Unberechenbar bis zum Schluss

Bernd Heim
By Bernd Heim / 17. Dezember 2014

Der DAX präsentierte sich im Jahr 2014 ausgesprochen launisch und wechselhaft. Vor allem die zweite Jahreshälfte war von starken Schwankungen und mächtigen Schüben und Gegenschüben gekennzeichnet.

Einen übergeordneten Trend sucht man vergebens, es sei denn, man will die generelle Tendenz ’seitwärts‘ zu einem eigenen Trend aufwerten. So wie das Jahr insgesamt, so scheint sich auch der Dezember präsentieren zu wollen. Er ist zwar noch nicht ganz Geschichte, doch viele Handelstage verbleiben nicht mehr, um am Gesamtbild noch etwas Entscheidendes zu ändern.

Wahrscheinlich erst auf der Zielgeraden wird sich entscheiden, ob das Jahr mit einem positiven oder negativen Vorzeichen abgeschlossen wird. Wirklich entscheidend ist das für die meisten Anleger nicht, denn mehr als der Anfangs- und Schlusskurs dürften die persönlichen Kauf- und Verkaufszeitpunkte im Vordergrund stehen.

Was bleibt am Ende von diesem turbulenten Jahr?

Eines der stärksten Gefühle, welche die Anleger in einigen Tagen in das neue Jahr mit hinübernehmen werden, ist die Gewissheit, dass außer der Unsicherheit nichts mehr konstant und verlässlich zu sein scheint.

Erinnern wir uns kurz an die Zeit von vor zwölf Monaten. Damals gingen die Anleger mit dem Gefühl, auf stabile Trends zu blicken, in das neue Jahr und mit der volatilen Seitwärtsbewegung, auf die wir nun bereits schon seit zwölf Monaten zurückblicken, haben wohl nur die Wenigsten im Vorfeld gerechnet.

Prägend für dieses Jahr ist auch, dass die Anleger keine wirklich fundierte Meinung zu haben scheinen. Exemplarisch deutlich wird dies beispielsweise an der Einschätzung zum Ölpreis. Er musste gestern als Grund für die zum Handelsende wieder deutlich steigenden Kurse herhalten. Das günstige Öl und der schwache Euro begünstigen die Wirtschaft, sodass das Vertrauen in die deutsche Konjunktur wieder zurückkehre.

Das ist interessant, denn noch vor ein paar Tagen wurde der starke Kursrückgang im DAX auch mit dem schwachen Ölpreis begründet. Der Rohölverbrauch sei so niedrig und weise auf eine schwache Weltkonjunktur, hieß es.

‚Ja, was denn nun?‘, möchte man fragen und sich klare Antworten wünschen, die es leider nicht gibt, denn die Anleger reagieren weniger auf externe Ereignisse und Nachrichten als vielmehr auf ihre ureigene Verunsicherung.

Stabil wie Blätter im Wind

Wäre es anders, würde man im Chart vielleicht öfter eine Trendwende- oder auch eine klassische Bodenbildungsformation erkennen. Doch die waren in den letzten Wochen wie überhaupt im ganzen Jahr eher selten anzutreffen. Zumeist ging es ansatzlos und relativ überraschend in die jeweils andere Richtung.

Bleiben sich die Anleger an den letzten Handelstagen selbst treu, könnte noch die eine oder andere Kapriole auf dem Programm stehen. Die Aussichten dafür sind nicht schlecht, denn bis zum Ende der Woche ist noch ‚Abwarten‘ angesagt.

Die Masse der Trader und Investoren wartet zwar nicht wie die Kinder aufs Christkind, doch das Ende der großen Unsicherheit und Lähmung, welche die heutige Sitzung der US-Notenbank und der große Verfallstag am Freitag mit sich bringen, wird auch auf dem Frankfurter Parkett sehnlich erwartet.

Danach dünnt der Handel aus und der Markt kann leicht zum Spielball der wenigen, dann noch verbliebenen Akteure werden. Über die Richtung der Reise ist damit zwar noch nichts gesagt, doch würde es mich nicht wundern, wenn auch an den Tagen unmittelbar vor und nach Weihnachten kräftige Kursausschläge zu verzeichnen sind.

Aber so weit sind wir noch nicht. Für den Augenblick müssen erst einmal die FED-Sitzung und der Verfallstag abgewartet werden. Danach, also ab Montag, sehen wir weiter. Das heißt, falls dann überhaupt noch einer mit an Bord ist.

 

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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