DAX: Es ist und bleibt ein Trauerspiel

Für die Optimisten unter den Anlegern gilt nun schon seit drei Wochen das Motto: „Hoffnungen sind dazu da, enttäuscht zu werden“. Zum dritten Mal in Folge knickt der deutsche Leitindex nach einem schwungvollen Start in die neue Handelswoche deutlich ein und verliert rasch wieder an Boden.

Euphorie sieht anders aus, Zuversicht und Optimismus allerdings auch. Beim Blick auf den DAX-Chart bleibt somit notgedrungen ein Gefühl der Enttäuschung zurück, denn wieder ist es dem Index nicht gelungen, den positiven Wochenstart in eine von Dauer geprägte Aufwärtsbewegung zu verwandeln.

Dass es heute deutlich besser wird, ist nicht zu erwarten, denn die Märkte stehen mal wieder im Bann der Notenbanken. Die Anleger warten auf die Zinsentscheidung der Federal Reserve Bank (FED).

Eine Zinserhöhung der US-Notenbank ist wenig wahrscheinlich, auch wenn unlängst das wichtige Wort „geduldig“ aus dem Kommuniqué der amerikanischen Zentralbank gestrichen wurde.

Lässt Janet Yellen die Bullen von der Leine?

Da Janet Yellen bereits durchblicken ließ, dass die Streichung des Begriffs nicht gleichbedeutend mit einer unmittelbar bevorstehenden Zinserhöhung ist, ruhen die Hoffnungen der Anleger nun wieder auf dem Statement der US-Notenbank, das heute nach Börsenschluss veröffentlicht werden wird.

Sehnsüchtig erwartet werden Hinweise, die darauf deuten, dass die ersten Schritte zur Anhebung der Zinsen von der FED nicht bereits 2015, sondern erst im Jahr 2016 vorgenommen werden. Eine derartige Ankündigung gäbe dem Markt Zeit und sie könnte dazu beitragen, dass die dicht unter ihren Hochs stehenden US-Indizes endlich aus ihrer mehrmonatigen Konsolidierung ausbrechen.

Dass vor der Sitzung noch viel passiert, ist nicht zu erwarten. Insofern darf man davon ausgehen, dass der europäische Handel heute von einer eher abwartenden Tendenz gekennzeichnet ist.

Der DAX zeigt wieder relative Schwäche

Impulse dürfte es, wenn überhaupt, erst am Abend nach 20 Uhr geben. Sie betreffen den Nachmittagshandel an der Wall Street und werden vom DAX morgen zur Eröffnung nachgebildet.

Anschließend steht ein langes Wochenende bevor. Es engt die zur Verfügung stehende Zeit weiter ein und könnte dazu beitragen, dass der Knoten erst in der kommenden Woche entwirrt wird.

Dass ein positives oder zumindest positiv aufgefasstes Notenbankkommuniqué den DAX gleich auf ein neues Allzeithoch katapultieren wird, ist nicht unbedingt zu erwarten, denn die relative Stärke, die der deutsche Leitindex gegenüber den US-Indizes seit Oktober 2014 aufgebaut hat, geht zunehmend verloren und wandelt sich in eine relative Schwäche.

Wir müssen deshalb damit rechnen, dass sich der DAX auch dann als „fußkrank“ präsentieren wird, wenn die Wall Street in den Rallye-Modus schaltet. Eile beim Aufbau neuer mittel- bis langfristig ausgerichteter Longpositionen ist daher bis auf Weiteres nicht geboten.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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