DAX lustlos, Euro trostlos

Bernd Heim
By Bernd Heim / 26. Februar 2015

Ausgesprochen lustlos präsentierte sich der deutsche Aktienmarkt zur Wochenmitte. Den gesamten Tag über bewegte sich der Index in einer Handelsspanne von gerade einmal vierzig Punkten. Das erinnert ein wenig an die umsatzschwachen Handelstage zwischen Weihnachten und Neujahr und ist vielleicht die neue Form der Korrektur.

Korrekturen sind dann nicht mehr jene aufreibenden Zeiten, in denen es kräftig und schnell bergab geht, sondern jene Tage, in denen der DAX weder zu fallen noch zu steigen geruht und am Ende des Tages mit einem minimalen Plus oder Minus aus dem Handel geht. Gestern waren es nicht einmal fünf Punkte. Plus natürlich, oder hatten Sie allen Ernstes etwas anderes erwartet?

Zu feiern gab es nichts, zu fürchten allerdings auch nicht und so kann man hinter den gestrigen Tag zumindest aus Sicht der Börse schnell seinen Haken setzen. Aus europäischer Sicht sollte man ihn nicht so schnell vergessen, denn es wurde eine Studie bekannt, die zeigt, wie wenig Zutrauen Europas Bürger noch in das gemeinsame Projekt ‚Europäische Union‘ haben.

Durchgeführt wurde die Umfrage in den sechs größten Mitgliedsländern der EU erst vor wenigen Tagen. Zwischen dem 12. und 23. Januar 2015 befragte das angesehene italienische Forschungsinstitut ‚Demos & pi.‘ in Kooperation mit anderen Meinungsforschungsinstituten in Italien, Frankreich, Großbritannien, Polen, Spanien und Deutschland jeweils 1.000 repräsentativ ausgewählte Bürger nach ihrer Einschätzung zur EU im Allgemeinen und zum Euro im Besonderen.

Das Ergebnis ist bezeichnend und es ist eine schallende Ohrfeige für all jene Politiker, die sich die Einigung des Kontinents auf ihre Fahnen geschrieben haben. Europa im Allgemeinen wird in der Mehrheit nicht mehr als positiv gesehen, der Euro erst recht nicht.

Das allein sollte die Herren Junker und Draghi vor Scham in die öden Weiten der Antarktis fliehen lassen. Angela Merkel und das übrige europäische Spitzenpersonal können sie bei der Gelegenheit gleich mitnehmen.

Europa braucht ein neues Volk. Das alte ist mittlerweile verschlissen!

In Deutschland steht die Mehrheit der Bürger dem europäischen Gedanken noch positiv gegenüber. Allerdings ist die Mehrheit keine große Mehrheit mehr. Gerade mal 53 Prozent der Deutschen sehen in der EU eher einen Segen als einen Fluch.

Damit unterscheiden sie sich deutlich vom restlichen Europa. In Polen, Frankreich und Spanien liegt die Zustimmung bei weniger als 40 Prozent und im immer schon europakritischen Großbritannien kommt der europäische Gedanke auf nur noch 28 Prozent Zustimmung.

Ein negativer Spitzenwert? Nein, leider nicht. Ausgerechnet im traditionell besonders europafreundlichen Italien sinkt die Begeisterung für die EU auf bescheidene 27 Prozent. Vor Jahren haben sich noch 70 Prozent unserer südlichen Nachbarn positiv zur Europäischen Union und ihren Institutionen geäußert.

Getoppt wird die Ablehnung nur noch von der Ablehnung des Euros. Dass er Nutzen stiftet, glauben bei denen, die ihn schon haben, nur noch zwischen 11 (Italien) und 23 Prozent (Frankreich). Die, die den Euro nicht haben, also die Polen und Engländer, wollen ihn nicht und auch in Deutschland, dem angeblich großen Nutznießer der Einheitswährung, sind auch nur noch bescheidene 13 Prozent positiv eingestellt. Fast drei Mal so viele Teilnehmer der Umfrage sprechen sich für eine Rückkehr zur D-Mark aus.

Hält den Euro noch irgendetwas zusammen?

Was hält die Menschen in Europa dann überhaupt noch im Euro? Die Antwort ist wieder bezeichnend. Es ist primär die Angst, dass es beim Auseinanderfallen der Eurozone noch schlimmer kommen könnte, die die Menschen aktuell fürchten.

Es versteht sich von selbst, dass man auf Angst und fehlendem Vertrauen keine Projekte, schon gar keine großen oder großartigen aufbauen kann. Ist das Fundament brüchig, nutzen auch die stärksten Säulen nicht mehr viel.

Unsere Währung ist allerdings eine Fiat-Money-Währung, eine Papiergeldwährung, die sich allein auf das Vertrauen der Menschen stützt und durch sonst fast nichts mehr gedeckt ist, wenn man von ein wenig Gold und jede Menge anderem Papier einmal absieht.

Wie dieses Experiment gut gehen soll, wenn man gleichzeitig den Markt auch noch mit extrem viel Papier zuschüttet, bleibt das Geheimnis der EZB und der europäischen Spitzenpolitiker, die sich von diesem frisch geschöpften Geld das Wunder erhoffen, dass eine Unmenge an neuem Geld, dem die Bevölkerung immer weniger Vertrauen entgegenbringt, dazu führt, dass die Menschen in Europa Vertrauen fassen und endlich wieder bereitwillig konsumieren und investieren.

Der neue 20 Euroschein, der im November in Umlauf kommen soll, wurde erst vor wenigen Tagen von der Europäischen Zentralbank vorgestellt. Für ihn kommt die Anregung definitiv zu spät. Aber vielleicht sollte man ab dem 50 Euroschein dazu übergehen, die Eurobanknoten in Zukunft nur noch in Form von Papiertaschentüchern in Umlauf bringen, damit die Bevölkerung passend und stilgerecht, den Untergang des europäischen Einheitsgedankens und den Verlust ihrer Guthaben beweinen kann.

 

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment: