Der DAX und die kleinen Veränderungen mit der großen Wirkung

Nach den starken Anstiegen der Vortage gönnte sich der DAX zu Beginn der Woche eine Erholungspause. Eine direkte Auszeit nahm sich der Index nicht, denn die Kurse fielen nicht allzu weit unter das am Freitag erreichte Niveau zurück. Aber fortgesetzt wurde die Rallye vom Freitag auch nicht.

Es hatte vielmehr den Eindruck als suchten die Anleger nach etwas mehr Orientierung. Verwunderlich ist das nicht, schließlich gab es in der vergangenen Woche eine ganze Reihe bemerkenswerter Entwicklungen und Ergebnisse zu bestaunen.

Großbritannien hat wieder eine Regierung und der bisherige Regierungschef wird auch der neue sein, was im Vorfeld der Wahl nicht unbedingt zu erwarten war. Hält David Cameron sich an seine Wahlversprechen, kommt 2017 das Referendum über die EU-Zugehörigkeit der Insel und die Staatsquote soll ebenfalls weiter reduziert werden.

Der Staat will sich also weiter aus der britischen Wirtschaft zurückziehen und deren Geschäftsmodell basiert zu einem nicht unerheblichen Anteil auf einem stetigen Zustrom ausländischer Gelder.

Ob die auch weiterhin so üppig fließen werden, wenn sich die Briten in zwei Jahren gegen eine weitere Zugehörigkeit zur Europäischen Union entscheiden sollten, ist eine der spannenden Fragen für die Zukunft.

Für das aktuelle Börsengeschehen ist die Frage noch viel zu weit weg. Sprengkraft hat sie dennoch, denn ein Großbritannien, das sich selbst den wirtschaftlichen Teppich unter den eigenen Füßen wegzieht, wird auch auf den DAX nicht ohne Einfluss bleiben.

Athen zaubert wieder Millionen aus dem Hut

Aber so weit sind wir noch nicht. Heute dürfen wir uns erst einmal darüber freuen, dass es der Athener Regierung doch irgendwie gelungen ist, die 756 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu überweisen, die in dieser Woche fällig waren.

Sollte in einigen Tagen wieder ans Licht kommen, dass dabei nach Kräften gemogelt wurde und „eiserne Grundsätze“ der Europäischen Zentralbank und der gemeinsamen europäischen Währung wieder einmal auf dem Altar der Realpolitik geopfert wurden, so wundern Sie sich besser über nichts.

Denken Sie im Zweifelsfall lieber an die BND-Affäre des Kanzleramts. Auch die ist viel zu geheim, als dass man Sie oder mich mit den Details belasten möchte. Hinschauen sollten Sie aber trotzdem.

Nicht weil der BND plötzlich so interessant geworden ist oder weil man in Pullach dank der Kooperation mit befreundeten Diensten heute schon weiß, wo der DAX morgen stehen wird. Nein, viel interessanter wird es sein zu beobachten, was geschieht, wenn das Vertrauen der Bevölkerung erst einmal gründlich den Bach hinunter gegangen ist.

Hier schließt sich dann schnell der Kreis zu den Finanzmärkten, denn auch am Rentenmarkt ist in der Vorwoche viel Vertrauen verloren gegangen. Sollte es nicht kurzfristig wieder zurückkehren, womit nach Lage der Dinge eigentlich zu rechnen ist, dürfte auch hier einiger Flurschaden entstehen, dem sich die Märkte auf Dauer nicht werden entziehen können.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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