DAX: Weiterhin alles möglich auch das Unmögliche

Den gestrigen Handelstag, an dem das erste Halbjahr und das zweite Quartal endeten, haben die Anleger nicht dazu genutzt, die Kurse in ein schöneres Licht zu rücken. Das oftmals zum Quartals-, Halbjahrs- oder Jahresende zu beobachtende Window Dressing fiel – vermutlich mit Blick auf die weiterhin unsichere Lage in Griechenland – aus.

Der erste Tag eines neuen Monats ist oftmals von steigenden Kursen gekennzeichnet, weil durch die Fondssparpläne der Kleinanleger frische Gelder zur Verfügung stehen, die von den Gesellschaften am Markt platziert werden wollen.

Nach zwei Abwärtstagen zum Beginn der Woche wäre eine Erholung nun im Bereich des Möglichen. Auf sie zu setzen, ist jedoch riskant, denn das Tief vom Montag wurde gestern, wenn auch gering, unterschritten.

Damit gilt der kurzfristige Abwärtstrend, der sich nach den dramatischen Ereignissen vom Wochenende ausgebildet hat, zumindest als bestätigt. Tiefere Kurse dürften uns also nicht überraschen.

Klarer Trend, starke Unterstützungen

Aber auch die Reise in Abwärtsrichtung ist noch keinesfalls ein Selbstläufer. Zu erwarten ist ein Heranlaufen an die Unterkante des Abwärtstrends. Dazu müsste aber zunächst eine Reihe von Unterstützungen durchbrochen werden. Zu nennen sind die Tiefs aus den Vorwochen und die 200 Tage-Linie.

Beide haben sich bislang als ausgesprochen stabil und belastbar erwiesen. Das ist zwar noch keine eindeutige Gewähr dafür, dass sie es auch weiterhin sein werden. Doch zumindest haben wir ein starkes Indiz dafür, dass hier regelmäßig neuer Kaufdruck entsteht.

Hält diese Entwicklung heute und in den nächsten Tagen an, könnte sich der DAX zumindest auf dem aktuellen Niveau halten und kurzfristig in eine Seitwärtsbewegung übergehen. Mit etwas Glück ist sogar eine Gegenbewegung möglich.

Wie viel sie von der am Montagmorgen zurückgelegten Abwärtsstrecke zurücknehmen wird, ist schwer abzuschätzen. Spätestens an dieser Stelle sollte die aktuelle Lage im griechischen Schuldendrama ins Spiel kommen.

Doch noch eine Verhandlungslösung?

Gestern ist deutlich geworden, wie nah man sich vor dem Wochenende eigentlich schon war und wie weit, insbesondere Bundeskanzlerin Angela Merkel, bereit war, der Regierung in Athen entgegenzukommen.

Das eröffnet die Möglichkeit zu neuen Verhandlungen. Sie werden sicher schon bald beginnen, spätestens nach dem Wochenende, wenn sich die griechische Bevölkerung zur Schuldenfrage geäußert haben wird.

Wie das Referendum ausgehen wird, vermag augenblicklich wohl kaum ein Anleger verlässlich vorauszusagen. Man müsste Hellseher sein, um diese Frage beantworten zu können, ist aber leider nur Investor oder kurzfristig orientierter Trader.

Risikovorsorge ist Pflicht

Für beide bietet es sich weiterhin an, kleinere Brötchen zu backen. Noch immer sind die Nachrichten aus der Politik die reinste Wundertüte und was morgen ist oder sein könnte, verschwimmt hinter einem undurchsichtigen Nebel.

Gegen den hilft nach wie vor nur ein erhöhtes Maß an Vorsicht. Klar definierte Stopps und Positionen, die so klein sind, dass sie dem Anleger im Verlustfall nicht gleich das Genick brechen, sollten eigentlich immer zum Handwerkszeug der Börsianer gehören.

In diesen kritischen Tagen sind sie weiterhin unverzichtbar, denn die europäische Griechenlandpolitik ist weiterhin prinzipiell unberechenbar.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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