Wenn alles gesagt und getan ist

Bernd Heim
By Bernd Heim / 22. Dezember 2014

Auf dem Adventskranz brennen inzwischen vier Kerzen, doch ob auch den Anlegern in dieser Woche ein Licht aufgeht und endlich Klarheit herrscht, wohin die Reise am Frankfurter Aktienmarkt nun gehen soll, das darf durchaus bezweifelt werden.

Es gibt ohnehin nicht mehr viel zu tun und auch nur noch wenige, die es überhaupt tun könnten. Für die institutionellen Anleger ist das Jahr 2014 seit letztem Freitag faktisch Geschichte.       

Am Verfallstag endete das große Geschäft und nun sind die Bücher mehr oder weniger geschlossen. Geöffnet werden sie erst wieder im Januar. Was in der Zeit dazwischen passiert, interessiert wie alle Jahre wieder vermutlich nur die Statistiker.

Für die steht mit dem Jahresschlusskurs noch ein wichtiges Ereignis aus. Doch wirklich relevant ist nur, was die Aktienmärkte im kommenden Jahr aus dem Vorgaben des nun zu Ende gehenden Jahres machen werden.

Das werden sich die Anleger ein Stück weit in den kommenden zwei Wochen überlegen. Den Rest der Gewürze und Zutaten wird das neue Jahr mit seinen zu erwartenden wie überraschenden Wendungen beisteuern.

Ob das Gericht am Ende ein genießbares sein wird, oder wir uns doch lieber eine andere Menüzusammenstellung gewünscht hätten, das können wir vermutlich erst in 365 Tagen abschließend beurteilen.

Korrektur oder Weihnachtsgeschenke?

Ein hoher Jahresschlusskurs ist aus Marketinggesichtspunkten noch immer durchaus wünschenswert. Dem Wunsch entgegen steht aber, dass der DAX nach der wilden Achterbahnfahrt der vergangenen Woche reichlich überkauft in diese verkürzte Handelswoche geht.

Eigentlich sollte sich der überkaufte Zustand abbauen und der Index dazu entweder korrigieren oder zumindest über die Zeit seine extreme Positionierung ein wenig abbauen. Nur die Zeit ist jetzt kurz vor Weihnachten das Problem. Sie kennen das Drama vermutlich aus den Vorjahren: Bis zum 24. haben wir alles, nur keine Zeit.

An die neue Woche sollten Sie deshalb zumindest börsentechnisch keine allzu hohen Erwartungen stellen. Wenn Sie von vielen, ihnen wohlgesonnenen Zeitgenossen umgeben sind, gibt es zum Ende der Woche hin möglicherweise das eine oder andere interessante Geschenk. Das muss reichen. Dass uns der DAX auch noch beschenkt, sollten wir eher nicht erwarten.

Es ist auch kaum noch jemand da, der groß Geschenke verteilen könnte. Die meisten Akteure dürften sich schon in den Weihnachtsurlaub verabschiedet haben und die wenigen Händler, Trader und Investoren die in Frankfurt noch die Stellung halten, müssen zunächst die Frage für sich entscheiden, ob und wie tief sie den Index zurückfallen lassen.

Folgen sie den ’normalen‘ Gesetzen, müsste es zunächst eine zumindest kleinere Korrektur geben, bevor sich der deutsche Leitindex wieder höheren Sphären zuwenden kann. Das würde für die Tage vor Weihnachten eher die Bären erfreuen.

Nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen und Monate sollte man aber immer auch mit dem Unerwarteten rechnen, denn bleibt sich dieses hektische Jahr 2014 auch auf der Schlussgeraden treu, könnte auch bei extrem dünnen Umsätzen noch die eine oder andere Überraschung auf uns warten.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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