DAX: Nach der FED ist vor dem Verfallstag

Bernd Heim
By Bernd Heim / 18. Juni 2015

Man kann es den DAX-Anlegern nicht verdenken, dass sie sich vor der gestrigen Sitzung der US-amerikanischen Notenbank nicht weit aus dem Fenster lehnen wollten und den Index weiterhin unentschlossen hin und her pendeln ließen.

Ob sich an dieser grundsätzlich abwartenden Haltung heute etwas ändern wird, ist zweifelhaft, denn ein Anleger, der es im Vorfeld der Notenbankentscheidung vorzieht, sich nicht festzulegen, wird auch noch die Geduld aufbringen, den morgigen großen Verfallstag in Ruhe abzuwarten, bevor er sich neu positioniert.

Zu allem Überfluss lasten auch weiterhin die politischen Sorgen drückend auf dem Markt. Sie wurden gestern keinesfalls geringer, denn die Verlängerung der europäischen Sanktionen gegen Russland um ein halbes Jahr macht deutlich, dass auch der Konflikt in der Ukraine noch lange nicht gelöst ist.

Er ist in den letzten Tagen nur von anderen Themen in den Hintergrund gedrängt und deshalb von den Marktteilnehmern weniger beachtet worden. Was allerdings nicht heißt, dass der Konflikt nicht jederzeit wieder in den Vordergrund drängen und die täglichen Nachrichten beherrschen könnte.

Verschärfen die Vorwahlen in den USA die Krise in Osteuropa?

Die relative Ruhe in der Ostukraine ist somit nur eine trügerische, zumal in den USA der Vorwahlkampf begonnen hat. Gerade aufseiten der Republikaner haben sehr viele Kandidaten ihren Hut in den Ring geworfen. Zu viele Kandidaten könnte man meinen, denn nun steht jeder von ihnen vor der schwierigen Frage, wie er sich am besten von seinen Konkurrenten absetzen kann.

Man braucht kein großer Prophet zu sein, um damit zu rechnen, dass sich früher oder später einer der Bewerber der Außenpolitik bedienen wird, um sich sowohl von den Konkurrenten im eigenen Lager als auch Amtsinhaber Barack Obama abzusetzen.

Erweist sich dieser Schritt als vorteilhaft, könnte innerhalb der Kandidaten sehr schnell eine Art Überbietungswettlauf stattfinden, der die Nation bewegt und am Ende auch den amtierenden US-Präsidenten zu einer härteren Gangart gegenüber Kremlchef Vladimir Putin bewegt.

Weiterhin im Korrekturmodus

Ob die Märkte neben den leidigen Sorgen um Griechenland und die Zinsproblematik noch einen weiteren gefährlichen Konflikt vertragen werden, darf bezweifelt werden, denn das Chartbild ist momentan alles andere als erbaulich.

Die Käufer sind nun bereits seit Mitte März klar in die Defensive gedrängt und ihnen ist es bislang nicht gelungen, das Heft des Handelns wieder in die Hand zu nehmen. Damit sich die Lage wieder bessert, müsste der DAX über 11.300 Punkte ansteigen und sich in diesem Bereich auch länger als nur für ein paar wenige Stunden halten können.

Möglich ist eine derartige Entwicklung noch immer, doch die Gefahren auf der Unterseite sind auch nicht von der Hand zu weisen. Fällt die schon einmal getestete Marke von 10.800 Punkten, hat der DAX weiteres Abwärtspotential bis in den Bereich von 10.350 Punkten.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment: