Der DAX und die Rekorde – eine unendliche Geschichte?

Aufwärts, aufwärts und nur noch aufwärts. Langsam wird es langweilig. Unheimlicher wird die steile Reise in ungekannte Höhen ohnehin von Tag zu Tag. Zwanzig Prozent Zuwachs hat der deutsche Leitindex seit Jahresbeginn nun schon zu verzeichnen und ein Ende der rasanten Rallye ist immer noch nicht abzusehen.

Die Argumente für die steigenden Kurse sind bekannt. Das viele Geld der EZB, die relativ günstige Bewertung der deutschen Unternehmen und die Unterbewertung des hiesigen Aktienmarkts im Vergleich zur Wall Street. All das ist hinreichend bekannt und sollte in den Kursen längst enthalten sein.      

Ist es aber scheinbar nicht oder zumindest noch nicht ausreichend. Ansonsten hätte der DAX keinen Grund, Woche für Woche so stark zu steigen. Mit jedem Tag, den der DAX steigt, werden die Argumente eigentlich schwächer, denn die deutschen Aktien verteuern sich, damit schwindet ihr Kostenvorteil und die Unterbewertung im Vergleich zur New Yorker Börse wird abgebaut.

Damit steigt die Gefahr eines Rückschlags. Sie steigt eigentlich stündlich und doch war es bislang nur gefährlich, sich gegen den Index und gegen den dominierenden Trend zu stellen.

Mit Vollgas in den Abgrund?

Die ungebremste Aufwärtsbewegung erinnert immer stärker an frühere Boomphasen, die allesamt nicht gut endeten. Das macht es schwer, die laufende Rallye wirklich zu genießen, denn je ausgelassener die Meute feiert, umso dröhnender könnte am Ende der allgemeine Kater sein.

Das wäre dem DAX wirklich nicht zu wünschen, denn es würde ihm einmal mehr den Ruf einer unkontrollierbaren Spielwiese eintragen. Ein gigantisches Kasino, stets schwankend zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Ein Paradies für Zocker und jene, die es werden wollen. Aber eine vernünftige Anlageform für Anleger, die ihre Altersversorgung oder Vermögensplanung in eigene Hände nehmen wollen, sicher nicht.

Das frische Geld der EZB beginnt gerade erst in den Markt zu strömen. Trotzdem werden schon Stimmen laut, die warnend darauf hinweisen, dass der Absturz kräftig und die Landung unsanft ausfallen könnte, wenn das viele Geld der Europäischen Zentralbank eines Tages nicht mehr fließen sollte.

Die Bedenken sind mehr als berechtigt, ohne Frage. Doch Mario Draghis QE-Programm hat gerade erst begonnen. 15 weitere Monate stehen noch aus. Verlaufen sie auch nur annähernd so stürmisch und euphorisch, wie die Monate Januar bis März verlaufen sind, könnte am Ende des großen Gelddruckens wieder eine verlorene Anlegergeneration stehen.

Die Parallelen sind auffällig

Eine Generation verlorener Anleger, die zu jung sind, um die New Economy-Blase und den ‚Neuen Markt‘ aus eigener Anschauung miterlebt zu haben, die aber im Kern keine wirklich andere Erfahrung machen werden, als jene, die sich Ende der 1990er Jahr der Börse zu- und kurze Zeit später enttäuscht wieder abgewandt haben.

Am Ende steht eine Hausse, die ihre Kinder mit dem Wissen entlässt, dass Aktienträume Schäume sind und Hoffnungen an der Börse dazu da sind, enttäuscht zu werden.

Eine Aktienkultur, die dieses Prädikat zurecht verdient, kann so garantiert nicht entstehen. Da kann man noch so viele ‚Tage der Aktie‘ ausrufen und mit Kursfeuerwerken der Extraklasse begehen.

Was nottun würde, wäre eine ordentliche Korrektur. Nur sie allein könnte dem laufenden Aufschwung Dauer und Nachhaltigkeit verleihen. Mit jedem Tag, den sie länger auf sich warten lässt, steigt die Gefahr und wächst das Risiko, das die Rallye der letzten Wochen irgendwann einmal wie ein Kartenhaus in sich zusammenstürzen wird.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment:


Latest posts