Der DAX und die Ruhe vor dem Sturm

Würden sich die Börsen in China in diesen Tagen nicht ausgesprochen hektisch und volatil präsentieren, könnte man als Anleger endlich dazu übergehen die Beine hochzulegen, Urlaub zu machen und einmal so richtig auszuspannen. Verdient hätte man es ja eigentlich nach all dem Theater, mit dem allein das erste Halbjahr gefüllt war.

Allerdings die Ferienstimmung ist nicht ganz so entspannt, wie sie es eigentlich sein sollte. China ist viel zu groß, viel zu geheimnisvoll und für uns Europäer oftmals auch viel zu unverständlich, als dass man jetzt schon wirklich abschätzen könnte, was man von den Kursturbulenzen dieser Tage halten soll.

Nach den kräftigen Kursverlusten vom Montag und Dienstag nahmen die Kurse am Mittwoch wieder die Gegenrichtung und stiegen an. Recht stark sogar, doch der Anstieg reicht noch lange nicht aus, um nur den Einbruch vom Wochenbeginn wieder wettzumachen.

Das chinesische Drama ist noch nicht ausgestanden

Bislang präsentiert sich die Gegenbewegung in den chinesischen Charts nur als Flagge im Abwärtstrend. Flaggen sind Fortsetzungsformationen und man mag sich gar nicht vorstellen, was dieses Wissen bedeuten könnte, wenn sich die Kurse auch in Shanghai und Shenzhen regelkonform verhalten und erneut zurückfallen sollten.

Da schon lieber auf die Charttechnik pfeifen und auf die kommunistische Regierung in Beijing hoffen. Möge sie nur Geld genug in die Hand nehmen, um das Offensichtliche doch noch irgendwie zu verhindern.

Derweil fiel der Euro wieder etwas zurück und gab dem DAX zur Wochenmitte die Möglichkeit, einige Punkte gut zu machen. Ein schwacher Euro ist ja bekanntlich gut für die deutschen Exporte.

Auch für die nach China, selbst wenn man dort das Geld, das man eigentlich für den Kauf eines neuen Autos deutscher Fabrikation vorgesehen hatte, inzwischen verzockt hat und nicht weiß, wie man es wiederbekommen soll, weil der Grundstock nur geliehen war.

Fortsetzung im griechischen Theater?

Aber seien wir nicht kleinlicher als unbedingt nötig. Es gibt auch positive Nachrichten. Griechenland zum Beispiel steht möglicherweise bald wieder vor einer Sternstunde der Demokratie.

Nachdem die Syriza-Regierung bei den wichtigen Abstimmungen zum neuen Rettungspakt im Parlament keine eigene Mehrheit mehr vorweisen konnte, denkt der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras inzwischen offen über Neuwahlen nach.

Es fragt sich allerdings, aus welchem Grund der gemeine Grieche noch zur Wahl gehen soll, wenn es am Ende doch ganz anders kommt als gewollt. Der letzte Wahlgang Ende Juni brachte die Ablehnung des Reformprogramms, das nach dem Referendum trotzdem umgesetzt wurde. Weil es so schön war, gleich mit deutlich schärferen Bestimmungen.

An Problemen und Krisen besteht auch weiterhin kein Mangel

In der Ukraine wird gerade damit begonnen, die schmutzige Wäsche des Krieges zu waschen. Wie kaum anders zu erwarten kommt dabei eine Menge Dreck in Form von Kriegsverbrechen, Gewalt, Folter und Misshandlungen zum Vorschein.

Dass die Separatisten in der Ostukraine und die russische Regierung in Moskau beim Waschen ruhig und vor allem emotionslos zuschauen werden, ist kaum zu erwarten, eine in der ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn‘-Mathematik aufgemachte Gegenrechnung schon eher.

Derweil beginnt die Türkei gerade damit, sich innenpolitisch zu destabilisieren und aktiv in den Syrienkrieg hineinzubomben. Saudi-Arabien ist im Jemen schon einen entscheidenden Schritt weiter. Dort bemerkt man gerade, dass es relativ einfach ist, einen Krieg zu beginnen, aber ausgesprochen schwer ihn auch wieder zu beenden.

Für Konflikte und Spannungen ist weiterhin gesorgt. Jetzt muss der Markt nur noch einen Grund finden, um dennoch ungehindert steigen zu können.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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