DAX und Grexit: Markt contra Ideologie

Bernd Heim
By Bernd Heim / 16. Februar 2015

Wenn zwei starke Kräfte aufeinandertreffen, welche wird sich am Ende als die stärkere erweisen und durchsetzen? In ihrer Geschichte hat sich die Welt diese spannende Frage immer wieder gestellt, und wenn wir ehrlich sind, ist das, was wir heute in den Geschichtsbüchern lesen, nichts anderes als der Ablauf und der Ausgang dieser Konflikte.

Mächtige Personen und mächtige Institutionen haben die Angewohnheit ihre Macht immer weiter ausdehnen zu wollen. Dabei ist es vollkommen egal, ob es sich um politische oder wirtschaftliche Organisationen handelt.

Seit die NATO am Ende des Kalten Krieges mit der Auflösung des Warschauer Pakts ihren bremsenden Gegenpart verloren hat, meint das westliche Bündnis überall auf der Welt für Ordnung sorgen zu müssen. In der freien Wirtschaft ist es nicht viel anders. Unternehmen wie Apple oder Amazon, die bereits eine bedeutende Marktmacht innehaben, begnügen sich nicht mit dieser, sondern streben danach, sie immer weiter auszudehnen.

Schnell kritisch wird die Situation immer dann, wenn Ideologen mit von der Partie sind. Sie wissen, es ist das Vorrecht einer jeden Ideologie, die Antworten vor den Fragen zu kennen. Und wenn man mit einer Fülle von Antworten gesegnet ist, aber das Fragen längst verlernt hat, dann gerät man auch schnell an einen Punkt, wo die Welt so zu sein hat, wie man sie sich vorstellt.

Was, wenn die Welt sich nicht so verhält, wie sie eigentlich sollte?

Leider tut die Welt uns und den Mächtigen diesen Gefallen nicht immer. Meist fangen die Probleme dann erst richtig an, weil man versucht, mit unpassenden Antworten ein durch die vielen fehlenden Fragen nur unzureichend analysiertes Problem zu lösen. Beliebt ist in solchen Fällen die „Strategie“, einem Problem eine nicht zu ihm, wohl aber zur eigenen Ideologie passende „Lösung“ überstülpen zu wollen.

Mit etwas Glück scheitern die verhinderten Problemlöser nur grandios und laufen gegen eine Wand, die sie mehr oder weniger schnell stoppt. Fehlt dieses Glück, werden viele Menschen die negativen Konsequenzen ihres Tuns schmerzlich am eigenen Leib erfahren.

Mitfühlende macht das traurig und betroffen, die wahren Ideologen stehen aber auch über dieser rudimentären Form des Selbstzweifels und erkennen an, dass große Aufgaben immer auch heroische Opfer verlangen – natürlich von anderen.

Und wenn die Menschen nicht freiwillig tun, was sie eigentlich tun sollten, dann muss man sie eben zu ihrem Glück zwingen. Das scheinen heute immer mehr Leute bei immer unterschiedlicheren Themen zu denken.

Als neue Speerspitze dieser radikalen Form der Weltverbesserung agieren derzeit nicht islamische Terroristen, sondern die Minister der neuen griechischen Regierung. Sie scheinen als die politischen Selbstmordattentäter des frühen 21. Jahrhunderts in die Geschichte eingehen zu wollen.

Erpressung als neuer Königsweg

Noch vermag niemand wirklich verlässlich abzuschätzen, welche Folgen ein Austritt Griechenlands aus der Europäischen Währungsunion hätte. Doch in Athen scheint man der Meinung zu sein, dass die Folgen für das griechische Volk nicht allzu gravierend zu sein scheinen, zumindest nicht gravierender als für den Rest des Kontinents. Wäre es anders, würden Alexis Tsipras und sein Finanzminister nicht mit finanzpolitischen Sprenggürteln bewaffnet durch Europa reisen.

Geht die dreiste Taktik, die Lunte der Bombe, die man für alle sichtbar in seiner Hand hält, öffentlichkeitswirksam zu entzünden, auf und Europa gibt nach, kann sich die EU auf eine ganze Reihe von Nachahmern freuen.

Sie kann sich außerdem ihre umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen vor Konferenzen in Zukunft sparen und die mit dem Schutz beauftragten Polizisten und Personenschützer vorzeitig nach Hause schicken, denn die wahren Sprengmeister und Terroristen sind dann mehr nicht außerhalb der Konferenzräume zu finden, sondern haben als Teilnehmer schon längst am Konferenztisch Platz genommen.

Wer politisch betrachtet diesen Flurschaden vermeiden und das Klima zukünftiger Zusammenkünfte nicht vergiften will, der muss eigentlich dafür sorgen, dass die Lunte der Bombe nicht nur angezündet wird, sondern der Sprengsatz anschließend auch explodiert.

Dann würde der Markt sehr schnell zu erkennen geben, wie gefährlich ein Austritt der Griechen aus dem Euro tatsächlich ist und welches Land wie stark negativ von ihm betroffen ist. Die politisch links stehenden Ideologen in Griechenland und anderen Teilen der Welt könnten dann kurzfristig auf die harte Wand der marktwirtschaftlichen Tatsachen treffen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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