DAX: Folgt auf den Ausverkauf nun der Kaufalarm?

Vorläufig ist der von vielen befürchtete und von den Medien stark thematisierte ungehemmte Abverkauf des DAX ausgeblieben. Der unmittelbare Anlass dazu fehlt noch. Die zähen Verhandlungen mit Athen gehen weiter, und solange noch Hoffnung auf eine fünf-vor-zwölf-Lösung besteht, haben die Anleger auch keinen Grund extrem in Panik zu verfallen.

Da der DAX in den vergangenen Tagen recht viel an Boden verloren hatte, war auch eine Gegenreaktion überfällig. Sie startete gestern und brachte dem Index den höchsten Tagesgewinn seit dem 8. Mai.

Ist damit die Kuh vom Eis und der Weg nach oben wieder frei? Vermutlich nicht, denn eine technische Gegenbewegung auf eine Phase lang anhaltender Verluste ist noch keine Bodenbildung und ein einziger Börsentag mit einem starken Anstieg bildet noch keinen Trend.

Weitere positive Tage müssten nun folgen, um das Blatt wirklich dauerhaft zu wenden. Danach sieht es im Moment nicht aus, denn die Abwärtsdynamik der Vortage war ausgesprochen hoch und vor den Käufern liegt nun gleich ein ganzes Band von Hürden und Widerständen, die erst einmal überwunden werden müssen.

Nach dem Sprung aus dem Fenster wird wieder die Treppe genommen

Die erste große Herausforderung liegt im Bereich knapp über 11.300 Punkten und ist damit nur noch einen Wimpernschlag von 150 Punkten entfernt. Sind die Anleger gut gelaunt, legt der deutsche Leitindex eine derartige Strecke inzwischen in wenigen Stunden zurück. Nach einem guten Vor- oder Nachmittag könnten wir also schnell wieder an dieser Hürde stehen.

Dass sie gleich im ersten Anlauf überwunden wird, ist möglich, aber es ist nicht unbedingt das wahrscheinlichste Szenario. Viel eher ist zu erwarten, dass sich Käufer und Verkäufer in diesem Bereich wieder einen zähen Kampf liefern werden.

Das war auch bei der vorangegangenen Abwärtsbewegung der Fall. Auf Basis des Tagesschlusskurses wurde die 11.300er Marke nicht sogleich durchschlagen, sondern war zäh umkämpft.

Dass den in den letzten Wochen recht schwachen Bullen ausgerechnet jetzt ein erfolgreicher Durchmarsch gelingt, ist wenig wahrscheinlich. Ganz auszuschließen ist diese Variante aber nicht, denn die Börse wird nach wie vor der Politik bestimmt und mit welchen Überraschungen diese aufwartet, ist absolut nicht zu prognostizieren.

Die Unwägbarkeiten bleiben und der Verfallstag naht

Beruhigend ist es nicht zu wissen, dass das unstete Hin und Her noch eine Weile so weitergehen wird. Aber solange die Griechenlandproblematik als dunkle Wolke über dem Markt schwebt, ist jederzeit mit scharfen Bewegungen in die eine oder andere Richtung zu rechnen.

Hinzu kommt, dass der große Verfallstag immer näher rückt. Am Freitag der nächsten Woche ist es wieder so weit. Auch ihm ist grundsätzlich zuzutrauen, dass er die Kurse bewegt, denn für die günstigeren Abrechnungspositionen stehen wir eigentlich zu tief.

Ob die Stillhalter den Versuch machen werden, den Markt in ihrem Sinn zu beeinflussen wird sich zeigen. Gut möglich ist auch, dass sie aufgrund der politischen Unsicherheit nichts tun und sich nur absichern und den Dingen ansonsten ihren Lauf lassen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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