Sie reden wieder über Geld und Schulden

Bernd Heim
By Bernd Heim / 24. Februar 2015

In der vergangenen Woche haben die Politiker miteinander und wahrscheinlich noch viel mehr übereinander gesprochen, in dieser Woche sind die Notenbankpräsidenten an der Reihe. Janet Yellen wird heute in den USA dem Repräsentantenhaus und morgen dem Senat Rede und Antwort stehen. EZB-Präsident Mario Draghi ergreift heute schon eine Stunde früher das Wort.

Ist der Terminkalender mit derart hochkarätigen Rednern besetzt, versteht es sich fast von selbst, dass die Anleger vor dem Termin nicht wild Aktien und Optionen hin und her handeln, sondern geduldig abwarten und ihre Goldwaagen in Position bringen, damit jedes gesagte und auch jedes möglicherweise nicht gesagte Wort auf ihnen gewogen werden kann.

Haben die Worte nicht das erwartete Gewicht, schlagen nicht nur die Goldwaagen zur falschen Seite hin aus. Die Märkte könnten es kurz Zeit später ebenfalls tun. Darin liegt die Gefahr für den heutigen und morgigen Handel.

Wünschen werden sich die Händler diesseits und jenseits des Atlantiks klare Worte, etwa, dass Mario Draghi erklärt die EZB werde alles tun, um Griechenland im Euro zu halten oder dass Frau Yellen ankündigt, dass die nächste Zinserhöhung wahrscheinlich doch in die nächste Dekade verschoben werden wird.

Der Vorteil eines entschiedenen Vielleichts

Bekommen werden wir Börsianer aber sicher weder die erhoffte Klarheit, noch eine so belastbare Aussage, dass sich alle weiteren Spekulationen vollständig erübrigen. Selbst wenn Mario Draghi und Janet Yellen wollten, können sie kaum so aufsprechen, denn die Zeiten geben das nun wirklich nicht her.

In Athen weiß vermutlich noch nicht einmal die neue griechische Regierung, was sie wirklich will. Ob man in Brüssel wesentlich weiter ist, darf auch bezweifelt werden. Wie soll da der EZB-Präsident wissen, was die Beteiligten selber noch nicht wissen.

Beide, Mario Draghi und Janet Yellen, wissen natürlich, was das Börsenvolk von ihnen hören möchte und beide werden sich bemühen dieser Erwartung gerecht zu werden, indem sie im Zweifelsfall mit vielen Worten nichts sagen – zumindest nichts allzu konkretes, dass von den hypernervösen Finanzmärkten missverstanden werden könnte.

Nicht vergessen: Bald ist wieder Weihnachten

Aber vielleicht reicht das auch, um einfache Gemüter zufriedenzustellen und glücklich zu machen. Rechnen Sie also mit einigen wohlklingenden Erinnerungen an die reichhaltigen Segnungen des aus dem Nichts geschaffenen Geldes, ein paar mahnenden Worten an die Adresse der europäischen Problemstaaten und einen dezenten Hinweis darauf, dass die Zinsen in den USA noch nicht angehoben werden können, weil die amerikanische Industrie gerade unter dem starken US Dollar leidet.

Mit etwas Glück sind am Ende alle zufrieden und jeder hört aus dem Gesagten das heraus, was er schon immer heraushören wollte. Wenn es so kommt, werden die Märkte jubeln und ihre Aufwärtsbewegung rasch wieder aufnehmen.

Bei kurzfristigen und erst recht bei anhaltenden Irritationen könnte vor dem Jubel jedoch noch eine vorgeschaltete Korrektur auf dem Programm stehen. Sie ist umso mehr wahrscheinlich, als das Lager der Bullen derzeit stärker besetzt ist als das der Bären.

Da an der Börse die Minderheit oftmals richtig liegt, könnten die heute und morgen anstehenden Reden leicht zum Stein des Anstoßes werden, der die Korrekturlawine ins Rollen bringt.

Vielleicht haben Janet Yellen und Mario Draghi aber auch ein Einsehen mit den schwer geplagten Anlegern und erinnern sich daran, dass heute in zehn Monaten schon wieder Weihnachten ist.

Vor einem Monat, Ende Januar, gab es etwa zur gleichen Zeit auch schon mal ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk, das anschließend ausgiebig gefeiert wurde. Warum soll es nicht auch in diesem Monat so kommen?

 

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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