Entscheidungsschwach in die neue Woche

Bernd Heim
By Bernd Heim / 11. November 2014

Anders als in den beiden Vorwochen startete der deutsche Aktienindex am Montag auf Basis des Tagesschlusskurses nicht mit Verlusten in die neue Woche. Unter dem Strich konnte der DAX ein Plus von 60 Punkten oder 0,65 Prozent für sich verbuchen. Damit hebt sich dieser Wochenauftakt angenehm von seinen Vorgängern ab.

Ob das nun ein gutes Zeichen ist, bleibt abzuwarten, denn trotz des ansehnlichen Tagesplus war der Montagshandel mit einem Element versehen, das dem Handel zum Wochenbeginn einen eher unangenehmen Beigeschmack verleiht: Die Eröffnung war schlecht und lag nochmals deutlich unter dem Schlusskurs vom Freitag.       

Zwar konnte der Index diese Verluste sehr schnell wieder ausgleichen und sich den Tag über von zwei kurzen Ausnahmen abgesehen auch konstant oberhalb des Schlusskurses vom Freitag halten, doch das nochmalige Unterschreiten des Wochenschlusskurses zeigt, dass die positiven Impulse aus der Vorwoche längst Geschichte sind.

Sowohl das Statement der Europäischen Zentralbank als auch die Arbeitsmarktdaten für den Monat Oktober aus den USA konnten den Markt nicht nachhaltig beflügeln und wurden schnell wieder abverkauft. Ihre Kraft und Wirkung sollte damit erschöpft sein.

Kurzfristig orientierte Trader können mit Strohfeuern dieser Art gut leben, doch um einen längerfristigen Anstieg zu begründen, sind sie absolut nicht ausreichend. Dieser wird sich nur dann einstellen, wenn es dem DAX gelingt, die 200 Tage-Linie erneut zu überschreiten. Doch genau an diesem Widerstand hängt der Index seit Tagen fest und kommt nicht den entscheidenden Schritt voran.

Er fällt aber auch nicht nachhaltig zurück. Auch das ist eine Erkenntnis der vergangenen Handelstage. Weder die Käufer noch die Verkäufer scheinen derzeit ein Bein auf den Boden zu bekommen und den Markt dauerhaft in ihrem Sinne beeinflussen zu können.

Bringt erst ein Impuls von außen die Entscheidung?

Das Patt der beiden nahezu gleichstarken Gegenspieler war den gesamten Montag über deutlich zu spüren. In einer engen Handelsspanne von gut 40 Punkten bewegte sich der Index weiter und erst die frischen Impulse aus den USA gaben den Ausschlag für höhere Kurse zum Handelsende.

Auch diese Beobachtung ist nicht neu. Ohne treibenden Rückenwind von der Wall Street gibt es keine Entscheidung zugunsten der Bullen und die Verkäufer tun gut daran, sich zurückzuhalten, solange die Indizes in den USA ein neues Hoch nach dem anderen ausbilden.

Dass der DAX am Tropf der Wall Street hängt, ist kein neues Phänomen. Mit ihm haben wir Anleger gelernt umzugehen. Was in diesen Tagen jedoch massiv belastet, ist die extreme Underperformance des deutschen Leitindex zu den Vorgaben aus Amerika.

Wäre der DAX momentan ähnlich stark wie seine amerikanischen Pendants, hätten wir auch in Frankfurt längst neue Allzeithochs jenseits der 10.050 Punkte Marke gesehen. Doch von dieser trennen uns Welten und eine scheinbar unüberwindliche 200 Tage-Linie.

Zwar ist der Index am Montag zum Handelsende wieder an sie herangelaufen, aber das allein bedeutet nichts, sofern der Widerstand nicht auch bald nachhaltig überwunden wird.

Noch ist der kurzfristige Aufwärtstrend intakt und die Käufer sind leicht im Vorteil, doch die Dynamik der Bewegungen lässt spürbar nach. Es hat daher den Anschein, als würde im Bereich zwischen 9.250 und 9.400 Punkten in den nächsten Tagen eine Art Grundsatzentscheidung über den weiteren Weg getroffen werden.

Solange diese Entscheidung vom Markt noch nicht getroffen ist, gehört der DAX allein den kurzfristig agierenden Daytradern.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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