Der Baum, die Kerzen und das Jahresende

Bernd Heim
By Bernd Heim / 29. Dezember 2014

Es geht wieder los. Auch die deutschen Börsen öffnen zumindest für zwei Tage wieder ihre Pforten und mehr als an normalen Handelstagen stellt sich gerade in der Zeit unmittelbar nach den Festtagen für jeden die Frage, ob man auch als Vollblutbörsianer wirklich mit von der Partie sein muss, oder sich besser noch ein paar Tage Auszeit gönnt.

Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und sage, vermissen wird Sie heute an der Börse eh kein Mensch, wenn Sie der Börse fern bleiben und sich anderen Dingen widmen, weil die, die Sie vermissen könnten, selber auch nicht da sein werden.

Und wenn Sie in den letzten Tagen sogar bei den Kerzen im Baum die eine oder andere Umkehrformationen erkannt haben wollen, dürfte Ihre Fähigkeit abzuschalten und den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen durchaus noch verbesserungsfähig sein. In dem Fall bietet es sich auch an, lieber noch einen Tag oder besser gleich eine ganze Woche länger Pause zu machen.

Wiederholt sich das Programm aus den Vorjahren?

Was den Markt selbst betrifft, ist die Lage eigentlich klar und verhältnismäßig einfach. Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr sind für ihren dünnen Handel und ihre tendenziell steigenden Kurse bekannt.

Außerdem steht der DAX wieder in Schlagweite zu seinem Allzeithoch und für Banken und Fonds könnte es ein Anliegen sein, den Schlusskurs am Dienstag wieder bis an die alten Hochs oder sogar darüber hinaus ansteigen zu lassen.

Das hätte Folgen, nicht nur für die Werbung. Denn: Steigt der DAX über 10.090 Punkte an, sprich bildet er in den nächsten Tagen oder Wochen ein neues Allzeithoch aus, generiert der Index ein mittelfristiges Kaufsignal mit Zielen von 10.550 und 11.300 Punkten.

Also noch einmal Vollgas geben und alles auf die eine, in diesem Fall steigende Karte setzen? Der Plan könnte gelingen, er hat aber auch einige Momente gegen sich, die zur Vorsicht mahnen.

Bei uns hat man am 26. Dezember noch Weihnachten gefeiert und zum zweiten Mal den Festtagsbraten serviert. In den USA wurde schon wieder gehandelt und das Ergebnis war nicht mehr als ein ‚entschiedenes Vielleicht‘.

Der Dow Jones hat sich bemüht und zumindest im ersten Teil des Handels höhere Kurse ausgebildet. Viel geblieben ist bis zum Ende der Sitzung von diesem Bemühen nicht. Nur minimal schloss der Index über dem Eröffnungskurs vom Morgen.

Spielt Griechenland wieder Spielverderber?

Weil es so schön ist und damit es auch richtig kompliziert wird, werden auch unsere griechischen Freunde im Parlament mal wieder über einen neuen Staatspräsidenten abstimmen. Übrigens zum dritten und vorläufig letzten Mal.

Sollte die Wahl heute wieder scheitern, führt an Neuwahlen kein Weg vorbei. Wie anschließend die Zusammensetzung des Athener Parlaments und der finanzpolitische Kurs Griechenlands aussehen wird, ist schwer zu prognostizieren.

Leichter sind die Konsequenzen für die Börse abschätzbar. Sie wird tendenziell eher verschnupft auf eine entsprechende Nachricht aus Athen reagieren, denn die Anleger mögen alles, nur keine Unsicherheit und die Vorstellung, dass das kleine Griechenland schon wieder dauerhaft an den Nerven der Welt sägt, dürfte sicher nur den wenigsten Investoren und Tradern gefallen.

In diesem Sinn viel Spaß beim Lesen der Charts oder beim entspannten Lesen eines spannenden Buchs am häuslichen Kamin oder am Fenster nahe der Heizung.

P.S.: Ich für meinen Teil habe die Frage schon beantwortet. Für mich stehen heute die Kapitel 19 und 20 des Winsiders auf dem Programm. Allerdings die vom zweiten Band ‚Duell der Giganten‘, der im Frühjahr erscheinen soll.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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