Bombenstimmung vor dem Katastrophentag

Bernd Heim
By Bernd Heim / 13. Februar 2015

Der 13. eines Monats, der auch noch auf einen Freitag fällt, an dem das Rheinland kopfsteht. Ist das die Mischung für den Supergau im DAX? Nun, es sieht fast so aus, denn gestern an Weiberfastnacht wurden nicht nur unschuldige Krawatten zurechtgestutzt. Auch der DAX hat alte Zöpfe abgeschnitten und das leidige Thema Griechenland mit sträflicher Nichtachtung bedacht.

Ob es was hilft oder die rheinischen Jecken auch bis auf das Frankfurter Parkett vorgedrungen sind, werden wir vermutlich zu Beginn der nächsten Woche wissen. Am Aschermittwoch ist ja bekanntlich alles wieder vorbei.

Hoffentlich nicht auch die am Donnerstag in Minsk vereinbarte Waffenruhe in der Ostukraine. Sie hat die Anleger beflügelt, den deutschen Aktienindex wieder ansteigen zu lassen.

Der dünne Kompromiss reichte aus die Stimmung wieder zu heben. Nicht einmal die Griechen vermochten der Freude Einhalt zu gebieten. Entweder ist der Markt das nervige Thema einfach nur leid oder er hofft auch hier ähnlich wie bei dem zähen Ringen in Weißrussland auf eine Verhandlungslösung in letzter Minute.

Ist der Jubel verfrüht?

Ob der Jubel der Börsianer überhaupt angemessen ist, das ist ebenso strittig wie die Frage, ob er nicht zu früh erfolgte. Die Waffenruhe in der Ostukraine tritt erst in der Nacht von Sonntag auf Montag in Kraft. Bis dahin verbleibt beiden Seiten noch genügend Zeit, um die Frontlinie ein wenig zu ihren Gunsten zu verändern.

Dass diese Versuche gemacht werden, davon müssen wir wohl leider ausgehen. Die alles entscheidende Frage ist also, wann die Kämpfe wirklich enden werden. Flauen sie schon jetzt merklich ab, ist das ein gutes Zeichen.

Wird hingegen bis zur letzten Stunde vor dem vereinbarten Waffenstillstand erbittert gekämpft, kann man getrost davon ausgehen, dass der Frieden wieder einmal keine Chance gegen die Gesetze und die Eigendynamik der Gewalt haben wird.

In diesem Fall wird schnell wieder geschossen und am Aschermittwoch, wenn sich die schweren Waffen beider Seiten eigentlich von der Demarkationslinie entfernen sollten, könnten sie am Ende doch wieder auf einander zurollen.

Ist der Jubel berechtigt?

Wirklich zufrieden mit dem getroffenen Arrangement ist niemand. Vollkommen erschöpft und am Ende ihrer Kräfte ist auch keine der beiden Kriegsparteien. Jede hat noch die Hoffnung, den Kampf am Ende zu ihren Gunsten entscheiden zu können.

Das sind nüchtern betrachtet keine guten Voraussetzungen für einen dauerhaften Waffenstillstand oder gar einen Frieden, der dieses Prädikat auch wirklich verdient. Aber wer ist schon nüchtern in diesen tollen Tagen? Im Rheinland ist man es ganz bestimmt nicht und in Frankfurt sind die Anleger noch immer berauscht von den vielen EZB Euros, die in Kürze über sie hereinbrechen werden.

Falls Ihnen das alles höchst suspekt vorkommt, möchte ich Sie noch einmal daran erinnern, dass diese verrückten Menschen heute auf einen Freitag den Dreizehnten treffen werden. Also mal ehrlich: Das kann doch nicht wirklich gut gehen.

Das muss doch in einer Katastrophe enden, die an den Aktienmärkten mit noch mehr Geld und in den Karnevalshochburgen am Rhein mit noch mehr Schnaps und allerhand Hochprozentigem ertränkt wird.

In diesem Sinne und ohne jede Gewähr: Wir lesen uns wieder, wenn Sie und ich diese tollen Tage wider Erwarten doch überleben sollten.

Und jetzt für alle zum Mitsingen: Schnaps, das war sein letztes Wort, dann trugen ihn die Englein – ‚tschuldigung – dann trugen ihn Draghis Euros fort …

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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