Wenig Licht, viel Schatten und eine langsam steigende Unruhe

Bernd Heim
By Bernd Heim / 17. Oktober 2014

Der Mittwochabend brachte nachbörslich zunächst ein neues Tief und anschließend eine Aufwärtsbewegung, die der DAX am Donnerstagmorgen mit einer Aufwärtslücke starten ließ. Doch der Anblick steigender Kurse war den Investoren nicht lange vergönnt.

Schnell wurden die Gewinne der letzten Nacht wieder abgegeben und während des Vormittags fiel der Index immer weiter ab. Wie dramatisch die Abgaben teilweise waren, erkennen Sie daran, dass in einer einzigen Fünfminutenkerze ganze 100 Punkte abgegeben wurden. Dass der Tag dennoch leicht im Plus endete, ist allein der Aufwärtsbewegung des Nachmittags zu verdanken.       

Die spannende Frage, ob sie hält, oder gleich wieder abverkauft wird, ist entscheidend für die kommenden Handelstage, denn ohne erkennbare Bodenbildung und ohne eine Gegenbewegung, die diesen Namen zurecht trägt, wird der Abwärtstrend mit hoher Wahrscheinlichkeit fortgesetzt werden.

Die Zeichen stehen damit weiterhin auf Rot und die Anleger erleben eine Art vorweggenommenen Winter mit wenig Licht und langen Phasen der Dunkelheit. Störend ist dabei, dass der Index seit dem Bruch der zentralen Unterstützung bei 8.900 Punkten keinen ernst zu nehmenden Rücklauf an diese Marke gestartet hat, sondern einfach wie ein Stein gefallen ist.

Der fehlende Rücklauf erschwert die Orientierung im Chart, denn er nimmt uns die Niveaus, auf denen sinnvoll Stopps platziert werden könnten. Damit haben wir die Wahl, eine wackelige Treppe ohne Geländer als Haltepunkt hinabzusteigen oder passiv abzuwarten, bis der Markt uns wieder mit klaren Marken versorgt, die auch als Basis für sinnvolle Stopp-Loss-Ansätze geeignet sind.

Zwar gibt es noch immer in Chart Marken und Linien, die als Anhaltspunkte dienen könnten, nur sind diese momentan bereits sehr weit entfernt und welcher Anleger will in dieser Lage schon gerne mit Stopps und Zielen arbeiten, die eine dreistellige Punktzahl weit entfernt sind?

Charakteristisch für die letzten Tage war die extrem hohe Volatilität. In extrem kurzen Zeiträumen von wenigen Minuten wurden weite Spannen durchwandert. Auch das bedingt, dass die Auswahl eines geeigneten Stopps leicht zum Glücksspiel verkommt oder die Stopps so weit gewählt werden müssen, dass sie dieser Schwankungsbreite immer noch gerecht werden.

Das bedeutet für die Intraday agierenden Trader deutlich kleinere Positionsgrößen und mitunter auch anhaltende psychologische Achterbahnfahrten, wenn der DAX wieder unentschlossen mit großen Amplituden wild hin und her zackt.

Alle anderen Anleger sind quasi zur Untätigkeit verdammt, denn jetzt noch Short zu gehen, wird immer gefährlicher und für einen Longeinstieg muss erst eine Bodenbildung einsetzen. Von der ist aber momentan noch nicht einmal ansatzweise etwas zu sehen.

Obwohl die Kurse in den letzten Wochen deutlich an Boden verloren haben, sind die Anleger „nur“ etwas unruhiger geworden. Von Panik kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine Rede sein, obwohl manchem Berichterstatter dies sicher gelegen käme, denn dann bestünde die Möglichkeit, die Kursverluste medial reißerischer aufzuarbeiten und zu präsentieren.

Die Anleger bluten, aber es fließt noch kein Blut durch die Straßen, so könnte man einen bekannten Wall Street Spruch auf die aktuelle Situation umwandeln. Der VDAX als Maß für die Volatilität und klassischer „Angstmesser“ ist zwar deutlich gestiegen, doch von extremen Panikniveaus sind wir noch weit entfernt. Ein Grund dafür ist natürlich auch, dass die Ausgangsbasis für den jüngsten Anstieg des VDAX relativ niedrig lag.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment: