DAX: Auf zu neuen Ufern und höheren Hochs

Bernd Heim
By Bernd Heim / 25. Februar 2015

‚Korrigiert der DAX überhaupt noch?‘ Fragen wie diese möchte man sich stellen, wenn man bedenkt, dass das Jahr noch keine zwei Monate alt ist und der deutsche Leitindex sich nun schon zum vierten Mal auf Schlusskursbasis mit einem neuen Allzeithoch aus dem Handel verabschiedet hat.

Ja, der DAX korrigiert noch, doch er tut dies fast nur noch über die Zeitebene. Starke Kursrückgänge, die sich als günstige Gelegenheiten zum erneuten Einstieg anbieten würden, suchen wir im Chart vergeblich.

Es geht zwar hin und wieder auch mal eine Etage tiefer, aber eben nur eine und nicht gleich zwei oder drei Etagen tiefer, wie man das von anderen Korrekturphasen kennt. Damit wächst der Druck auf all jene Anleger, bislang gezögert haben, weil sie immer noch auf einen günstigeren Einstiegszeitpunkt gehofft haben.

Jeder Tag, den der DAX weiter steigt, jedes neue Allzeithoch, das der Index ausbildet, zerrt an den Nerven dieser Anleger und wird sie über kurz oder lang zu höheren Kursen in den Markt treiben. Da alle wissen, dass bald das viele Geld der EZB kommt, wird die Zeit langsam knapp und erhöht den psychologischen Druck auf alle noch nicht investierten Anleger.

Mitlaufen oder sich die Finger verbrennen?

Wer diesen Markt shortet, weil er meint, der DAX müsse doch irgendwann einmal zurückfallen und korrigieren, stellt sich nicht nur gegen einen starken, sondern einen sehr starken Trend. Die Gefahr, diese Schlacht zu verlieren und sich am Ende die Finger zu verbrennen, ist ausgesprochen groß.

Sinnvoller ist es, auch weiterhin auf den noch vollkommen intakten Trend und damit auf weiter steigende Kurse zu setzen, so verrückt sich das im ersten Moment auch anhören mag. Aber noch gibt es keine Anzeichen von Schwäche und alle potentiellen Gründe für den Beginn einer Korrektur wurden vom Markt bislang vollkommen ignoriert.

Weder Griechenland, noch die Ukraine, noch die Berichtssaison konnten die Rallye auch nur im Ansatz stoppen. Ein paar schlechte Stunden und einzelne Tage mit einem leicht negativen Schlusskursstand machen noch keine Korrektur, schon gar keine große.

Sie sagten, was alle hören wollten

Der gestrige Tageschart ist ein gutes Bild für das, was wir in diesen Wochen erleben und speziell an der Börse durchleben. Über Stunden tat sich gar nichts, der DAX beliebte weder groß zu steigen noch zu fallen, denn die Anleger warteten auf die Reden von Mario Draghi und Janet Yellen.

Was sie zu hören bekamen, waren altbekannte Floskeln. Aber das reichte ihnen völlig aus. Sie interpretierten vor allem die Worte der FED-Präsidentin dahin gehend, dass die nächste Zinserhöhung noch nicht unmittelbar bevorsteht.

Dass ein vorzeitiger Abbruch der laufenden Börsenparty bei dieser Ausgangslage völlig unangebracht ist, versteht sich von selbst. Entsprechend steil waren die Anstiege, die der Dow Jones und in seiner Folge auch unser heimischer DAX am Nachmittag vollzogen.

Steilwände voraus

Es ging quasi vom Flachland direkt in die Alpen, immer nur steil bergauf, nachdem die wichtigen Herrschaften einmal das Reden angefangen hatten. DAX und Dow notieren nun beide auf neuen Rekordständen und es scheint, als würden diese Rekorde nicht von Dauer, sondern eher vorübergehender Natur sein.

Wie hoch wird es noch gehen? Wo wird es enden und mit welchen Konsequenzen für die beteiligten Bergsteiger? Das sind die interessanten Fragen, die uns der Markt in den kommenden Wochen und Monaten beantworten wird. Im Himalaja beginnt ab 7.000 Meter die Todeszone, in der sich ein Mensch nicht allzu lange aufhalten sollte.

Ob es ähnliche Gefahrenzone auch auf dem glatten Frankfurter Parkett gibt, bleibt abzuwarten. Momentan sieht es nicht so aus, denn noch scheint allein der Himmel die Grenze zu sein.

 

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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