Jetzt streiken nur noch die DAX-Bullen

Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) hat ihren Streik beendet und der Bahnverkehr normalisiert sich wieder. Für wie lange, das wissen vielleicht die Götter, wahrscheinlich aber nur Claus Weselsky.

Jetzt müsste sich nur noch der DAX wieder normalisieren und rasch in die alte Spur zurückfinden. Doch danach sieht es momentan eher nicht aus. Der gestrige Tag war so schwach und kraftlos, wie die Anleger sich gerade angesichts schwacher Wirtschaftsdaten aus der Eurozone, den USA und China fühlen.

Da mehr oder weniger die gesamte Welt betroffen ist, machen die Investoren erst einmal Kasse und nehmen aufgelaufene Gewinne mit. Es wiederholt sich damit das Bild aus der letzten Woche. Der freundliche Start vom Montag ist vergessen und die schönen Kursgewinne vom Wochenbeginn haben sich ebenfalls schnell wieder in Luft aufgelöst.

Eine nachhaltige Aufwärtsdynamik sieht anders aus, und da wir dieses Theater nun schon die zweite Woche hintereinander erleben, dürfte inzwischen auch dem letzten Anleger aufgefallen sein, dass der deutsche Leitindex in eine Korrektur eingetreten ist.

Fallende Kurse – negative Nachrichten

Wenn die Kurse fallen, fokussieren sich Journalisten und Anleger gerne auf die negativen Nachrichten und neigen beide dazu, positive Aspekte eher auszublenden. Dieses Phänomen war gestern wieder sehr schön zu beobachten.

Die Kursverluste des DAX wurden mit negativen Konjunkturaussichten begründet. Ob zu Recht oder nicht, das lassen wir einmal dahingestellt sein. In jedem Fall wurde die Gleichung gespielt: schlechte Nachrichten gleich schlechte, also fallende Kurse.

Das kann man so machen. Man sollte aber berücksichtigen, dass die Europäische Zentralbank ihr milliardenschweres Anleihekaufprogramm gestartet hat, um innerhalb der Eurozone die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

Vielleicht erinnern Sie sich noch ganz schwach: Noch vor wenigen Tagen beschäftigte den Markt die Sorge, die EZB könnte das Programm vorzeitig abbrechen. Ob auch diese Unruhe berechtigt war, lassen wir ebenfalls mal dahingestellt sein.

Folgt der Markt einer neuen Logik?

Viel wichtiger ist folgender Punkt: Wenn diese Sorge zu Recht bestand, dann sollten die gestern veröffentlichten Konjunkturdaten die EZB eigentlich dazu veranlassen, ihr Programm nicht vorzeitig zu beenden.

Da jedem Anleger klar ist, dass die EZB Milliarden tendenziell steigende Kurse bedeuten, hätten die schwachen Konjunkturdaten gestern auch positiv interpretiert werden können, wenn die Anleger einmal um die Ecke gedacht hätten.

Im Januar und Februar haben sie dies noch mit einer Selbstverständlichkeit getan, die beeindruckend war. Heute kommt nicht einmal der Hauch eines Gedanken auf. So schnell ändern sich die Zeiten.

Der Gedanke könnte aber bald wieder auftauchen, und zwar „zufälligerweise“ genau dann, wenn sich die laufende Korrektur langsam ihrem Ende nähert.

Spätestens dann werden die Anleger neue Argumente für den Anstieg der Kurse brauchen und dann könnten Hinweise auf die Politik der EZB sehr gelegen kommen, auch wenn natürlich jedem sogleich auffällt, dass die „neuen“ Argumente immer noch die „alten“ Begründungen sind.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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