Vom neuen Allzeithoch direkt in den Keller

Bernd Heim
By Bernd Heim / 20. Februar 2015

Schuldenmachen und Traden könnte so schön sein, wenn es nur nicht immer diese Querschüsse aus Berlin gäbe. Nicht nur der griechischen Regierung hat die Antwort der Bundesregierung auf den in Brüssel sehnsüchtig erwarteten Brief aus Athen einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Den meisten Tradern und Anlegern am Frankfurter Aktienmarkt dürfte es ähnlich gegangen sein.

Man sonnte sich gerade in dem Gedanken ein neues Allzeithoch markiert zu haben, da platze die Nachricht aus Berlin dazwischen und zerstörte zunächst einmal alles, die gute Laune ebenso wie das bis dahin überzeugende Chartbild.

Mit ihrer deutlichen Ablehnung des griechischen Vorschlags setzt die Bundesregierung ein klares Zeichen. Dass dieses Zeichen jetzt kommt und dass es so hart ausfällt, dürfte sicher kein Zufall sein.

Von der Berliner Antwort soll eine Signalwirkung ausgehen und sie soll nicht nur in Athen verstanden werden, sondern auch anderswo. Offizieller Adressat der Antwort ist die griechische Regierung. Inoffiziell stehen aber auch alle anderen Problemstaaten der Eurozone mit auf der Empfängerliste.

Guter Wille allein reicht nicht

Wenn Angela Merkel von Vladimir Putin auf dem Krisengipfel in Minsk eines gelernt hat dann dies: Wenn man in der Position des Stärkeren ist, dann kann man diese Stärke auch gefahrlos ausspielen, weil ihr alle anderen nichts oder zumindest nichts Wesentliches entgegenzusetzen haben.

In der Ukraine hat der Westen den russischen Spielchen außer einigen fragwürdigen Sanktionen nicht viel entgegenzusetzen. Deshalb ist es hier Vladimir Putin, der den Ton angibt und der Welt sagt, wo es lang geht. Angela Merkel und François Hollande haben das Nachsehen und werden nach Belieben vorgeführt.

Innerhalb Europas liegen die Dinge anders. Hier gibt die Berliner Regierung den Takt vor und ein kategorisches ‚Nein‘ ist und bleibt ein ‚Nein‘, auch wenn es nicht als russisches ‚Net‘ gesprochen wird. Das ist für die Bundeskanzlerin und ihren Finanzminister sehr komfortabel, denn die sauren Äpfel, in die es reinzubeißen gilt, bleiben den Griechen und anderen problembelasteten Kandidaten vorbehalten.

Es wird bis zum Ende gefeilscht

Am Nachmittag werden in Brüssel die Finanzminister wieder zusammenkommen und über das weitere Schicksal Griechenlands beratschlagen. Kurz vor dem Wochenende könnte es also noch einmal mächtig spannend werden.

Für den DAX Wochenschlusskurs dürfte das Ergebnis, egal wie es am Ende ausfallen wird, vermutlich zu spät kommen. Man trifft sich erst um 15 Uhr am Nachmittag und dann bleiben nur noch zweieinhalb Stunden bis zum Handelsschluss.

Wenn man nicht gleich wieder mit einem großen Knall im Unfrieden auseinandergeht, sollte dem deutschen Leitindex also ein recht versöhnlicher Ausklang dieser recht aufreibenden Woche vergönnt sein.

Ob es zu einem neuen Allzeithoch reichen wird, werden wir sehen. Eines der besten Ergebnisse auf Wochenschlusskursbasis dürfte auf jeden Fall drin sein. Was dieser Punktestand am Montagmorgen noch Wert sein wird, bleibt abzuwarten.

Gelingt den in Brüssel versammelten Ministern die Einigung, könnte der Schlussstand vom Freitag am Montag eine gute Ausgangsbasis für die neue Woche abgeben. Misslingt die Einigung und gibt es keinen Kompromiss, dürfte die Stimmung zu Beginn der neuen Woche eher gedrückt sein und der DAX sich wieder in tiefere Regionen orientieren – zumindest vorübergehend.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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