Schweißgebadet in die neue Woche

Bernd Heim
By Bernd Heim / 15. September 2014

Eine aufreibende Woche liegt hinter uns, eine heiße möglicherweise vor uns. Der große Verfallstag, der schon in den vergangenen Tagen seine Schatten vorausgeworfen hat, steht an und wird bis Freitag das Geschehen an den Märkten sicher nachhaltig bestimmen.

Was danach kommt, weiß im Augenblick keiner. Wir wissen ja nicht einmal, was bis zum Freitag noch alles kommen wird. Sehr entspannt sind die Anleger jedenfalls nicht. Sie ahnen, dass etwas Entscheidendes geschehen könnte, wissen aber nicht, was es ist und worauf sie sich vorbereiten sollten.      

Entsprechend hektisch und unentschlossen waren ihre Bewegungen in der vergangenen Woche. Wir sahen nicht nur keine klare Präferenz für steigende oder fallende Kurse, sondern auch eine subtile Angst vor dem Ungewissen. Am Freitag wurde sie wieder anschaulich deutlich. In den deutschen wie in den amerikanischen Charts hat sie ihre Spuren hinterlassen.

Weder diesseits noch jenseits des Atlantiks wollten die Anleger das Risiko eingehen, ihre Long-Positionen über das Wochenende zu halten. Das schien viel zu gefährlich. So wurde am Freitag vorsorglich verkauft und die Charts zeigen uns unschöne Einbrüche, die zum Handelsende zwar wieder etwas abgeschwächt, aber nicht ganz ausgeglichen werden konnten.

Man kann dieses von Vorsicht geprägte Verhalten durchaus verstehen, sollte aber auch die sich aus dieser Haltung ergebenden Konsequenzen nicht übersehen, denn die zwingen uns mal wieder dazu, einmal um die Ecke zu denken.

Wenn die Mehrheit der Anleger wirklich im Grunde ihres Herzens tendenziell long orientiert ist und auf steigende Kurse setzt und am Freitag nur verkauft hat, weil sie nicht von Vladimir Putin oder sonst irgendeiner politischen Entwicklung auf dem falschen Fuß erwischt werden wollte, dann müssen diese Anleger – wollen sie ihrer Einschätzung aus der Vorwoche treu bleiben – in der neuen Woche wieder kaufen.

Tun sie das, sehen wir ab Montag oder Dienstag wieder eine Aufwärtsbewegung und die ganzen Minustage aus der Vorwoche sind schnell vergessen. Nach dem ‚Zick‘ und dem ‚Zack‘ der letzten Tage, käme dann wieder ein erneutes ‚Zick‘, das aber vermutlich nicht zu weit gen Norden führen wird, denn wenn die Anleger schon vor einem normalen Wochenende zittern und vorsorglich verkaufen, mit wie viel Respekt werden sie dann erst einem dreifachen Verfallstag begegnen?

Wer sich in die labile Psyche der Anleger gut hineinversetzen und die einzelnen ‚Zicks‘ und ‚Zacks‘ präzise vorhersagen kann, der wird in dieser Woche sicher wieder auf seine Kosten kommen. Alle anderen dürfen sich überlegen, ob es für sie nicht mehr Sinn macht, vorläufig die Füße stillzuhalten und zu warten, bis der Markt sich wieder etwas deutlicher für eine oder andere Richtung entschieden hat.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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