DAX: Höher, aber noch ist nichts gewonnen

Die ersten beiden Handelstage im DAX verliefen erfreulich, das ist wahr. Mehr als eine dynamische Gegenbewegung sahen wir bislang aber noch nicht. Wir müssen deshalb damit rechnen, dass sich die Lage schon bald wieder eintrübt.

Der zweite Aufwärtstag der laufenden Woche war von zwei tendenziell eher negativen Aspekten geprägt. Hervorzuheben ist, dass der Index deutlich unter dem Tageshoch bei 11.939 Punkten geschlossen hat.

Das deutet darauf hin, dass viele Anleger dem Braten noch nicht so recht trauen und im Zweifelsfall dazu tendieren, sich lieber zu früh als zu spät aus dem Markt zu verabschieden.

Man kann es ihnen angesichts der hohen Volatilität nicht verdenken. Auf der anderen Seite ist aber auch klar, dass die Neigung zu frühzeitigen Gewinnmitnahmen die Ausbildung eines neuen Aufwärtstrends eher erschwert denn begünstigt.

Die Käufer bleiben wichtige Ziele schuldig

So verwundert es nicht, dass der DAX auch die wichtige Zone um 12.050 Punkte nicht überwinden konnte. Das Tageshoch wurde recht früh am Morgen erreicht und danach den ganzen Tag über nicht mehr erfolgreich angegriffen.

Für die Käufer wäre ein Schlusskurs über der psychologisch wichtigen 12.000 Punkte Marke jedoch von Bedeutung gewesen, denn von hier aus hätte heute bzw. in den nächsten Tagen der Versuch gestartet werden können, den laufenden Abwärtstrend anzusteuern, und wenn möglich, erfolgreich zu überwinden.

Mit dem Tagesschlusskurs von 11.939 Punkten ist dieser Angriff zwar noch nicht völlig aus der Welt. Er wird nur, sollte er doch noch unternommen werden, von einem deutlich tieferen Niveau aus gestartet. Damit sind seine Erfolgsaussichten ein wenig ungünstiger geworden.

Vorwärts, wir müssen noch mal zurück!

Ultrakurzfristig geht es nun seit zwei Tagen aufwärts, aber auf der übergeordneten Ebene befindet sich der deutsche Leitindex immer noch in einem völlig intakten Abwärtstrend. Solange dieser nicht überwunden wird, sind eine neue Abwärtswelle und damit tiefere Tiefs als in der Vorwoche noch lange nicht vom Tisch.

Sollte die Schwäche der Käufer anhalten und die Bullen ihre Ziele auch weiterhin nicht erreichen, kommt man nicht umhin, die laufende Bewegung auch weiterhin nur als eine Gegenbewegung zu charakterisieren.

Sie wäre dann nur das aufwärtsgerichtete ‚B‘ einer insgesamt abwärtsgerichteten klassischen ABC-Korrektur, wobei in der Regel das ‚A‘ und ‚C‘ die jeweils dominanteren Parts dieser Korrekturbewegung darstellen sollten.

Ein weiteres Hoch über 12.079 wäre nicht schlecht. Sollte es uns aber auch heute wieder verweigert werden, drohen schnell Abgaben, die den DAX leicht wieder auf 11.830 Punkte zurückführen können.

Die schönen Gewinne vom Wochenanfang wären dann sofort wieder Makulatur und die Stimmung der Anleger dürfte sehr schnell wieder in dunkle Moll-Töne umschlagen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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