Der Wille ist da. Wo ist der Weg?

Bernd Heim
By Bernd Heim / 20. November 2014

Der DAX will offenbar den Ausbruch, aber auf jeden Fall will er den Anschluss an die weit vorgelaufenen US-Indizes wiederherstellen. Recht klar wurde diese Botschaft in der ersten Wochenhälfte vom Markt ausgesandt. Die entscheidende Frage ist aber, ob die Amerikaner mitspielen und dem deutschen Leitindex ihre Unterstützung zukommen lassen werden.

Für weitere Anstiege im DAX muss es auch in New York weiter aufwärtsgehen. Eine derartige Annahme lag schon immer nahe und sollte jemand ernsthaft Zweifel an ihr gehabt haben, so belegte der gestrige Handelstag wieder einmal sehr deutlich, wie leicht der DAX ausgebremst wird, wenn jenseits des Atlantiks die Kurse ins Rutschen kommen.

Bis auf 9.520 Punkte konnte der Index ansteigen, ehe die zu Abgaben neigenden US-Indizes seinem Anstieg ein vorzeitiges Ende setzten. In der zweiten Handelshälfte verlor der DAX zwar wieder an Boden, aber er ließ eine Eigenschaft vermissen, die den Anlegern in den vergangenen Wochen sehr unangenehm aufgestoßen war. Er fiel nicht mehr stärker zurück, als die Vorbilder aus den USA es taten.

Insofern kann man auch den Kursverlusten vom Mittwochnachmittag immer noch etwas Positives abgewinnen. Überproportional gewonnen am Montag und Dienstag und am Mittwoch nicht vollkommen unter die Räder gekommen. Diese Kombination hatten wir schon lange nicht mehr.

Bestätigt der DAX in den kommenden Tagen diese Tendenz, ist zumindest ein Anschluss an die US-Märkte wieder möglich. Sie wissen, um diesen zu erreichen, muss der DAX nicht unbedingt stärker steigen als Dow Jones und S&P 500 es tun. Es würde schon vollkommen reichen, wenn der deutsche Aktienmarkt nur leichte Abgaben verzeichnet, während die US-Börsen mit einschneidenderen Verlusten zu kämpfen haben.

Nach dem Widerstand ist vor der nächsten Hürde

Es liegt natürlich auf der Hand, dass die Käufer im DAX eindeutig das Szenario bevorzugen werden, bei dem der deutsche Leitindex schneller steigt als die Indizes der Wall Street. Dann wäre bald auch ein Angriff auf die runde 10.000 Punkte-Marke wieder realistisch.

Doch so weit sind wir noch lange nicht. Geschafft hat der Index zunächst einmal „nur“ den Sprung über die Hürden zwischen 9.300 und 9.400 Punkten, die bislang seinen Anstieg begrenzten. Diese Widerstände sind damit überwunden, doch frei ist die Bahn deshalb noch nicht. Nun wartet die 200 Tage-Linie, die aktuell bei 9.475 Punkten verläuft.

Wichtig wäre nun, dass die Käufer den DAX auch über 9.600 Punkte treiben, sodass die vor dieser Marke liegenden Widerstände als bezwungen gelten können. Am Mittwoch ist der DAX im ersten Anlauf noch an ihnen klar gescheitert.

Das Scheitern selbst sollte man nicht übergewichten, denn selten wird eine wichtige charttechnische Hürde gleich im ersten Versuch genommen. Außerdem war der Markt zur Wochenmitte mal wieder mit ‚Warten‘ beschäftigt.

Das FED-Protokoll stand für den Abend zur Veröffentlichung an und die Anleger an der Wall Street entschieden, sich lieber nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen und keine unnötigen Risiken einzugehen.

Große Überraschungen waren nicht zu erwarten und sind auch nicht im Protokoll der amerikanischen Notenbank zu ihrer letzten Sitzung zu finden. Weder gab es viele Befürworter für eine schnelle Zinsanhebung noch ging die Erkenntnis, dass die Weltwirtschaft schwächelt und die Inflation in vielen Teilen der Welt angeblich zu niedrig ist, unbemerkt an den Gouverneuren vorbei.

Damit könnte die Wall Street ihre Furcht von gestern heute schon wieder abhaken und zur Tagesordnung übergehen. Wenn diese in einer Wiederaufnahme des Anstiegs der letzten Wochen besteht, dürfte auch der DAX nur wenig Probleme haben, seinen Schwung der letzten Tage wiederzufinden.

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Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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