Statt langer Reise nur kleiner Ausflug

Bernd Heim
By Bernd Heim / 23. September 2014

Wer sich als Anleger klare, dynamische Trends wünscht, der wird mit Blick auf den gestrigen Handelstag vielleicht einen Satz wie diesen aus vollem Herzen mitseufzen können: „Ich wünschte, der DAX hätte eine große Reise gemacht, aber es war leider wieder nur ein kleiner Ausflug.“

Da der Sommer dieses Jahres noch nicht allzu lange Geschichte ist, können Sie sich sicher an folgende Beobachtung erinnern: Wer verreist, der ist erst einmal weg und kommt so schnell nicht wieder. Aber wer nur einen Ausflug macht, ist bald schon wieder zurück.      

Diese Beobachtung gilt im übertragenen Sinn auch für unseren DAX, der in diesem Jahr in einer breiten Seitwärtsbewegung unentschlossen hin- und herpendelt. Aufs ganze Jahr betrachtet liegt die Range zwischen 9.000 und 10.000 Punkten und im kleineren Zeitfenster der letzten Wochen sogar nur zwischen 9.600 und 9.800 Punkten.

Es gibt immer wieder mal Ausflüge in die eine oder andere Richtung, aber wirklich auf die Reise gemacht, hat sich der Index noch nicht. In dieser Woche waren es die Bullen, die ihre Träume an der harten Wirklichkeit zerschellen sahen. Ihre Hoffnung, der DAX könnte am Freitag die enge Seitwärtsrange zwischen 9.600 und 9.800 Punkten erfolgreich hinter sich gelassen haben, wurde bitter enttäuscht.

Nahezu den ganzen Montag verbrachte der Index wieder in altbekannten Gefilden unterhalb der 9.800er Marke. Würde man das Kursgeschehen vom Freitag nicht kennen, könnte man fast meinen, der DAX hätte diese Hürde nie bezwungen.

Der Handelsauftakt vom Montag geht als Punktsieg an die Bären, doch wirklich glücklich und zufrieden dürfen diese sich auch nicht fühlen. Zwar gingen die Kurse wie schon im März und Juni im Anschluss an den Verfallstag weiter zurück. Aber eine klare Richtungsentscheidung zugunsten tieferer Kurse ist damit (noch) nicht gefallen.

Der Markt ist unentschlossen und bleibt sich selbst treu. Erschwerend kommt für uns Anleger hinzu, dass die entscheidenden Marken für klarere Aussagen recht weit voneinander entfernt sind.

Für ein eindeutiges Aufwärtsszenario muss der DAX ein klares Kaufsignal ausbilden und über 9.880 Punkte ansteigen. Soll es dauerhaft abwärtsgehen, ist die bei 9580 liegende Unterstützung von den Bären nach unten zu durchbrechen. Dazwischen ist das Niemandsland, die altbekannte Schiebezone.

Noch ist der übergeordnete Aufwärtstrend intakt und die Aspekte, die immer noch für eine Wiederaufnahme der Aufwärtsbewegung sprechen, sind weiterhin vorhanden. Als Bulle sollten Sie dennoch nicht erwarten, dass die Verkäufer Ihnen und dem DAX das Leben leicht machen werden. Mit unangenehmem Gegenwind muss weiter gerechnet werden.

Ein fortgesetztes zähes Pendeln innerhalb der gewohnten Seitwärtsbewegung scheint mir deshalb momentan wahrscheinlicher zu sein als klare Ausbrüche nach oben oder unten. Aber ich gebe zu, dass meine nicht vorhandene persönliche Glaskugel momentan etwas milchig und beschlagen ist. Vielleicht sollte ich das Teil mal gründlich spülen, um endlich etwas mehr Durchblick zu bekommen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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