China: Der einstige Boomsektor schwächelt weiter

In den vergangenen Jahren war der Immobilienboom in China maßgeblich dafür verantwortlich, dass Chinas Nachfrage nach Rohstoffen geradezu explodierte. Seit 2014 schwächelt dieser wichtige Sektor und mit der schwachen Nachfrage nach neuen Immobilien gerieten auch andere Bereiche schnell unter Druck, denn es fehlten wichtige Aufträge und Impulse.

Wer in China reich werden wollte, der setzte in den vergangenen zehn Jahren nicht auf die Börse oder das Gold, sondern investierte in Stahl und Beton. Immobilien, das war auch dem einfachsten Chinesen klar, waren der Weg zum schnellen Reichtum.

Wer sich nominell reicher fühlt, weil die Preise für die gekauften Immobilien steigen, der zeigt sich auch bei anderen Ausgaben spendabel und konsumfreudig. Wie in den USA ist für den inländischen Konsum die Frage also nicht ganz unerheblich, zu welchen Preisen Immobilien in Chinas Metropolen gerade den Besitzer wechseln.

Der Einbruch des vergangenen Jahres hat die Regierung in Beijing auf den Plan gerufen. Sie will nach Möglichkeit eine Entwicklung verhindern, wie sie Japan Ende der 1980er Jahre erlebte. Fast zeitgleich kollabierten der überteuerte Immobilienmarkt und der Aktienmarkt.

Die langfristigen Folgen sind hinlänglich bekannt. Japan rutschte in eine schwere Depression, aus der es sich im Abstand von 20 Jahren noch nicht vollständig befreit hat. Dass Chinas Regierung wenig Lust verspürt diesem Vorbild zu folgen, liegt auf der Hand.

Es geht auch ums politische Überleben

Anders als auf den japanischen Inseln könnte eine vergleichbare Entwicklung in China leicht revolutionäre Züge annehmen, denn mangels parlamentarischer Demokratie hat das Volk nicht die Möglichkeit seine Regierung abzuwählen, wenn es mit deren Leistungen unzufrieden ist.

Wenn die Regierung trotzdem gehen soll, bleibt nur der Druck über die Straße und den wollen die Herrscher in Peking unter allen Umständen vermeiden. Aus diesem Grund werden schwächelnde Märkte als Bedrohung der eigenen Macht erlebt und entsprechend massiv gestützt.

Die Peoples Bank of China senkte in den vergangenen Monaten viermal den Leitzins und ist wie die EZB in Frankfurt bestrebt, preiswerte Kredite zur Verfügung zu stellen. Außerdem wurde der Mindestreservesatz der Banken drei Mal heruntergeschraubt.

Zusätzlich wurden im März die Anzahlungsanforderungen für Zweitwohnungskäufe von bisher 60 bis 70 Prozent auf nunmehr 40 Prozent gesenkt. Die Gewerbesteuer für den Verkauf von Häusern, die erst zwei Jahre zuvor erworben worden waren, wurden landesweit gestrichen. Zusätzlich hatten einige Lokalregierungen die Restriktionen beim Häuserkauf gelockert.

Kredite sind günstig, verschulden will sich trotzdem kaum jemand

Doch wie in Europa reicht es nicht, die Pferde zur Tränke zu führen. Sie müssen das bereitgestellte Wasser auch annehmen. Mit der Annahme der „phantastischen“ Möglichkeiten sich preiswert zu verschulden hapert es jedoch hier wie dort.

Beim Blick auf den chinesischen Immobilienmarkt lässt sich der von der Regierung gewünschte Aufschwung noch nicht erkennen. Der Rückgang der Preise verlangsamt sich. Das ist aber auch alles.

Zum vierten Mal in Folge nahm die Zahl der Städte mit fallenden Mietpreisen ab. In 34 von 70 von der Regierung überwachten Städten fielen im Juni die Preise für neue Immobilien. Im Mai musste das Nationale Statistikamt noch in 43 Städten einen Preisrückgang verzeichnen.

Ähnlich wie in anderen Ländern ist der Immobilienmarkt auch in China stark fragmentiert. In 27 Städten stiegen die Preise für neue Immobilien. Zu ihnen zählen die die Metropolen Beijing, Tianjin, Shanghai, Guangzhou und Shenzhen. Im Vormonat konnten nur 20 Städte steigende Preise vermelden.

Die großen Erfolge lassen noch auf sich warten

Neun Städte meldeten unveränderte Preise. Es sind dies Städte wie Changsha, Wuxi und Kunming, als die Hauptstädte der Provinzen bzw. die Städte der zweiten Reihe. Bei den gebrauchten Immobilien sahen 20 Städte einen Preisrückgang, während in 42 Städten das Wohnen teurer wurde.

Beginnen die Maßnahmen der Regierung somit langsam zu greifen? Experten sind skeptisch. Sie bezweifeln, dass die Abschaffung von Restriktionen beim Wohnungskauf eine stimulierende Wirkung auf den kränkelnden Immobilienmarkt hat, denn für die meisten Bürger ist der Kauf von Wohneigentum als Investition derzeit nicht attraktiv.

Für die Zukunft muss deshalb mit weiter fallenden Preisen und einer weiteren Aufhebung von Kaufbeschränkungen und Restriktionen gerechnet werden. Ob es hilft einem sterbenden Boom wieder neues Leben einzuhauchen, bleibt abzuwarten.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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