Der DAX am Verfallstag: Ab 13 Uhr lösen sich die Bremsen

Verfallstage sind schon eine verrückte Geschichte. Nicht nur, dass es an den Tagen, an denen die Hexen gleich dreifach tanzen immer etwas verrückter zugeht als an anderen Handelstagen. Auch in der Woche unmittelbar vor dem Verfallstag präsentieren sich die Märkte sehr oft in einer recht unentschlossenen Verfassung.

Die kurzfristigen Trader wie die eher langfristig agierenden Investoren agieren recht oft wie Autos, die sich mit angezogener Handbremse auf die Autobahn wagen. Dass dabei nicht unbedingt neue Geschwindigkeitsrekorde herauskommen, wohl aber der eine oder andere Schleuderkurs gefahren wird, liegt auf der Hand.

In dieser Woche war es ähnlich und erschwerend kam hinzu, dass die amerikanische Notenbank am Mittwoch zu ihrer turnusmäßigen Sitzung zusammentrat. So gesehen verwundert es nicht, dass der DAX am Montagmorgen gleich mit einem neuen Allzeithoch in die neue Woche startete, dann aber von einer merkwürdigen Lethargie erfasst wurde.

Korrektur oder Nichtkorrektur – das ist die Frage

Inzwischen wird an vielen Stellen bereits lebhaft darüber gerätselt, ob die Käufer ernsthaft erkrankt oder gar ausgestorben sind, denn ihre auffällige Schwäche muss schließlich einen Grund haben.

Bevor Sie Ihr Gehirn bei der Beantwortung dieser Frage über Gebühr strapazieren, sparen Sie sich besser die Mühe und warten den Beginn der neuen Handelswoche ab, denn es könnte allein am Verfallstag gelegen haben, dass der DAX in den vergangenen vier Tagen mehr oder weniger auf der Stelle getreten ist und weder in die eine noch in die andere Richtung nennenswert vorwärtsgekommen ist.

Zugegeben, der DAX ist gerade am Dienstag und Mittwoch deutlich zurückgefallen, doch ein klares Signal für eine Trendwende sahen wir nicht – zumindest bislang noch nicht.

Der Rückfall war gerade mal ausreichend, um den Index unter die 12.000 Punkte Marke zu führen. Dort liegt eine größere Long-Position, von der die Stillhalter gewiss nicht wollen, dass sie heute am Verfallstag im Plus oder gar deutlich im Plus abgerechnet wird.

Löst sich um 13 Uhr die Bremse?

Ein DAX, der bis 13 Uhr unter 11.999 Punkten verbleibt, würde den Stillhaltern eigentlich reichen. Während die Käufer jener Optionen Kurse von 12.001 und mehr Punkten anstreben sollten. Damit ist einer der Zielkorridore benannt, um den heute bis zur Mittagszeit erbittert gekämpft werden könnte.

Wundern Sie sich also nicht, wenn der DAX nach 13 Uhr plötzlich wie aus dem Nichts Fahrt aufnimmt und eine starke Bewegung vollzieht. Ist sie aufwärtsgerichtet, würde das bedeuten, dass die Stillhalter den DAX in den vergangenen Tagen gezielt unter 12.000 Punkte gedrückt haben, um die große Long-Position am Optionsmarkt nicht im Plus abrechnen zu müssen.

Fällt der DAX nach 13 Uhr hingegen wie ein Stein, dürfen wir vermuten, dass die Käufer der Option in den letzten Tagen verbissen darum gekämpft haben sie doch noch irgendwie ins Plus laufen zu lassen.

Wie auch immer der DAX im Anschluss an die Abrechnung der Optionen reagiert, es könnte die Handbremse sein, die gerade gelöst wird und die Fahrt wieder freigibt. Vor diesem Hintergrund sollte auch die laufende Korrektur noch nicht überbewertet werden.

Was wir von ihr wirklich halten sollen, zeigt sich vermutlich erst am Montag oder Dienstag der neuen Woche, wenn sich der DAX befreit von den Zwängen des Verfallstags wieder etwas klarer über die weitere Marschrichtung geäußert haben sollte.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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