Bremst der Dow den DAX bald ein?

Bernd Heim
By Bernd Heim / 2. Februar 2015

Die neue griechische Regierung vermochte den DAX in der letzten Januarwoche nicht zu stoppen. Egal, was Alexis Tsipras und seine Minister taten oder sagten, auf den deutschen Aktienindex hatte es so gut wie keine Auswirkungen.

Das leidige Thema Griechenland scheint bereits abgehakt, bevor es überhaupt richtig im öffentlichen Bewusstsein angekommen ist. So mag es zumindest auf den ersten Blick erscheinen.

Das ist aus wirtschaftlicher Sicht durchaus nachvollziehbar, denn die deutschen Exporte in das Krisenland haben nicht jene Größe und Bedeutung, die einen um den deutschen Aktienindex Angst und bange werden lassen sollte.

Gewichtiger ist das geldpolitische Störfeuer. Es könnte wie in früheren Krisenjahren den Markt beeinflussen, indem es den Käufern die Lust am Aktienerwerb verleidet. Aber so weit sind wir noch nicht, denn momentan dominiert immer noch die EZB das Geschehen an den Börsen.

Es gibt zwar keine neuen Erkenntnisse oder Verlautbarungen aus der Frankfurter EZB-Zentrale, doch das ist auch gar nicht notwendig. Die alten Äußerungen reichen immer noch aus, um den Markt zu beflügeln und den Index in luftigen Höhen zu halten.

Schafft New York, was Athen nicht schaffte?

Dem DAX ist deutlich anzumerken, dass er weiter steigen will. Die Anleger wissen um die Menge des Geldes, mit dem Europa geflutet werden soll, und sie wissen damit auch um das Potential der Party, die es an den kontinentalen Aktienmärkten noch zu feiern gilt.

Es ist ebenso naheliegend wie verständlich, dass keiner zu spät kommen oder die große Sause gar vollständig verpassen will. Entsprechend dicht und zähflüssig ist der Verkehr auf den Zufahrtsstraßen.

Für den Februar sind das eigentlich recht gute Voraussetzungen. Nachdem im Januar ein wirklich überzeugender Jahresauftakt vorgelegt wurde, ist die Chance groß, dass auch der zweite Monat des Jahres noch von dieser Entwicklung profitiert und uns weiter steigende Kurse bringt.

Es muss allerdings auch die Wall Street mitspielen, ansonsten ist die Party schneller zu Ende als den hoffnungsvoll angereisten Gästen lieb sein wird. Der DAX hat zwar in den letzten Wochen eine beeindruckende relative Stärke gegenüber den US-Indizes an den Tag gelegt, doch eine Gewähr für ein sorgenfreies Anlegerleben ist sie nicht.

Ohne frisches Geld von der FED schwächelt der Dow

Während der DAX fraglos weiter steigen will, kann man Gleiches vom Dow Jones momentan nicht behaupten. Der amerikanische Markt tut sich schwer. Er kommt nicht recht vom Fleck und bewegt sich lustlos seitwärts.

Sucht man im Chart nach dem Beginn dieser Trägheit wird man schnell in den Oktober 2014 zurückgeführt, also genau in jenen Monat, im dem das letzte QE-Programm der amerikanischen Notenbank ausgelaufen ist.

Das Getriebe quietscht, nachdem die Monteure der Federal Reserve Bank ihren erprobten Schmierstoff ‚frisches Geld‘ nicht mehr zum Einsatz bringen. Soll die Rallye trotzdem weitergehen, müsste nun eigentlich die US Wirtschaft einspringen und durch gute fundamentale Daten zu weiteren Aktienkäufen einladen.

Das will nicht so recht gelingen, denn die anhaltende Stärke des US Dollars macht der US-Wirtschaft zunehmend zu schaffen. Die laufende Berichtssaison zeigt deutlich, wie sehr der starke US Dollar die amerikanischen Exporte belastet.

Dauerhaft verbal Schwachreden wird Janet Yellen den US Dollar nicht können. Dazu schafft auf der anderen Seite des Atlantiks Mario Draghis EZB derzeit zu viele Tatsachen. In New York steht man deshalb über kurz oder lang vor der Wahl, den Dow Jones fallen zu lassen und damit die Party am amerikanischen Aktienmarkt für beendet zu erklären oder sie künstlich weiter anzuheizen.

Letzteres funktioniert am Bestem mit frischem Geld, wie man in Japan und Europa unlängst wieder gesehen hat. Nur ist die FED dazu schon wieder bereit? Es würde mich nicht wundern, wenn Fragen wie diese die Anleger im Februar mächtig umtreiben werden.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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