Die Scheingefechte um das Bargeld gehen weiter

Peter Bofingers Interview im Spiegel bewegt in diesen Tagen die Gemüter, zumindest die Gemüter derjenigen, die sich mit Wirtschaftsfragen beschäftigen und die immer weiter ausufernde Schuldenproblematik im Blick haben.

Vordergründig geht es denen einen um die Bekämpfung von Drogenhandel, Schwarzarbeit und anderen Formen der Wirtschaftskriminalität und den anderen um den Erhalt der persönlichen Freiheit, denn unser Geld ist nicht nur Zahlungsmittel und Zahlungseinheit, sondern auch eine Form, Werte über die Zeit zu konservieren.

Diese Funktion ist massiv in Gefahr, wenn negative Zinsen nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel sind, und den Menschen die Möglichkeit genommen wird, ihnen etwa durch die Haltung von Bargeldbeständen zu entgehen.

Dass Zahlungsströme transparenter und für jeden nachvollziehbarer werden, wenn nur noch elektronisches Geld im Umlauf ist, leuchtet ein. Man weiß anschließend haargenau, wer wann für wie viel Geld was wo gekauft hat.

Ist das Geld für den Menschen da oder der Mensch für das Geld?

Sorgsam erfasst entstehen über die Zeit nicht nur gläserne Bürger, sondern auch gläserne Kunden, von denen man im Bedarfsfall alles weiß. Nicht nur für klamme Staaten sind diese Daten mehr als interessant.

Auf der Suche auch nach dem letzten Absatzmarkt werden sich sicher auch Industrie und Handel schon sehr bald für diese Informationen brennend interessieren. Fraglich ist allerdings, ob der Bürger/Kunde auf Dauer in diesem Spiel mitspielen wird.

Zunächst dürfte die Masse der Menschen wohl eher aus Gewohnheit nichts ändern. Doch da anschließend immer mehr Menschen immer schneller die Konsequenzen spüren werden, sind Änderungen im Verhalten nicht nur nicht auszuschließen, sondern auf Dauer geradezu zwangsläufig.

Der eine bekommt permanent Post vom Finanzamt, der andere wird so sehr mit Werbung überschüttet, dass auch dem ruhigsten Zeitgenossen irgendwann einmal der sprichwörtliche Geduldsfaden reist.

Not macht erfinderisch

Anschließend, auch das ist eine Beobachtung, die man in der Geschichte zu allen Zeiten und in allen Kulturen immer wieder machen kann, wird nach Auswegen gesucht. Den Einfallsreichtum der Bevölkerung sollte man dabei auf gar keinen Fall unterschätzen.

Die Schwarzarbeit wird dann zwar offiziell besiegt sein, aber der Gesetzgeber wird sich möglicherweise mit dem Problem fremdfinanzierter Einkäufe herumschlagen müssen und die Krankenkassen werden sich mit partiell zu Rauchern mutierenden Nichtrauchern herumschlagen müssen.

Früher hat man dem Nachbarn Geld zugeschoben, wenn der den eigenen Gartenzaun in seiner Freizeit gestrichen hat. In Zukunft wird man ihn wieder in Naturalien entlohnen oder ihm gleich selbst die Stange Zigaretten kaufen, die er sich vielleicht von dem schwarz verdienten Geld gekauft hätte.

Es geht nicht um das Bargeld, sondern um die Schulden

Deshalb ist ernsthaft zu überlegen, ob man nicht doch besser mit einer Reform der Steuergesetzgebung beginnen sollte, wenn man wirklich der Schwarzarbeit zu Leibe rücken will.

Es geht allerdings nur vordergründig um bequemere Zahlungsmöglichkeiten und die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität. Eigentliches Ziel sind die Guthaben oder besser gesagt, die ihnen gegenüberstehenden Schulden. Sie sind kaum mehr zu stemmen.

Also muss enteignet werden, sei es durch Besteuerung, Beschlagnahmung, Inflation oder notfalls eben negative Zinsen. Aber die Guthaben müssen weg, denn anders wird man die Schulden nicht los.

Für enteignete Zahlenkolonnen auf Geldkarten, Konten und anderen elektronischen Geldspeichern gilt aber am Ende auch das, was schon immer für das Bargeld gegolten hat: Wenn das Vertrauen in das Geld nicht mehr gegeben ist, wird niemand das Geld mehr nutzen wollen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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