Weihnachten ist vorbei

Weihnachten und damit die Zeit der Geschenke ist vorbei, auch wenn am heutigen Dreikönigstag noch einmal der Geschenke bringenden Weisen aus dem Morgenland gedacht wird. Vielleicht ist das die Botschaft, die der Markt uns seit einigen Tagen senden will.

Der DAX funkt die entsprechenden Signale im Grunde bereits seit dem 29. Dezember, also seit dem ersten Handelstag nach den Festtagen. Er negiert damit altbekannte Regeln, die zumindest in der Vergangenheit immer wieder eine hohe Eintrittswahrscheinlichkeit für sich beanspruchen konnten.

Doch 2014/2015 war bzw. kommt alles anders. Weder sind die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr gute Börsentage gewesen, noch starteten die Märkte wie gewohnt bullisch in das neue Jahr.

Der Index hat seit Weihnachten 450 Punkte verloren und damit dürfte es auch dem geübtesten Optimisten schwerfallen, den Fehlstart im Anschluss an die Feiertage zu verdrängen.

Waren die schlechten Nachrichten schuld?

Falls Sie zu den Anlegern gehören, die nach Gründen suchen, sei an dieser Stelle auf die schon bekannten Angstthemen ‚Griechenland‘ und ‚Russland‘ verwiesen. Falls Sie Radio und Fernsehen ausgeschaltet lassen und den Charts den Vorzug geben, wird schnell deutlich werden, dass wir es wieder mit einem erneuten Scheitern an der runden 10.000 Punkte Marke zu tun haben.

Dieses Mal war das Scheitern nicht ganz so offensichtlich, weil die psychologisch wichtige Marke nicht ganz erreicht wurde. Dennoch: Scheitern ist Scheitern und es macht nur noch für die Statistik einen Unterschied, ob der Index 10 oder 100 Punkte vor dem Ziel einknickt und die Reise in die Gegenrichtung antritt.

Insofern ist es eine interessante Frage, ob der DAX in den letzten Handelstagen ohne die störenden Nachrichten aus Athen und Moskau wesentlich anders reagiert hätte. Es spricht viel dafür, dass die grundsätzliche Reiserichtung die gleiche geblieben wäre. Mit einem besseren Nachrichtenumfeld wäre der Weg zurück vielleicht nicht ganz so lang ausgefallen.

Was signalisiert die Schwäche des Euros?

Glaubt man der Politik, vor allem den Aussagen der deutschen Bundeskanzlerin und ihres Finanzministers, wird die klassische griechische Tragödie heuer ausfallen, weil die Euro-Zone auf die Schwäche ihres schwächsten Mitglieds wesentlich besser vorbereitet sei.

Ich persönlich teile diesen Optimismus nicht und auch der Devisenmarkt scheint in diesen Tagen ein dickes Fragezeichen hinter die vollmundigen Reden aus Berlin zu setzten. Wäre es anders, dürfte der Euro nicht, oder zumindest nicht so stark fallen, wie er es derzeit tut.

Von der Wirtschaftsleistung ist Griechenland für Europa ungefähr so wichtig wie das kleine Bundesland Bremen für die Bundesrepublik. Sein Austritt wäre schade, aber für die anderen Länder der Euro-Zone sicher gut zu verkraften.

Das wissen auch die Devisenhändler. Auch sie kennen das wirtschaftliche Gewicht, das die Griechen in die Eurowaagschale werfen. Wenn sie dem Euro dennoch den Rücken zukehren und ihn fallen lassen, wie eine heiße Kartoffel, spricht viel dafür, dass eine andere Furcht sie leitet.

Die Schwäche des Euros ist so betrachtet keine Angst vor Griechenland. Es ist auch keine Angst um Griechenland, sondern eher die dumpfe Vorahnung einer beachtlichen Verunsicherung, die den gesamten europäischen Kontinent erfasst oder zumindest erfassen könnte.

Mit anderen Worten: Es geht mal wieder um die wichtige Währung ‚Vertrauen‘ und um die scheint es gerade nicht gut bestellt zu sein. Wäre es anders, hätte der Euro keinen Grund so stark zu fallen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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