DAX: Ziel erreicht. Was nun?

Bernd Heim
By Bernd Heim / 23. Februar 2015

Entspannter als am vergangenen Freitag konnten sich die Akteure am Frankfurter Aktienmarkt seltener ins Wochenende verabschieden. Der kleine Verfallstag hatte den DAX kurzfristig auf ein neues Allzeithoch katapultiert und auch in New York legten die Anleger eine Aktivität an den Tag, die für einen Freitagnachmittag eher unüblich ist.

Bleibt der Schwung aus dem freitäglichen Abendhandel erhalten, könnte der deutsche Leitindex heute sehr positiv in die neue Handelswoche starten und vielleicht schon wieder ein neues Allzeithoch markieren.       

Wundern sollte uns das nicht, denn derzeit gibt es nicht viel, das den Anlegern die Lust auf höhere Kurse verderben könnte. Die politischen Wolken haben sich zumindest teilweise verzogen und sie sollten, wenn die neue griechische Regierung halbwegs mitspielt, auch so schnell nicht wiederkommen.

Im Sommer droht zwar wieder neues Theater, aber wer mag als Börsianer jetzt schon an den Sommer denken, wo noch nicht einmal der Frühling richtig angebrochen ist. In der Ukraine könnte zwar ein Wiederaufflammen der Kämpfe dafür sorgen, dass die Sorgenfalten doch nicht so ganz verschwinden, aber auch für die Ukraine gilt, was für den Sommer bereits angemerkt wurde: Im Zweifelsfall ist beides weit, weit weg.

So gesehen gibt es also keinen Grund, warum der DAX nicht noch weiter ansteigen könnte und sollte. Die Stimmung ist gut, das frisch geschöpfte Geld der EZB kommt bald und eine echte Alternative zum Aktienmarkt ist auch weit und breit nicht zu erkennen.

Korrektur jetzt oder jetzt noch nicht?

Genau hier liegt die Gefahr, denn aus der Vergangenheit wissen wir nur zu gut, dass Einbrüche und Korrekturen mit Vorliebe immer dann auf dem Programm stehen, wenn keiner mehr mit ihnen rechnet.

Auf den DAX bezogen bedeutet dies, dass der eigentlich überfällige Rücklauf an das Ausbruchsniveau jetzt anstehen könnte. Die Betonung liegt dabei auf ‚könnte‘, denn es kann genauso gut auch anders kommen und noch eine ganze Weile fröhlich aufwärtsgehen.

Euphorisierte Anleger und Märkte sind schwer einzuschätzen und noch schwerer zu verstehen. Einem Außenstehenden vermitteln sie immer wieder den Eindruck, als wären die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft gesetzt worden.

Dem ist natürlich nicht so, trotzdem pflegen diese Extreme länger anzuhalten, als man es zunächst erwarten würde. Das macht die Situation derzeit so schwierig. Man kann sich einfach auf nichts mehr verlassen.

Eigentlich wäre ein Rücklauf überfällig, aber „uneigentlich“ könnte der DAX auch noch munter weiter ansteigen. Was nichts anderes bedeutet, als dass jeder Anleger sich eine Strategie für beide Szenarien zurechtlegen sollte.

Keiner weiß vorher, was gespielt wird. Aber je nachdem, was gespielt wird, kommt entweder der eine oder der andere Plan zur Anwendung.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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