Ausgestanden ist diese Korrektur noch nicht

Es sind nicht die Wochen der Trendfolger, die wir im März und April durchleben, denn seit gut fünf Wochen kommt der DAX einfach nicht mehr von der Stelle. Wir stehen auf einem Niveau, das bereits Mitte März erreicht wurde, und sind seitdem in eine zähe Seitwärtsbewegung eingetreten, die um die runde 12.000 Punkte Marke fluktuiert.

Bislang gelang es dem Index nicht, sich nachhaltig von dieser Marke abzusetzen. Weder der Ausbruch nach oben wollte gelingen, noch haben es die Verkäufer geschafft, den DAX deutlich unter 12.000 Punkte zu drücken.

Am kleinen Verfallstag fiel der Index zwar bis auf 11.674 Punkte zurück, doch haben Bewegungen, die an Verfallstagen ausgebildet werden, immer ihre eigene Geschichte. Sie sind deshalb nicht ganz so aussagekräftig und belastbar wie jene Niveaus, die an normalen Tagen angesteuert wurden.

So wundert es auch nicht, dass der Bereich zwischen 11.800 und 11.830 Punkten bislang gehalten hat und als wichtige Unterstützung fungiert. Solange diese Zone nicht unterschritten wird, hat der DAX weiterhin die Chance zwischen 11.800 und 12.030 Punkten zu pendeln.

Die Unterstützung bei 11.800 Punkten hält noch

Erst wenn die Unterstützung nicht mehr hält und der Bereich zwischen 11.800 und 11.830 Punkten aufgegeben wird, drohen weitere Abgaben. Sie könnten den Index schnell an das Tief aus der Vorwoche bei 11.674 Punkten heranführen. Hier wäre dann zwar mit einer kurzfristigen Gegenbewegung zu rechnen, doch ob diese stark genug sein wird, den DAX endgültig zu stabilisieren, das muss sich erst noch zeigen.

Ein erneuter Test der Tiefs aus der Vorwoche ist weiterhin wahrscheinlich. Ob er unmittelbar bevorsteht, bleibt abzuwarten. Dafür spricht, dass den Käufern die Kraft fehlt, den DAX über 12.050 Punkte ansteigen zu lassen. Im Bereich zwischen 12.000 und 12.050 Punkten ist derzeit der Deckel auf den Kursen, denn es fehlt an mutigen Händen, die auf diesen Niveaus verstärkt Aktien zukaufen.

Für einen erneuten Test der Tiefs aus der Vorwoche spricht ebenfalls, dass die noch offene Kurslücke bei 11.900 Punkten gestern geschlossen wurde. Damit wiederholt sich eine Entwicklung, die wir bereits aus der Vorwoche kennen: Die zu Wochenanfang gerissenen Gaps haben keinen Bestand.

Sie wirken zwar auf den ersten Blick wie die Startschüsse zu neuen Aufschwüngen, sind aber keine, weil anschließend nicht genügend Dynamik aufkommt und die Anschlusskäufe der Anleger ausbleiben.

Die Schwäche der Käufer ist die Chance der Verkäufer

Potential nach oben ergibt sich erst, wenn es den Käufern gelingt, den DAX über 12.040 Punkte ansteigen zu lassen. Dieser Anstieg sollte zudem auch auf Stundenschlusskursbasis Bestand haben, was in den vergangenen Tagen nicht der Fall war.

Kurzzeitige Ausflüge in höhere Regionen, die schnell wieder abverkauft werden, helfen dem Index nicht weiter. Im Gegenteil: Sie sind eher als Zeichen von Schwäche zu werten, denn sie machen deutlich, dass den Anlegern das Vertrauen fehlt.

Wäre es anders, würde der Bereich zwischen 12.000 und 12.050 Punkten zügig durchschritten und anschließend schnell ein neuer Angriff auf das bisherige Allzeithoch gestartet. Doch danach sieht es derzeit absolut nicht aus.

Der DAX bleibt also bis auf Weiteres in einem Tradingmarkt gefangen, in dem die Chancen im kurzfristigen Zeitfenster momentan eher auf der Verkäuferseite liegen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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