Nichts Neues von der Tradingrange und der FED

Bernd Heim
By Bernd Heim / 16. September 2014

Nachdem sich vor einigen Tagen die Käufer an der oberen Kante der Seitwärtsrange bei 6.800 Punkten die Zähne ausgebissen haben, war es am Montag an den Verkäufern, auf der Unterseite Ähnliches zu erleben.

Bis auf 9.600 Punkte fiel der DAX zum Wochenanfang zurück, doch tiefer ging es nicht mehr, denn schnell setzte eine Gegenbewegung ein, die den deutschen Leitindex wieder um 82 Punkte ansteigen ließ.      

Zwar konnte auch dieses hohe Niveau anschließend nicht gehalten werden und der DAX ging „nur“ mit einem leichten Plus von 8,5 Punkten oder 0,09 Prozent aus dem Handel, doch das war mit Sicherheit nicht die entscheidende Botschaft zum Wochenanfang.

Was zählt, ist die erfolgreiche Verteidigung der Seitwärtszone, dieses Mal durch die Bullen. Sie verhinderten ein Absinken auf tiefere Niveaus und konnten den Montag deshalb zunächst einmal als Erfolg für sich verbuchen.

Das war keineswegs selbstverständlich, denn am letzten Wochenende war die Mehrheit der Anleger noch eher skeptisch eingestellt. Mit Blick auf die anstehenden Termine, insbesondere die US-Notenbanksitzung am Mittwoch und den dreifachen Verfallstag am Freitag, wurden zum Handelsstart fallende Kurse und insgesamt eine Verlustwoche erwartet.

Aber wie so oft wurde die Mehrheit der Anleger auf dem falschen Fuß erwischt und musste mit ansehen, dass der Index statt des erwarteten Weges die Gegenrichtung einschlug. Der Montag machte damit exemplarisch deutlich, dass das Überraschungspotential in dieser Woche auf der Ober- und nicht auf der Unterseite liegt.

Fallen die Kurse in den nächsten Tagen unter 9.600 Punkte zurück, werden sich wohl nur die wenigsten Anleger verwundert die Augen reiben. Ein starker Anstieg hingegen sollte mit ungläubigem Staunen quittiert werden, denn die Börsianer scheinen mit dem Schlimmsten zu rechen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Furcht vor einem scharfen Auftritt der FED-Präsidentin, Janet Yellen, am Mittwoch. Er könnte, so die weitverbreitete Angst, die Märkte gehörig in Unruhe versetzen und für massive Kursturbulenzen sorgen. Doch ist diese Sorge wirklich berechtigt?

Bislang hat die US-Notenbank sehr behutsam und vor allem für die Finanzmärkte auch sehr berechenbar agiert. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Vor 20 oder 30 Jahren wurde vor den FED-Sitzungen noch mehr gezittert als heute, denn man konnte nie sicher sein, was am Ende herauskommen würde.

Das hat sich seit den Präsidentschaften Alan Greenspans und Ben Bernankes geändert. Unter ihrer Führung ist die FED dazu übergegangen, die Märkte nicht mehr vor vollendete Tatsachen zu stellen, sondern ihnen ihre Aktionen behutsam zu vermitteln und ihnen damit gleichzeitig die Zeit zu geben, sich in Ruhe auf kommende Veränderungen einzustellen.

Warum sollte die US-Notenbank ausgerechnet in dieser Woche von der geübten und bislang so erfolgreichen Praxis abweichen? Es gibt aktuell keine Krise und auch keine Sondersituationen, die ein derartiges Verhalten erforderlich machen würden.

Will man der FED nicht unterstellen, vorsätzlich Porzellan zu zerschlagen, ist also kaum mit drastischen Veränderungen zu rechnen. Mit vorsichtigen Veränderungen müssen wir Anleger immer rechnen, aber auch eine Janet Yellen hat keinen Grund, Vertrauen leichtfertig zu verspielen.

Im Gegenteil: Sie müsste, bedingt durch die Kürze ihrer Amtszeit, eher bestrebt sein, weiteres Vertrauen in ihre Person und in ihre Führungsstärke aufzubauen. Folgt sie diesem Ziel auch nur rudimentär, verbieten sich furchterregende Ankündigungen und hektische Aktionen jeder Art von ganz allein.

Der FED-Sitzung am Mittwochabend sehe ich deshalb recht gelassen entgegen. Irritierende Nachrichten erwarte ich nicht. Es wird wohl keine großen Überraschungen geben, will heißen:

Das bisherige QE-Programm läuft ganz normal aus und die US-Notenbank wird vorsichtig darauf hinweisen, dass sie gewillt ist, die Zinsen wieder leicht zu straffen, falls, aber auch wirklich nur falls, wir in den nächsten Monaten ein Anziehen der Inflation oder eine Überhitzung des amerikanischen Arbeitsmarktes erleben werden.

Nach Letzterem sieht es momentan nicht aus. Man braucht sich dazu nur die Zahlen aus der Vorwoche ins Gedächtnis zu rufen. Die große Angst vor dem „Klabautermann Janet Yellen“ könnte sich deshalb schon am Mittwochabend bzw. Donnerstagmorgen als ein harmloser Sturm im Wasserglas entpuppen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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