DAX: Aufbruch – Durchbruch – Gipfelsturm

Bernd Heim
By Bernd Heim / 20. Januar 2015

Lange haben die Bullen gekämpft, jetzt ist der Durchbruch gelungen und der Weg zu neuen Höhen ist prinzipiell frei. Es ist nicht allein die Tatsache, dass gestern erneut ein neues Allzeithoch gebildet wurde, die positiv stimmt, sondern gleich eine ganze Reihe von Faktoren, die zumindest kurzfristig den Käufern am Markt die besseren Karten auf die Hand gibt.

Charttechnisch war die runde 10.000 Punkte Marke nie wirklich bedeutend. Die entscheidenden Widerstände lagen immer knapp über oder unter dieser Marke und trotzdem ist der DAX ein ganzes Jahr lang unschlüssig gegen diese unsichtbare Wand angerannt, denn der Widerstand, den fünfstellige Kurse dem deutschen Leitindex lange Zeit entgegengesetzt haben, war vor allem psychologischer Natur.

An die größeren Zahlen mussten sich die Anleger erst einmal gewöhnen und es wäre vermessen zu behaupten, dass sich bereits alle an die fünfstelligen DAX-Kurse gewöhnt hätten. Das wird sicher noch eine Weile dauern und möglicherweise auch den Grund für den einen oder anderen Rücksetzer in der Zukunft bilden.

Doch eines scheint sich in den letzten Tagen schon geändert zu haben. Zum ersten Mal ist es dem Index gelungen, sich signifikant über die alten Hochs knapp jenseits der 10.000 Punkte Marke emporzuschwingen. Die Höhenangst ist sicher noch nicht ganz überwunden, doch man gewinnt den Eindruck, dass sie zunehmend im Schwinden begriffen ist.

Vertrauen und Zuversicht als Basis für den weiteren Anstieg

Damit ist eine wichtige Basis für weitere Kurszuwächse gelegt. Ohne dieses Vertrauen im Rücken ist jeder weitere Anstieg früher oder später zum Scheitern verurteilt. Aber mit dem Gefühl, auch bei fünfstelligen Kursen keinen maßlos überzogenen Index zu handeln, besteht zumindest die Möglichkeit, den begonnenen Anstieg weiter fortzusetzen.

Mit anderen Worten: Die Bedingung der Möglichkeit für weitere Anstiege ist gegeben. Eine Garantie ist das selbstverständlich noch nicht, aber wer Garantien sucht, der sollte seine Schritte ohnehin besser nicht in die Handelssäle dieser Welt richten.

Das Tor ist aufgestoßen, vielleicht ist es sogar angemessen davon zu sprechen, es sei weit aufgestoßen, denn nun stehen Kursziele im Bereich von 10.500 bis 10.600 Punkten im Raum. Das einzige Problem: Die Anleger müssen auch hindurchgehen wollen.

An den letzten Tagen wollten sie es und in den nächsten Tagen werden sie es vermutlich auch weiterhin noch wollen. Kritisch wird es erst zum Ende der Woche. Dann wird die EZB-Sitzung, auf die der Markt hinfiebert und die die aktuelle Rallye massiv befeuert, Geschichte sein und die Wahl in Griechenland vor der Türe stehen.

Weiterfahren oder an der nächsten Ausfahrt raus?

Viele Investoren und Trader, die jetzt noch auf der Käuferseite stehen, könnten dann getreu dem Motto ‚Kaufe das Gerücht, verkaufe die Fakten‘ geneigt sein, ihre Gewinne mitzunehmen und das weitere Geschehen erst einmal abzuwarten.

Doch so weit sind wir noch nicht. Noch fühlen wir uns wie ein Autofahrer am Ende einer langen Baustelle. Der Stau hat sich aufgelöst, es gibt wieder jede Menge Platz, denn es stehen drei freie Spuren zur Verfügung und ein jeder drückt das Gaspedal wieder etwas kräftiger durch.

Vielleicht müssen oder wollen Sie schon an der nächsten Ausfahrt raus. Sinnvoller wäre es jetzt, die Gunst der Stunde zu nutzen und Kilometer zu machen, denn als erfahrener alter Hase im Börsenverkehr wissen Sie: Die nächste Baustelle und mit ihr der nächste Stau kommen früh genug.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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