Gefahr für den DAX: Es knirscht gewaltig

Bernd Heim
By Bernd Heim / 17. Februar 2015

Der Karneval geht heute zu Ende, die Geduld der Europäer mit Griechenland auch und in der Ostukraine sinkt die Erwartung, dass die Gespräche in Minsk aus der Vorwoche das Land dem Frieden wirklich ein Stück näher gebracht haben, ebenfalls von Stunde zu Stunde.

Abgesehen vom Karneval besteht zwar überall noch ein wenig Hoffnung, doch die Spannungen sind nicht zu übersehen. In Brüssel, der informellen Hauptstadt der europäischen Nachtsitzungen, ging man gestern nach nur drei Stunden ergebnislos auseinander.

Die Kürze der Zeit, die man miteinander verbrachte, sagt im Grunde wesentlich mehr, als die wohlfeilen Erklärungen der Diplomaten. Es gibt nichts mehr zu besprechen. Nichts Neues und die altbekannten Forderungen der Gegenseite möchte man sich auch nicht mehr stundenlang anhören müssen.

So gesehen ist es nur konsequent, die Verhandlungen vorzeitig abzubrechen. Eine Lösung hätte man ohnehin kaum erreichen können. Jetzt arbeitet die Zeit und sie arbeitet gewiss nicht für die Beteiligten, weder in Brüssel noch in Athen oder in der Ostukraine.

Starke Winde aus Südost, in Böen stürmisch

Die Zeichen stehen auf Konfrontation, was in der Ostukraine weitere Gewalt mit neuen Toten und in Griechenland das zügige Voranschreiten auf dem Weg in die Staatspleite bedeutet.

Der Börse, die sich in den letzten Tagen in hartnäckiger Ignoranz der Schwierigkeiten geübt hat, werden beide Entwicklungen nicht gefallen. Man wird sich wohl oder übel fragen müssen, ob man in den vergangenen Wochen nicht ohne es zu bemerken mit einer Narrenkappe herumgelaufen ist.

Jetzt könnten einige Anleger kalte Füße bekommen und geneigt sein, sich von ihren Positionen zu trennen. In diesem Fall würden wir recht schnell jene Korrektur sehen, die der DAX in der jüngeren Vergangenheit immer wieder vor sich hergeschoben und auf die Zukunft vertagt hat.

Diese Zukunft könnte nun beginnen und der Veilchendienstag, nicht unbedingt am Rhein, wohl aber etwas weiter östlich in Frankfurt am Main, zu einem vorgezogenen Aschermittwoch werden – mit ausgeprägtem Kater versteht sich.

Nachrichten werden kurzfristig die Märkte treiben

Langfristig sollte man die Wirkung von Mario Draghis Milliarden nicht unterschätzen. Sie werden kommen und sie werden selbstverständlich auch am Aktienmarkt ihre Wirkung zeigen.

Doch kurzfristig dürfte die Nervosität steigen und der Markt von Nachrichten aus der politischen Szene recht wild von der einen in die andere Richtung getrieben werden. Dass die Generalrichtung dabei ‚abwärts‘ ist, liegt nach dem Verlauf der letzten Tage und der Höhe der inzwischen erreichten Kursstände irgendwie auf der Hand.

Was derzeit noch keiner verlässlich abzuschätzen vermag ist, ob der Markt nur mit einer politischen Krise fertig werden muss oder es gleich mit beiden gleichzeitig zu tun bekommt.

Wird in der Ukraine wieder erbittert gekämpft und verschärft sich gleichzeitig der Streit zwischen der neuen Athener Regierung und ihren Gläubigern, ist eine tiefere Korrektur zu erwarten, als wenn „nur“ eine Krise von den Anlegern zu verarbeiten ist.

Gleichzeitig können positive Nachrichten, die zumindest kurzfristig ein wenig Hoffnung zulassen, den Markt schnell wieder ansteigen lassen. Ein wildes Hin und Her der Kurse ist deshalb alles andere als ausgeschlossen, was die zu erwartende Korrektur schwer zu handeln macht.

Vorsicht war schon immer die Mutter der Porzellankiste, aber in den nächsten Tagen ist sie es wohl ganz besonders, sowohl auf der Käufer- wie auf der Verkäuferseite.

 

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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