Bären das Heft wieder aus der Hand reißen können, oder ob wir einen weiteren zweiten Abwärtstag erleben werden. Entschieden ist diese Schlacht noch keineswegs und beide Seiten haben durchaus Chancen, das Ringen für sich zu entscheiden.

Das macht es wiederum für uns Anleger so schwer mit der Situation umzugehen, denn auf welche Seite soll man setzen? Die Entscheidung gleicht ein wenig einem Münzwurf, denn über klare charttechnische Signale, die für die eine oder andere Richtung sprechen, verfügen wir nicht.

Dass die Bullen nach Tagen des kraftvollen Vorwärtsstürmens auch einmal stolpern und zurückgeworfen werden, kann uns nicht wirklich überraschen. Dass ausgerechnet das bei 9.600 liegende Widerstandsband jener Stein war, über den die Käufer zunächst gestolpert sind, kann auch nicht als eine nicht vorhersehbare Neuerung im Börsengeschehen aufgefasst werden.

Der Index läuft an einen Widerstand heran, scheitert und fällt zurück. So weit so gut, möchte man meinen, doch wie geht es nun weiter? Diese Frage könnte im Bereich von 9.375 Punkten entschieden werden. Gelingt den Bullen hier – oder auf höherem Niveau – eine Stabilisierung, könnte im September ein erneuter Anlauf Richtung 9.600 und später dann sogar 10.000 Punkte unternommen werden.

Fällt der DAX hingegen signifikant unter 9.375 zurück, dürften die Bären den Beginn des neuen Monats beherrschen und dem September als bekannten und zugleich gefürchteten Verlustmonat wieder alle Ehre machen.

Entschieden ist noch nichts, denn beide Optionen erscheinen etwa gleich wahrscheinlich und damit bin ich wieder bei meinem eingangs bemühten Bild vom Fußballspiel: Wie so manche Partie zwischen der 80. und 90. Minute noch einmal richtig Fahrt aufnimmt und vielleicht auch erst in der Nachspielzeit entschieden wird, so könnte auch diese Handelswoche zum Ende hin noch einmal richtig spannend werden.

Will sagen: Wer sich heute zu früh ins Wochenende verabschiedet und das Frankfurter ‚Bullen und Bären-Stadion‘ vorzeitig verlässt, könnte das eine oder andere Tor verpassen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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