DAX: Kommt nach dem Fehlstart nun der Rückschlag?

Die Chance auf eine Befreiung war da. Genutzt hat sie der DAX nicht, zumindest bis jetzt noch nicht. Aus der Aufwärtsbewegung vom Freitagnachmittag hätte sich durchaus ein neuer aufwärtsgerichteter Impuls bilden können, wenn die Käufer nicht kollektiv gestreikt hätten.

Doch zum Wochenauftakt haben die Käufer sich nicht nur ein wenig, sondern recht deutlich zurückgehalten. Der DAX ist mit einer nicht unerheblichen Abwärtslücke in den Handel gestartet und während des gesamten Tages sahen wir keinen nennenswerten Versuch der Bullen, verlorenen Boden wieder gutzumachen.

Zwar ging es auch nicht wie an der Schnur gezogen abwärts, doch die Schwäche der Käufer war nicht zu übersehen. Vor diesem Hintergrund ist damit zu rechnen, dass die Kurse auch in den nächsten Tagen nicht fröhlich in den Himmel steigen werden, sondern vielmehr in einer Korrektur gefangen sind, die sich sowohl preislich als auch zeitlich noch etwas ausdehnen kann.

Die Beschleunigung der Rallye, die nach dem Anstieg über 11.500 Punkten mit dem Ausbruch über die obere Kante des langfristigen Aufwärtstrends eingesetzt hat, wird nun seit einigen Tagen zumindest korrigiert, wenn nicht sogar ganz zurückgenommen, denn der deutsche Leitindex steht kurz davor, in den Trendkanal zurückzufallen.

Ein Beinbruch wäre ein derartiger Rückfall nicht. Außergewöhnlich auch nicht, denn einen ohnehin schon steilen Trend noch einmal nach oben zu verlassen und dieses enorme Tempo dann auch noch weiter beizubehalten ist eine Leistung, die kaum ein Index auf Dauer zu vollbringen vermag. Von unserem DAX anderes erwarten sollten wir besser nicht.

Rücksetzer und Tage mit schwächeren oder zumindest nicht wieder steigenden Kursen sind daher im Moment einen Tick wahrscheinlicher als eine sofortige Wiederaufnahme der Aufwärtsbewegung.

Wer kaufen will, sollte besser warten

Die Käufer hatten gestern zum Wochenstart keine Eile und es spricht nicht viel dafür, dass sie diese Ungeduld schnell wieder entwickeln werden. Das bedeutet im Gegenzug für einen eher mittel- bis langfristig agierenden Anleger, dass sich Käufe zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gerade aufdrängen.

Der Markt leidet noch immer unter der Überhitzung der Vorwochen. Sie löst sich nicht innerhalb von zwei bis drei Tagen in Luft auf. Von daher besteht für die Käufer keine Eile. Sie müssen ihren Wiedereinstieg nicht unbedingt jetzt und nicht unbedingt auf diesem noch immer recht hohen Niveau vollziehen.

Zwei grundsätzliche Vorgehensweisen bieten sich an. Die Erste besteht darin auf ein neues Allzeithoch zu warten, denn dieses würde ein neues Kaufsignal generieren. Man verschenkt dann als Anleger zwar einige Punkte, agiert aber mit etwas mehr Sicherheit bezüglich der weiteren Bewegung.

Die zweite Möglichkeit ist der Versuch, gestaffelt mit kleineren Positionen in den Markt einzusteigen, wenn dieser in den nächsten Tagen auf wichtige Unterstützungen zurückfällt.

Man weiß zwar im Vorfeld nie genau, wo der Markt drehen wird, doch da die EZB gerade erst begonnen hat, frische Liquidität in die Märkte zu pumpen, spricht viel dafür, dass auch weiterhin hohe Summen an den deutschen Aktienmarkt strömen werden. Tendenziell spricht diese hohe Liquidität eher für steigende als für fallende Kurse, sodass der DAX in Anschluss an eine Konsolidierung durchaus wieder ansteigen könnte.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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