DAX: Zwei alte Probleme kommen zurück

Es waren nur zwei Randnotizen in den Nachrichten des gestrigen Tages, doch sie werfen ein bezeichnendes Licht auf die Gefahren, die den Kapitalmärkten in den kommenden Wochen und Monaten drohen.

Vielleicht sollte man besser sagen „Gefahren, die den Kapitalmärkten in den kommenden Wochen und Monaten wieder drohen“, denn die Themen sind alles, nur nicht unbekannt, und die hinter ihnen stehenden Probleme alles, nur nicht gelöst.

Die Deutsche Bundesbank warnte gestern vor einer bevorstehenden Staatspleite in Griechenland. Wirklich überraschend kommt diese Nachricht nicht. Ungewöhnlich ist nur, dass sich die allgemein eher als verschwiegen und zurückhaltend bekannten Notenbanker so deutlich zu Wort melden.

Das ist normalerweise nicht ihr Stil und das ungewöhnliche Verhalten zeigt einmal mehr, wie verfahren und vielleicht auch wie aussichtslos die Lage inzwischen schon geworden ist.

Ein deutliches Alarmzeichen

Wenn man die griechischen „Partner“ schon anders als über eine deutliche mediale Warnung nicht mehr zu erreichen glaubt, muss der Entfremdungsprozess in den vergangenen Wochen noch einmal eine deutliche Verschärfung erfahren haben.

Eine Konsequenz hat die Bundesbank in ihrer Warnung schon benannt. Ende 2014 hatte der südeuropäische Krisenstaat den Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten fast wieder erreicht.

Der Regierungswechsel im Januar und das seitdem zerstörte Vertrauen, haben die Erfolge des vergangenen Jahres nun aber längst wieder ins Gegenteil gekehrt. Mit anderen Worten: Geld bekommt Athen entweder nur von den europäischen Partnern oder gar nicht.

Reaktion ungewiss

An eine schnelle Lösung des Problems werden ohnehin nur noch die hartnäckigen Optimisten glauben. Der Rest wappnet sich notgedrungen für das Schlimmste und das ist nach Lage der Dinge ein Zahlungsausfall mit anschließendem Austritt Griechenlands aus dem Euro.

Wie der DAX auf die finale Nachricht aus Athen reagieren wird, hängt vermutlich mehr von der allgemeinen Verfassung des Marktes als vom genauen Wortlaut der Nachricht selbst ab.

Befindet sich der Index wie aktuell noch im Korrekturmodus, könnte die unangenehme Botschaft aus Athen den Ausverkauf beschleunigen. Ist die Korrektur jedoch bereits abgeschlossen und streben die Kurse wieder höheren Zielen entgegen, könnten wir ebenso gut eine Befreiungsrallye sehen.

Kiew und die russischen „Terroristen“

Die zweite Nachricht des gestrigen Tages, die alte, ungelöste Probleme wieder auf den Tisch bringt, kommt aus Kiew. Zwei bereits am Samstag in der Nähe von Luhansk verwundete und von der Ukraine gefangen genommene Separatisten sollen Angehörige einer Spezialeinheit des russischen militärischen Nachrichtendienstes Spetsnaz sein.

Sie sollen nun als Terroristen angeklagt werden und sich vor einem Gericht des Landes für den Tod ukrainischer Bürger verantworten. Unter anderem wird ihnen die Ermordung ukrainischer Soldaten zur Last gelegt.

Wenn diese Meldung stimmen sollte und die Gefangenen wirklich dem russischen Geheimdienst angehören, wird Vladimir Putin Probleme haben, diesen erneuten „Freiwilligeneinsatz“ propagandistisch in ein für Russland und ihn selbst günstiges Licht zu rücken.

Dass den Anlegern im DAX ein Wiederaufflammen der Kämpfe in der Ostukraine nicht wirklich ins Konzept passen kann, liegt auf der Hand. Auch wenn es in den Medien noch relativ ruhig zu sein scheint: Allein die Tatsache, dass wieder Gefangene gemacht werden, deutet klar darauf hin, dass in der Ukraine wieder gekämpft wird.

Welche Auswirkungen die Nachrichten aus Athen und Kiew für die Marktteilnehmer haben werden, lässt sich momentan noch nicht abschätzen. Dass es keine guten Neuigkeiten sind, dürfte aber auf der Hand liegen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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