DAX: Stetig ist nur das permanente Hin und Her

Politische Börsen haben bekanntlich kurze Beine. Zumindest sagt uns dies ein geflügeltes und unter Börsianern sehr wohl bekanntes Sprichwort. Nur ist das mit den kurzen Beinen nicht so ganz einfach zu bewerten. Es kommt nämlich immer auf den Zeithorizont an. Die letzten Tage verdeutlichen das sehr schön.

Am Mittwoch beflügelte die Hoffnung auf eine bevorstehende Einigung im griechischen Schuldendrama noch die Kurse. Äußerungen aus Athener Regierungskreisen hatten diese Erwartung gestützt und der DAX stieg in Windeseile um über einhundert Punkte an.

So weit so schlecht möchte man sagen, denn die Hoffnung war kurzlebiger als so manch eine Seifenblase. Nicht einmal 24 Stunden vermochte sie die Kurse zu stützen. Dann erfolgte das, was immer erfolgen muss, wenn sich der Markt bei schwierigen Verhandlungen allein auf die Aussagen einer Gruppe stützt und die Bestätigung der Gegenseite nicht abwartet: Die Kurse brechen ebenso schnell wieder ein, wie sie zuvor gestiegen sind.

So war es auch am Donnerstag und der Tag endete so trostlos, dass die Kursgewinne vom Mittwoch schon wieder weitgehend Geschichte sind. Sie scheint also zu stimmen, die Aussage, dass politische Börsen kurze Beine haben.

Das neue Athener Monopoly

Auf der anderen Seite ist sie ebenso falsch, denn das unruhige Hin und Her der Kurse im Athen-Brüsseler-Verhandlungsmarathon beschäftigt uns nun schon seit Ende Januar. Mit dem Wahlsieg der Syriza und Alexis Tsipras Regierungsübernahme hat in Athen das Chaos endgültig System und widersprüchliche Aussagen sind so häufig wie Sonnenschein im Sommer und Schnee im Winter.

Zu erwarten, dass sich daran kurzfristig etwas ändern wird, ist mittlerweile nicht mehr empfehlenswert. Man weiß zwar, dass die Hoffnung immer als Letztes stirbt, aber wir wissen aus leidvoller Erfahrung inzwischen ebenso, dass die neue Athener Regierung viel verspricht und in der Regel wenig hält.

Das gilt ebenso für die Erstellung von Reformlisten als auch für ihre Einschätzungen zum weiteren Verlauf der Verhandlungen. Manchmal wird man den Eindruck nicht los, dass gezielte Desinformation zum aktuellen griechischen System gehört.

Folgt auf die Panik der Befreiungsschlag?

Für die Börse sind derartige Manöver Gift, denn sie zerstören das Vertrauen, das nötig ist, um lang anhaltende, tragfähige Trends ausbilden zu können. Es sind also nicht so sehr die negativen Nachrichten aus Athen, die der Börse aktuell zu schaffen machen, sondern die zahlreichen Unstimmigkeiten und Widersprüche.

Mit schlechten Nachrichten kann die Börse leben, mit permanenter Unsicherheit nicht. So verwundert es nicht, dass die Kurse im Rückblick gerade zu dem Zeitpunkt in eine zähe Seitwärtsbewegung übergegangen sind, in dem die Euphorie über das viele billige Geld der EZB langsam abklang und die Sensibilität für die Dringlichkeit der griechischen Frage wieder wuchs.

So verrückt es im ersten Moment klingen mag: Möglicherweise ist ein Scheitern der Verhandlungen mit Athen der Befreiungsschlag, auf den alle warten. Die Anleger wissen dann unzweifelhaft, was sie auch jetzt schon ahnen: Die Griechen sind pleite, das Land kehrt zur Drachme zurück und die Schulden sind für die Gläubiger verloren.

Das ist zwar ärgerlich, aber auch ein guter Grund, sich wieder allein auf die Zukunft zu konzentrieren und die könnte, ohne das ewige mediale Sperrfeuer aus Athen, an den Finanzmärkten deutlich positiver aussehen, als die traurige Wirklichkeit. Warten wir es ab.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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