Einmal nach unten antäuschen und dann steil nach oben ausbrechen

Man kann über den DAX in dieser Woche vieles behaupten, nicht jedoch, dass er am gestrigen Dienstag behutsam und vorsichtig mit den Anlegern umgegangen sei. Im Gegenteil: Schon die Eröffnung dürfte viele auf dem falschen Fuß erwischt haben.

Die Eröffnung selbst war ausgesprochen schwach und es ging wieder einmal mit einer großen Abwärtslücke in die Tiefe. Wer nun aber gedacht hatte, der Index werde die Korrekturwelle weiter reiten, sah sich schnell getäuscht, denn schon allein in der ersten Handelsstunde ging es wieder um 150 Punkte nach oben.

Diese Zahlen muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen, denn es ist noch nicht allzu lange her, da galt eine Tagesspanne von 150 Punkten als durchaus volatil. Gestern wurden die 150 Punkte in nur 60 Minuten absolviert, weil die Käufer mit Macht in den Markt zurückdrängten.

Käufer melden sich druckvoll zurück

Dass der Startschuss zur neuen Aufwärtswelle gleich auf dem ersten wichtigen Unterstützungsniveau gegeben wurde, ist auch ein Faktum, das eher für die Käufer und gegen die Bären spricht.

Anstatt die Unterstützung mehrmals anzutesten und dann vielleicht auch nach unten zu durchschlagen, sprang der DAX gleich im ersten Anlauf wie ein Tischtennisball wieder in die Höhe und das Kapitel ‚Korrektur‘ konnte man für den Rest des Tages beinahe wieder vergessen.

Natürlich gab es nach dem steilen 150 Punkte-Anstieg auch eine untergeordnete kleine Zwischenkorrektur, doch sie erfolgte wieder primär über die Zeitebene. Oder anders formuliert: Eine Stunde Vollgas und dann drei Stunden lang eine muntere Zickzack-Fahrt zum Stoppfischen auf beiden Seiten.

Der Nachmittag präsentierte sich als der „kleine Bruder des Vormittags“. Es ging wieder deutlich aufwärts, nur nicht ganz so steil wie in der ersten Handelsstunde. Als die runde 12.000 Punkte Marke wieder erreicht war, war es mit der Dynamik dann auch erst einmal vorbei und der Index pendelte wieder seitwärts.

Jetzt muss ein neues Allzeithoch Klarheit schaffen

Was lernen wir nun aus diesem in vielerlei Hinsicht bemerkenswerten Tag? Die wichtigste Erkenntnis dürfe wohl die sein, dass es nach wie vor ausgesprochen gefährlich ist, sich gegen einen starken und immer noch intakten Trend zu stellen. Wäre es anders, hätte der Test des ersten relevanten Unterstützungsniveaus anders verlaufen und die Verkäufer deutlich mehr Stärke zeigen müssen.

Soll der starke Kursanstieg vom Vortag keine Eintagsfliege werden, müssen die Käufer relativ zeitnah einen erneuten Angriff auf das Allzeithoch einleiten. Dazu anbieten würde sich der heutige Nachmittag oder der morgige Handelstag. Der heutige Vormittag stünde dann für eine leichte Korrektur zur Verfügung.

Ob es so kommt, bleibt abzuwarten. In jedem Fall ist von den Käufern allerdings nicht nur ein Angriff auf das Allzeithoch zu fordern, sondern ein erfolgreicher Angriff. Der Versuch allein reicht nicht, um die Bedenken hinsichtlich der vor gut einer Woche eingeleiteten Korrektur zu zerstreuen. Ein neues Allzeithoch hingegen wird für ein deutliches mehr an Klarheit sorgen. Es wäre insofern sehr zu begrüßen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment:


Latest posts