DAX: Betätigt sich die Wall Street wieder als Fußangel?

Über viele Wochen konnte die Wall Street machen, was sie wollte. Der DAX störte sich nicht sonderlich daran und ging eigene Wege. Meist war es der Weg steil nach oben, und dass die Mehrheit der Anleger diese Selbstständigkeit begrüßt haben dürfte, sollte außer Frage stehen.

Doch wie bei jeder anderen Absetzbewegung auch stellt sich zwangsläufig die Frage, wie weit diese reicht. Noch ist es zu früh, eine endgültige Antwort zu geben, doch wir sollten nicht allzu verwundert sein, wenn die Antwort am Ende „bis zum April 2015“ lauten wird.

Der DAX begann gestern zögerlich, er steigerte sich im weiteren Verlauf des Vormittags deutlich und zollte ab Mittag den Vorgaben der New Yorker Börse Tribut. Das sind Zustände, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen und wie sie auch ein wenig der „Normalität“ entsprechen.

Sollte sich die gestern gezeigte Entwicklung als Trend für die Zukunft dauerhaft etablieren, wird die Frankfurter Börse sich in Zukunft schwertun, auch weiterhin so leichtfüßig anzusteigen.

Ohne Eigenständigkeit keine Rallye

Wäre der DAX dem Dow Jones oder dem S&P500 Index in den vergangenen Wochen gefolgt, stünden wir heute vermutlich rund 2.000 Punkte tiefer und würden uns immer noch mit der runden 10.000 Punkte Marke herumschlagen.

Man könnte jetzt durchaus die These vertreten, dass dies ein Zielbereich ist, in den der DAX eigentlich anzusiedeln sei, wäre nicht im Januar das gigantische Ankaufprogramm der EZB angelaufen. Die Situation der deutschen Wirtschaft ist (noch) nicht wirklich schlecht, aber das aktuelle Kursniveau rechtfertigt sie eher schlecht als recht.

In den USA fehlen seit Oktober letzten Jahres die entscheidenden Impulse, um die wichtigen Indizes weiter ansteigen zu lassen. Seit die FED kein neues Geld mehr in die Märkte pumpt, geht faktisch so gut wie nichts mehr.

Damit zeigt sich einmal mehr, wie entscheidend die geldpolitischen Maßnahmen der Notenbanken für die Kursentwicklung der letzten sechs Jahre waren. Mit Blick auf die nähere Zukunft sollte hinzugefügt werden, dass die Märkte noch immer am Tropf der Zentralbanken hängen.

Neue Eigenständigkeit oder Warten auf neue Maßnahmen der FED

Ohne beständige Geldinfusionen keine neuen Aufschwünge am Aktienmarkt, zumindest nicht am amerikanischen. Die europäischen Börsen werden in Kurze zeigen müssen, ob für sie diese Aussage auch gilt.

Noch verfälscht der kleine Verfallstag am Ende der Woche ein wenig das Bild, weil er dafür sorgen kann, die Kurse nicht zu schnell steigen zu lassen, damit gewisse Long-Positionen am Freitag nicht im Plus abgerechnet werden müssen.

Etwas mehr Klarheit erhalten wir vermutlich erst in der neuen Woche. Wichtig wird dann nicht nur sein, ob der DAX steigt oder fällt. Viel interessanter könnte die Frage sein, ob die Börse in Frankfurt sich wieder parallel zur Wall Street entwickelt oder weiterhin ein recht starkes Eigenleben zeigt.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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