DAX: Zickig und unentschlossen bis zum Wochenschluss

Korrekturen sind allgemein für ihre unstetigen Muster bekannt. Die laufende Korrektur im DAX macht da keine Ausnahme. Es geht seit Tagen wild hin und her und eine klare Richtung gibt es derzeit noch nicht. Dafür aber viele Richtungswechsel, deren Start- und Endpunkte zum Teil mehrere Hundert Punkte von einander entfernt sind.

Der gestrige Handelstag brachte eine klare Verschiebung der Gewichte zugunsten der Verkäufer. Schon gleich zur Börseneröffnung rutsche der Index mit einer gewaltigen Kurslücke unter wichtige Unterstützungen und negierte damit die Erfolge der vorangegangenen Tage.

Es setzt sich damit ein Szenario fort, das sich seit Anfang der Woche entwickelt und zunehmend verfestigt: Die seit Januar laufende Phase der Euphorie geht langsam aber sicher zu Ende.

Damit ist nicht gesagt, dass der deutsche Leitindex nun sofort dreht und ab jetzt nur noch das Shorten erste Anleger-Pflicht sei. Im Gegenteil: Es kann auch in den kommenden Wochen und Monaten noch weiter aufwärtsgehen. Nur vielleicht nicht mehr ganz so rasant und schnell wie in den ersten Wochen des Jahres.

Der DAX ist in den langfristigen Aufwärtstrend zurückgefallen, damit ist die Phase der Übertreibung beendet, der Trend als solcher ist aber noch vollkommen intakt. Daran ändern auch die jüngsten Erfolge der Verkäufer nichts.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Auf übergeordneter Ebene, etwa der Ebene des Tages- oder Wochencharts stellt sich die laufende Korrektur bislang „nur“ als eine Flagge dar. Damit ist die Aussicht auf höhere Kurse zu klettern und wieder Richtung Allzeithoch vorzustoßen, nicht generell vom Tisch.

Kurzfristig dürften die Bullen es jedoch vergleichsweise schwer haben. Zwar gelingen ihnen immer wieder beeindruckende Konter, so auch gestern während der zweiten Hälfte des Handels. In den Himmel wachsen dürften die Bäume kurzfristig jedoch nicht.

Eine ganze Reihe von horizontalen Widerständen muss überwunden werden, um den Weg zur Spitze wieder freizumachen. An dieser Aufgabe sind die Käufer in den letzten Tagen immer wieder gescheitert.

Ein Grund für das Scheitern waren die fehlenden Anschlusskäufe. Weil sie nicht zu verzeichnen waren, kam keine Dynamik auf und nach einer kurzen Phase des Aufbäumens, fiel der Index immer wieder zurück.

Beide Aspekte mahnen im Moment zur Vorsicht. Überzeugender wird die Veranstaltung, wenn endlich wieder Dynamik aufkommt und die Käufer zeigen, dass sie den DAX auf dauerhaft in höhere Regionen führen können. Dieser Beweis steht bis auf Weiteres noch aus und er erfordert ein klares Überwinden der Widerstandszone bei 12.030 Punkten und neue Allzeithochs.

Dynamik muss aufkommen

‚Dynamik‘ könnte für die nächsten Tage in der Tat das alles entscheidende Stichwort sein und zwar auf beiden Seiten. Denn nicht nur die Käufer müssen liefern. Die Bären sind mehr oder weniger in der gleichen Verlegenheit.

Auch sie müssen belegen, dass sie die Kraft haben den DAX dauerhaft in tiefere Regionen zu ziehen. Abwärtsgerichtete Gaps, wie gestern zur Eröffnung, sind ein guter Anfang. Sie bleiben aber nur ein Strohfeuer ohne bleibende Relevanz, wenn es den Verkäufern nicht gelingt, im Anschluss an eine Korrektur wieder auf tiefere Niveaus zu führen.

Schaffen es weder die Käufer noch die Verkäufer Dynamik aufzubauen und entscheidende Impulse zu setzen, wird der DAX beinahe zwangsweise weiter seitwärts tendieren, weil sich zwei annähernd gleich starke Gruppen gegenüberstehen und in ihrer Wirkung mehr oder weniger neutralisieren.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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