DAX: Wie beflügelnd sind die Nachrichten aus Fernost?

Gute Nachrichten aus Fernosten ließen den DAX am Morgen mit einem satten Plus in den Handel starten. Die Freude hielt allerdings nicht lange. Der Eröffnungskurs war das Tageshoch und schon nach etwas mehr als einer Stunde fiel der Index wieder unter den Schlusskurs vom Vortag zurück.

Kursentwicklungen wie die gestrige führen zwangsläufig zu der Frage, was die Impulse aus dem Fernen Osten für die deutsche Börsenwelt bedeuten und wie nachhaltig sie sind. Nicht nur mit Blick auf den Vormittagshandel vom Donnerstag ist Skepsis angesagt, denn auch an Chinas Börsen ist längst nicht alles Gold, was glänzt.      

Chinas Regierung greift seit Wochen massiv in den Markt ein, um ein schlimmeres Kursdebakel zu verhindern. Ihr verlängerter Arm ist dabei die China Securities Finance Corporation (CSF), ein von der Zentralbank unterstütztes Refinanzierungsinstitut.

Am 9. Juli 2015, als der Shanghaier A-Aktienindex auf einen Tiefpunkt von 3373,54 Punkten zurückfiel, gab die Peoples Bank of China bekannt, dass sie der CSF genügend Mittel zur Verfügung gestellt habe, um den Markt dauerhaft zu stützen.

Regierung und Zentralbank auf Einkaufstour

In China ist die staatliche China Securities Finance Corporation derzeit das einzige Organ, das Brokern Darlehen für das sogenannte Margin Trading, also kreditfinanzierte Aktienkäufe, zur Verfügung stellen darf. Wie die chinesische Notenbank mitteilte, hat CSF inzwischen 21 Wertpapierunternehmen Kredite in Höhe von insgesamt 260 Milliarden Yuan, das sind umgerechnet 39 Milliarden Euro, zugesagt.

Die Konsequenzen dieser Entscheidung sehen wir in diesen Tagen. Die Kurse in Shanghai haben sich stabilisiert und die China Securities Finance Corporation wird bei immer mehr Unternehmen einer der zehn größten Aktionäre.

Offiziell bestätigt wurde die Eigentümerschaft nur bei acht Unternehmen. Zu ihnen gehören der Bauträger Dulexe Family, die Hualan Biotechnik, der Ressourcen reinigende Entwickler SJ Environment Protection, Fujian Cosunter Pharmaceutical, die Yunnan Tin-Unternehmensgruppe, Hunan Er-Kang Pharmaceutical, NavInfo. ein Anbieter digitaler Landkarten sowie der Einzelhändler Friendship & Apollo.

Mit welchem Eifer zugekauft wurde, lässt sich u.a. daran ablesen, dass CSF inzwischen zum zweitgrößten Aktionär von Cosunter Pharma, zum drittgrößten Teilhaber bei SJ Environment Protection und zum fünftgrößten Anteilseigner von Yunnan Tin aufgestiegen ist. Gemeldet wurde diese Zahlen von der Securities Times, die sich in ihrem Bericht auf die Angaben der Börsen in Shanghai und Shenzhen beruft.

Wie viel Manipulation vertragen die Märkte?

Da nicht alle gelisteten Unternehmen der Verpflichtung ihre Aktionärsstruktur offenzulegen nachgekommen sind, muss davon ausgegangen werden, dass noch weitere Anteile im Besitz der CSF und damit in staatlicher Hand sind.

Es ist nicht nur der Besitz an sich der problematisch ist. Die Kurse sind es auch, denn es werden nicht Aktien gekauft, weil gute Firmen an der Börse günstig bewertet sind, sondern es sollen in erster Linie die Kurse hochgehalten werden.

Letzteres beinhaltet auch, dass im Zweifel lieber zu hoch als zu tief gekauft wird. Das unterscheidet den im staatlichen Auftrag agierenden Unterstützer vom klassischen Aktionär, der bestrebt ist, Aktien preiswert einzukaufen und teuer wieder zu verkaufen.

Damit driftet ein weiterer Markt in gefährliche Gewässer ab, denn manipulierte Märkte sind niemals effizient, auch wenn sie steigen und uns Anlegern zunächst Freude bereiten. Doch ein Markt ohne Steuerungsfunktion ist wie ein Schiff ohne Ruder. Eine gewisse Zeit lang geht die Reise gut, doch früher oder später kommt das Riff, auf das man zwangsläufig aufläuft.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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