Der DAX nimmt sein Allzeithoch wieder ins Visier

In der letzten Woche ging eine beeindruckende Serie von zehn Wochen zu Ende, in denen der DAX auf Wochenschlusskursbasis nur Zugewinne verzeichnen konnte. Für die Anleger stellt sich damit die Frage, ob nun eine längere Phase mit eher abwärtsgerichteten Kursverläufen ansteht oder der DAX sich rasch wieder fangen und weiter ansteigen kann.

Die Ausgangslage der Vorwoche bot sowohl für die Käufer wie für die Verkäufer Anhaltspunkte. Der DAX hatte eine Flagge ausgebildet. Flaggen sind tendenziell trendbestätigend. Diese Flagge nach oben zu verlassen, musste deshalb das primäre Ziel der Käufer sein.      

Es wurde am Montag erreicht und damit ist es den Bullen gelungen, zumindest die Türe zu höheren Kursen weit aufzustoßen. Eine Gewähr für weiter steigende Kurse ist das natürlich noch nicht, denn solche ‚Gesetzmäßigkeiten‘ sucht man an der Börse vergeblich.

Doch die Vorteile haben sich mit dem ersten Handelstag dieser verkürzten Woche wieder deutlicher in das Lager der Käufer verschoben. Den Bullen müsste dazu jedoch etwas gelingen, was ihnen in den letzten Handelstagen immer wieder nicht gelungen ist: Anschlusskäufe zu genieren.

Damit sind auch die Anforderungen für die drei noch verbleibenden Handelstage klar benannt: Der DAX muss durch ein konstantes Kaufinteresse veranlasst werden, weiter anzusteigen, ansonsten werden die Bullen das Zepter schneller wieder aus den Händen geben als ihnen lieb sein kann.

Willkommen bei ‚Wünsch dir was!‘ …

Da heute das erste Quartal endet, ist die Ausgangslage für weitere Anschlusskäufe nicht schlecht, denn die institutionellen Anleger haben die Angewohnheit, zum Ende eines Quartals die gut gelaufenen Aktien noch einmal verstärkt zu kaufen, damit die Anleger im zu erstellenden Quartalsbericht nachlesen können, dass man stark in den besonders gut gelaufenen Werten investiert war.

Ob eine solche Kosmetik gut ist, darüber kann man trefflich streiten. Fakt ist jedoch, dass diese Effekte zum Ende eines Quartals immer wieder gerne auftreten. Am Mittwoch beginnt ein neuer Monat. Die Fonds stehen dann vor der Notwendigkeit das von den Anlegern mit Sparplänen eingezahlte Geld anlegen zu müssen. Aus diesem Grund sind die ersten Tage eines neuen Monats sehr oft gute Börsentage.

Kommen die beiden zuvor beschriebenen Effekte in dieser Woche zum Tragen, hat der DAX gute Chancen weiter anzusteigen. Das natürliche Ziel dieser Bewegung ist das aktuelle Allzeithoch, das inzwischen gar nicht mehr so weit entfernt ist.

Dass eine Aufwärtsbewegung das bestehende Allzeithoch nach Möglichkeit überwinden sollte, bedarf auch keiner großen Erklärung, sodass der DAX den Anlegern zu Ostern durchaus ein besonders schönes Ei mit der Aufschrift ‚Neues Allzeithoch‘ ins Nest legen könnte.

… oder sehen wir die Pech, Pleiten und Pannen-Show?

Die Chancen, eine solche Bewegung zu sehen, sind vorhanden und damit verlassen wir das ‚Wünsch dir was!-Programm‘ und wechseln über in das Horrorprogramm der Bullen über.

Dieses beinhaltet eine Wiederholung der aus Käufersicht unbefriedigenden Erlebnisse der Vorwoche. Also: Starker Beginn und dann kommt nichts mehr. Kommt dieses Programm heute und am Mittwoch in Frankfurt zur Aufführung, fällt der DAX nicht nur auf die obere Kante der überwundenen Flagge zurück und steigt von dort wieder an, sondern es kommt das Szenario ‚Rückfall in die alte Flagge‘ zur Aufführung.

Für die Bären eine wahre Freude, für die Käufer der reinste Horror, denn dann waren alle Anstrengungen vom Montag vergeblich.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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