DAX: Die Anleger werden kräftig durchgeschüttelt

In der vergangenen Woche startete der DAX recht optimistisch in den Handel. Mit einer nicht unerheblichen Eröffnungslücke ging es los und nicht nur das Gap selbst, auch seine Größe machte Hoffnung auf mehr.

Wie unberechtigt diese Hoffnung war und wie umgehend sie enttäuscht wurde, das war an den folgenden vier Handelstagen zu beobachten, wobei vor allem der Freitag mit seinen deutlichen Kursverlusten vielen Anlegern noch lange schmerzhaft in Erinnerung bleiben wird.

Bei einer Abwärtsbewegung dieser Länge und Dynamik werden zwangsläufig viele Stopps ausgelöst worden sein. Die von dieser Entwicklung betroffenen Anleger stehen nun ohne ihre Positionen da und es ist fraglich, ob sie sich sogleich zu einem neuen Einstieg durchringen können.

Die hohe Abwärtsdynamik der Vorwoche spricht eher gegen diese Annahme. Es ist daher zu erwarten, dass diese Anleger zwar grundsätzlich weiterhin optimistisch für die Zukunft eingestellt sind, jedoch momentan eher verunsichert an der Seitenlinie verharren und nicht sogleich wieder in den Markt einsteigen werden.

Beseitigt die Gegenbewegung vom Montag die Ängste aus der Vorwoche?

Auch in dieser Woche begann der Handel freundlich und erneut startete der DAX mit einer Kurslücke in die neue Woche. Auf den ersten Blick scheinen sich die beiden Wochen somit zu gleichen wie ein Ei dem anderen.

Auf den zweiten Blick ergeben sich jedoch gewichtige Unterschiede, die den Bullen das Leben in dieser Woche schwer machen könnten. Vor acht Tagen schien eine Korrektur überwunden. Jetzt hat es nach den schwachen Tagen der Vorwoche den Anschein, als habe diese gerade erst wieder begonnen.

Auch der Optimismus der Anleger hat durch die Kursverluste der letzten Tage Schaden genommen. Überwiegend pessimistisch eingestellt sind die Anleger zwar nicht, doch was an Euphorie vorhanden war, ist inzwischen verflogen.

Es scheint, als wüssten die Anleger nicht so recht, wie Sie den DAX mehrheitlich einschätzen sollen. Das ist nicht verwunderlich. Wenn Käufer und Verkäufer aber annähernd gleich stark sind, ist zu erwarten, dass auch ihre Bewegungen mehr oder weniger egalisieren werden.

Seitwärts oder Abwärts?

Kommt es so, erwartet uns in dieser Woche eher eine zähe Seitwärtsbewegung als eine klare Entscheidung für die eine oder die andere Richtung. Um dieses Bild aufzuheben, müsste den Käufern ein Anstieg über 12.000 Punkte gelingen.

Ob dies heute oder in den nächsten Tagen gelingt, bleibt abzuwarten, denn im kurzfristigen Zeitfenster ist der DAX bereits wieder überkauft. Eine Abkühlung wäre also nicht nur wünschenswert, sondern ist auch wahrscheinlich. Das spricht klar gegen einen schnellen Befreiungsschlag.

Für ein nochmaliges Abtauchen spricht auch, dass die bisherige Abwärtsbewegung nur zweiteilig verlief. Auf eine dynamische Abwärtsbewegung in der Vorwoche sahen wir gestern einen Konter der Käufer.

Sollte sich auch dieses Mal wieder eine klassische ABC-Struktur ausbilden, so steht das ‚C‘ immer noch aus und es sollte nach Lage der Dinge dem ‚A‘ in Richtung und Länge ähnlich sein, was bedingen würde, dass es noch einmal tiefer geht.

Wie tief, das hängt auch von der Länge der Gegenbewegung ab, womit wieder der Widerstand bei 12.000 Punkten in den Blick gerät. Kann er heute oder morgen nicht überwunden werden, könnte der Beginn der zweiten Abwärtswelle unmittelbar bevorstehen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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