Ausgereizt oder auf zu neuen Hochs? – Der DAX hat die Qual der Wahl

Die US-Notenbank hat am Mittwoch das Wort ‚geduldig‘ aus ihrem Statement gestrichen und damit anklingen lassen, dass der Weg hin zu einer normalen Zinspolitik in den USA wieder offen ist.

Wann und in welcher Geschwindigkeit er beschritten werden soll, das ist zwar weiterhin offen, doch eine grundsätzliche Frage scheint geklärt: Die Politik des ultraleichten Geldes ist vorbei, und ob sie jemals wiederkommen wird, das wissen wir nicht.

Die Botschaft war erwartet worden und kam deshalb nicht wirklich überraschend. Mit Freude aufnehmen können die Investoren sie aber eigentlich auch nicht, denn wenn den Anlegern in den Jahren seit 2008/2009 eines klar geworden ist, dann war es der parallele Anstieg von Geldmenge und Börsenkurse.

Steigende Geldmengen ließen die Kurse steigen. Nicht mehr steigende Geldmengen ließen die Kurse in der Vergangenheit zwar nicht unbedingt wieder fallen, behinderten ihren weiteren Anstieg jedoch empfindlich.

Weiterhin „geduldig“ auf steigende Kurse setzten?

In der Woche eins nach dem geänderten FED-Statement stellt sich für jeden Anleger deshalb die Frage, ob er geduldig auf weiter steigende Kurse setzen soll oder einen Trendbruch antizipieren und seine Eisen beizeiten aus dem Feuer nehmen, sprich seine Gewinne realisieren soll?

Nach einer durchwachsenen Handelswoche ist der DAX bei 12.039 Punkten aus dem Handel gegangen und hat damit erstmals in der Region oberhalb von 12.000 Punkten geschlossen, zumindest auf Wochenschlusskursbasis.

Überdreht ist der Index auch weiterhin, denn die letzte Woche hat die Exzesse der Vorwochen zwar ein wenig abgekühlt aber längst noch nicht bereinigt. Wären wir in normalen Zeiten, könnte man sagen, der DAX hat seine Jahresziele erreicht oder so gut wie erreicht und es ist Zeit, die Koffer zu packen.

Wir sind aber leider nicht in normalen Zeiten und das macht die Entscheidung für uns Anleger ungemein schwierig. Der Trend ist noch intakt, aber so agil und spritzig wie sie es noch zu Beginn des Monats waren, scheinen die Käufer inzwischen nicht mehr zu sein.

Die Luft wird dünner

Klare Umkehrsignale suchen wir in den Charts aber auch noch vergeblich. Das und das Wissen, dass von den Notenbanken initiierte Rallyes durchaus länger anhalten können als zunächst von den Anlegern erwartet, machen Ausflüge auf die Verkaufsseite bis auf Weiteres zu gefährlichen Reisen.

Im Zweifel also für den Angeklagten und weiter auf steigende Kurse setzen? Die Antwort ist ‚ja‘, auch wenn dieses ‚ja‘ angesichts der schwindelnden Höhe, die wir bereits erreicht haben, alles andere als leicht über die Lippen geht.

Nachdem der große Verfallstag nun Geschichte ist, hat der DAX in dieser Woche die Gelegenheit, sich neu zu erklären. Halten die Käufer das Ruder auch weiterhin fest in der Hand, sollte es bald wieder aufwärtsgehen. Gewinnen die Bären an Schlagkraft, müssen wir uns darauf einrichten, dass wir schon bald in eine recht volatile Phase eintreten, die am Ende vielleicht sogar den Namen ‚Korrektur‘ verdient.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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