DAX: Die Verunsicherung wächst

Wer den morgigen Feiertag zu einem kürzeren oder längeren Urlaub nutzt, der macht kaum etwas falsch in diesen Tagen, denn die Signale, die uns die Finanzmärkte senden, sind alles andere als klar und stringent. Entsprechend groß ist die Verunsicherung, die immer mehr Anleger erfasst.

Der Montag war von schon schwachen Verlusten geprägt, aber im Grunde passte das Bild für die Bullen noch, denn die Abgaben waren moderat im Verhältnis zu den steilen Anstiegen der Vorwoche. Alles sah nach einer Konsolidierung auf hohem Niveau aus.

Nicht mehr ins Bild passen wollte der gestrige Dienstag, denn anstatt die Rallye wieder aufzunehmen, entschieden sich die Anleger dafür, den DAX mit saftigen Verlusten in die Tiefe rauschen zu lassen.

Die an sich gute Ausgangslage für die Bullen war damit Makulatur und am Ende des zweiten Handelstages dieser Woche sieht das Bild nicht mehr nur unschön, sondern geradezu düster aus, denn der seit April das Bild bestimmende Abwärtstrend hat sich noch einmal beschleunigt.

Weiter im Korrekturmodus?

Damit könnte sich eine Ausweitung der Korrektur andeuten. Ein akuter Grund in Panik zu verfallen besteht noch nicht. Das vom Markt gegebene Warnsignal zu ignorieren, ist aber gewiss auch nicht der Weisheit letzter Schluss.

Noch immer scheinen die Marktteilnehmer nicht so recht zu wissen, wie sie mit den Irritationen umgehen sollen, die derzeit vom Rentenmarkt und vom Euro/US Dollar-Wechselkurs kommen.

Der angeschlagene Rentenmarkt hatte sich zunächst wieder etwas stabilisiert, fiel aber am Dienstag wieder deutlicher zurück. Damit wächst die Gefahr, dass die Bewegung der Vorwoche sich zu einem aus mehreren Wellen bestehenden Abwärtsimpuls ausweitete.

Da in diesem Fall mindestens zwei Abwärtswellen auf uns zukommen werden, besteht die Gefahr, dass die am Dienstag begonnene Bewegung noch nicht abgeschlossen ist, weil Abwärtswellen oftmals die Eigenschaft haben etwa gleich lang zu sein.

Das würde bedeuten, dass die laufende Abwärtsbewegung am Rentenmarkt noch nicht abgeschlossen ist und in den kommenden Tagen weitergehen wird. Mit einem kurzfristigen Ende des Störfeuers vom Bund Future können die Anleger im DAX damit nicht rechnen.

Auch die Stärke des Euros belastet

Gleiches gilt für den Euro/US Dollar-Wechselkurs. Auch der tut nicht unbedingt das, was man während eines laufenden QE-Programms von ihm erwarten sollte. Anstatt zu fallen, kämpft sich die europäische Gemeinschaftswährung trotz der Spannungen um Griechenland und dem angekündigten britischen Referendum über die eigene EU-Mitgliedschaft in immer höhere Kursregionen vor.

Als wenn das nicht schon genug Ärger machen würde, steht zu allem Überfluss am kommenden Freitag auch noch der kleine Verfallstag auf dem Programm. Auch wenn der Mai-Verfall nicht annähernd die Auswirkungen eines großen Verfallstags haben wird, so muss doch damit gerechnet werden, dass die Kurse bis zum Ende der Woche durch Absicherungsgeschäfte der Stillhalter zusätzlich beeinträchtigt werden.

Die Gefahr, weiter abzustürzen und den Abwärtstrend fortzusetzen, ist durch den bescheidenen Verlauf dieser Handelswoche deutlich größer geworden. Wer sich ihr entziehen will, ohne den Brückentag gleich zu einem kleinen Kurzurlaub zu nutzen, der ist bis zum Ende der Woche mit reduzierten Positionsgrößen und einem eher zurückhaltenderen Anlage- oder Tradingstil durchaus gut beraten.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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