DAX: Kommt der Ausverkauf jetzt erst so richtig in Schwung?

Einen ziemlich heftigen Schlag ins Kontor mussten zur Wochenmitte die Käufer am Frankfurter Aktienmarkt hinnehmen. In die Zange genommen von schlechten US-Konjunkturzahlen und einem steigenden Euro verzeichnete der DAX den höchsten Tagesverlust des laufenden Jahres.

Bis zum Mittag pendelte der deutsche Leitindex noch um den Schlusskurs vom Vortag. Doch am Nachmittag trat ein deutlich schwächer als erwartetes Wachstum der US-Wirtschaft im ersten Quartal eine Verkaufslawine los, die sich nochmals beschleunigte, nachdem die untere Begrenzung bei 11.619 Punkten unterschritten worden war.

Am Ende blieb eine lange, tiefrote Tageskerze, die eine deutliche Sprache zu sprechen scheint. Eine kleine Chance haben die Bullen jedoch noch. Gelingt es ihnen heute die Verluste vom Vortag wettzumachen und den DAX wieder deutlich über 11.619 Punkte ansteigen und dort dauerhaft verweilen zu lassen, könnte man die Kursverluste vom gestrigen Tag als ein Fehlsignal werten.

In diesem Fall wären sogar neue Allzeithochs immer noch möglich, wenn dem DAX im Mai das Kunststück gelingt, wieder dauerhaft anzusteigen. Dazu bedarf es heute einer sehr kräftigen und schnellen Gegenreaktion. Kommt diese Gegenbewegung nicht oder nicht nachhaltig genug, wird die Möglichkeit eines Fehlausbruchs von Stunde zu Stunde unwahrscheinlicher.

Realistischer ist auf Sicht von einigen Tagen jedoch eine Ausdehnung der Korrektur. Bei 11.200 Punkten könnte ein weiter fallender DAX in der nächsten Woche auf die langsam ansteigende langfristige Trendlinie treffen. Hier ist der Index so gut unterstützt, dass zumindest mit einer vorübergehenden Stabilisierung zu rechnen ist.

Nur eine kurze Gegenbewegung oder belastbarer Trendwechsel?

Anleger, denen es angesichts der massiven Kursverluste der letzten Tage schon wieder in den Fingern juckt, müssen sich überlegen, ob sie jetzt unmittelbar einen Einstieg versuchen wollen oder lieber auf eine spätere bei 11.200 Punkten einsetzende Gegenbewegung setzen möchten.

Wer jetzt unmittelbar den DAX kauft, läuft Gefahr, in ein fallendes Messer zu greifen. Nach den Kursverlusten der letzten Tage ist eine technisch bedingte Gegenbewegung zu erwarten. Fraglich ist jedoch, ob sie geeignet ist, den DAX wieder dauerhaft auf den Pfad der Kursgewinne zurückzuführen.

Auf der anderen Seite sind nur noch rund 200 Punkte zurückzulegen, bis der DAX die Zielzone bei 11.200 Punkten erreicht und der gestrige Tag hat einmal mehr gezeigt, wie schnell der Index inzwischen eine Strecke von 200 Punkten zurücklegen kann.

Kurzfristig haben die Verkäufer das Ruder übernommen und die Bullen tun sich schwer, bereits auf hohen Kursniveaus Widerstand zu leisten. Es hat ein wenig den Anschein, als würde die Musik in den kommenden Monaten stärker in New York an der Wall Street als in Frankfurt im DAX spielen.

Das Kapitel ‚relative Stärke‘ und Unabhängigkeit gegenüber den Vorgaben der US-Börsen scheint sich dem Ende zuzuneigen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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