Nächste Station: Neues Allzeithoch im DAX

Bernd Heim
By Bernd Heim / 19. Februar 2015

Die Griechen kommen nun doch endlich zur Besinnung und die Allzeithochs bald wieder in Reichweite. Das scheinen sich zumindest die Anleger im DAX zu denken, denn der Index trotzt allen negativen Nachrichten und Entwicklungen und orientiert sich zielstrebig gen Norden.

Die Korrektur der Vortage scheint abgehakt und es gab nicht einmal einen zweiten Rücklauf auf die Wochentiefs. Damit zeigt sich einmal mehr die Stärke der Käufer. Sie machen derzeit keine Kompromisse und kaufen bei Schwäche schnell und entschieden zu.

Das verschärft zunehmend den Druck auf jene Investoren, die sich noch nicht im Markt positioniert haben. Ihre Position an der Seitenlinie wird immer ungemütlicher, denn psychologisch wächst der Druck.

Wer noch nicht investiert ist und die Kurse permanent steigen sieht, ist selten die Ruhe in Person. Eher das Gegenteil dürfte der Fall sein, denn aus der Behavioral Finance wissen wir, dass entgangene Gewinne auf die Gemüter der Investoren noch bedrückender wirken als reale Verluste.

Bleiben Korrekturen und tiefere Korrekturziele, an denen man sich als Anleger neu in einen steigenden Markt einkaufen könnte, aus, verschärft sich der Kaufdruck quasi von selbst und die Hausse nährt wieder einmal wie von Geisterhand die Hausse.

Warten auf …

In Frankfurt warten die Anleger nunmehr auf neue Allzeithochs, in der Ukraine warten die Menschen auf einen Frieden, der sich bislang als ausgesprochen brüchig präsentiert hat, und in Brüssel warten die Diplomaten auf unsere Freunde aus Griechenland.

Auch bei denen scheint sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass das Geld, das man ausgeben möchte, zuvor auch vorhanden sein sollte, ansonsten könnte es überraschend Probleme geben.

Da es das nicht ist oder zumindest nicht mehr lange ist, wächst auch in Athen die Bereitschaft Dinge zu tun, die man eigentlich als unter seiner Würde empfindet, zum Beispiel das Schreiben von Briefen mit bittendem Charakter.

Man kann es den Griechen nicht verdenken, dass ihnen dieser Schritt schwerfällt, man kann es auch der neuen Regierung nicht verübeln, dass sie hoch gepokert hat und ein anderes Ergebnis angestrebt hat.

Der Klammere gibt nach

Wirklich realistisch war diese Hoffnung jedoch zu keinem Zeitpunkt. Das scheint auch die Meinung der Anleger auf dem Frankfurter Börsenparkett zu sein. Ihnen ist klar, dass EU, EZB und die versammelten europäischen Finanzminister am längeren Hebel sitzen und es die Griechen sind, die sich bewegen müssen.

Entsprechend unaufgeregt und gelassen konnte man dem politischen Treiben in den vergangenen Tagen folgen. Nun wartet man nur noch auf das angekündigte Schreiben aus Athen. In Aussicht gestellt war er schon für den gestrigen Tag, nun könnte es heute seinen Bestimmungsort endlich erreichen.

Ob der Bittbrief um weiteres Geld nun kommt oder vielleicht doch nicht kommt, scheint dem Markt inzwischen egal zu sein. Man hat sich offenbar schon damit abgefunden, dass im Fall eines Kompromisses weitere Milliarden im griechischen Fass ohne Boden versinken werden und falls er doch nicht kommt, rechnen die meisten Anleger scheinbar damit, dass es hinterher ohne den griechischen Klotz am Bein für alle Beteiligten umso leichter aufwärtsgehen wird.

Derweil nimmt der Frankfurter Aktienexpress unbeirrt Kurs auf die nächste Haltestelle. Sie trägt den inspirierenden Namen ‚Neues Allzeithoch‘. Bleibt nur zu hoffen, dass die Masse der Bullen nicht in der Gewerkschaft der Lokführer organisiert ist, sonst könnte es bald wieder Probleme geben.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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