DAX: Wie viel Optimismus ist gerechtfertigt?

Bislang war die Devise für den DAX: wenig Licht und viel Schatten. Die Kursmuster der letzten beiden Wochen lassen jedoch erkennen, dass die Abwärtsdynamik langsam nachlässt. Gleich zweimal lief der deutsche Leitindex die Zone um 10.800 Punkte an und prallte erfolgreich an ihr ab.

Man könnte jetzt einwenden, dass diese Anstiege allein positiven Nachrichten in der leidigen Griechenland-Frage geschuldet waren. Das ist gewiss richtig, denn Kurse und Nachrichten entsprachen einander sehr stark in den vergangenen Wochen. Waren die Nachrichten aus Athen oder Brüssel eher negativ, fiel der DAX zurück, kam neue Hoffnung auf eine Einigung auf, lösten sich die Kurse schnell wieder von ihren Tiefs.

Dass der DAX den Bereich um 10.800 Punkte zweimal antestete, aber nicht nach unten durchbrach, kann als Indiz dafür gewertet werden, dass die Anleger in ihrer Mehrheit von einer wie auch immer gearteten Einigung in letzter Minute ausgehen.

Warten auf den Befreiungsschlag

Bislang waren es nur Gerüchte und Hoffnungen, die den DAX ansteigen ließen. Das bedeutet einerseits, dass der deutsche Leitindex schnell wieder zurückfallen kann, wenn die Anleger erkennen, dass die Meldungen, auf die sie ihre Hoffnungen gesetzt haben, nicht belastbar sind.

Auf der anderen Seite wird aber auch das Potential deutlich, das in einer Einigung steckt. Die Frage, ob Griechenland in der Euro-Zone verbleibt oder wieder zu seiner nationalen Währung zurückkehren muss, lastet wie ein Deckel auf dem DAX.

Wird er fortgenommen, kann bildlich gesprochen kurzfristig eine Menge Dampf aus dem Kessel entweichen. Die Korrektur der letzten Monate könnte dann schlagartig zu Ende sein und der über viele Wochen hinweg aufgebaute Druck würde sich in einer eindrucksvollen Rallye entladen.

Entspannung auch bei den Zinsen

Unrealistisch ist dieses Szenario keineswegs, denn auch an der Zinsfront deutet sich zumindest eine gewisse Entspannung an. Noch immer rechnet die Mehrheit der Anleger mit einem ersten Zinsschritt noch in diesem Jahr, vermutlich im September. Doch in der Frage, wie schnell die Zinsen anschließend steigen werden, zeigen sich die Marktteilnehmer heute entspannter als noch vor einigen Wochen.

Insgesamt geht man von einer langsameren Anhebung der Zinsen aus. Diese gemächliche Politik der US-Notenbank käme dem Markt entgegen, denn solange die Zinsen nicht kurzfristig extrem stark steigen, ist nicht zu befürchten, dass von den Rentenmärkten ein übermäßiger Druck ausgehen wird.

Zudem bildet sich im Chart eine Formation aus, die durchaus als bullischer Keil zu interpretieren ist und damit auf steigende Kurse verweist. Kommt dieses Muster in den kommenden Tagen und Wochen zum Tragen, ist noch im Sommer mit einer Wiederaufnahme der Aufwärtsbewegung und steigenden Kursen zu rechnen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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